Michael Täuber im Podium

Wie die Industrie 4.0 laut Tech Data von 5G profitiert

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von Coen Kaat

Der neue Mobilfunkstandard 5G verspricht mehr als nur schnelleres Netflixen. Auch für die Industrie 4.0 bieten die hohe Bandbreite und die niedrige Latenz von 5G zahlreiche Vorteile – etwa wenn es darum geht, die Fertigung zu vernetzen. Wie die Industrie von 5G profitiert, sagt Michael Täuber, Business Development Manager NextGen Solutions bei Tech Data Schweiz.

(Source: apinan / Fotolia.com)
(Source: apinan / Fotolia.com)

Wie profitiert die Industrie 4.0 vom neuen Mobilfunkstandard 5G?

Michael Täuber: Ungeachtet der Frage, ob es 5G tatsächlich braucht, lässt sich Folgendes sagen: Überall, wo Daten mobil (per Funk) übertragen werden, steigt mit der jeweiligen Menge an Informationen auch die benötigte Bandbreite. Die fortschreitende Digitalisierung der Prozesse wird dies in Zukunft noch beschleunigen. Dies gilt im Besonderen dann, wenn der Datenstrom nicht nur in eine Richtung erfolgt, sondern eine Unmenge an Informationen verschiedenster Quellen an Sender und Empfänger gelangen sollen, die mit diesen in Echtzeit arbeiten müssen.

Was davon ist bereits Realität, was noch Zukunftsmusik?

Sicher funktionieren bestimmte Vorgänge heute schon ganz selbstverständlich, dazu ein paar Beispiele aus verschiedenen Branchen: In der Landwirtschaft etwa, wenn es um GPS gesteuerte Automaten (Roboter/Fahrzeuge) geht, die dem Bediener nicht nur die Fahrt erleichtern sollen, sondern etwa auch die Abstimmung eines Gemisches von Dünger und Zusatzstoffen auf die jeweilige Bodenbeschaffenheit, um den Ressourcen-Einsatz zu optimieren. Das Messen von Besucherströmen und deren Gesundheitszustand, etwa bei Massenveranstaltungen oder in Einkaufszen­tren, in Stadien und Krankenhäusern und den Einsatz von Personal. Zukünftig ist ein automatischer Austausch von Interaktion bei Wearables (am Körper getragenen Geräten oder gar Implantaten) absolut denkbar und zum Teil auch bereits Realität. So könnten etwa Patientendaten kontaktlos und sicher verschlüsselt in Echtzeit mit Ärzten ausgetauscht und bei Abweichungen des Standards sofort reagiert werden. Ganz sicher ist aber, dass es auf 5G auch weitere Entwicklungen in diesem Bereich gibt.

Michael Täuber Business Development Manager NextGen Solutions, Tech Data Schweiz. (Source: zVg)

Welche Vorteile bietet 5G für industrielle IoT-Anwendungen im Vergleich zu bisherigen Standards, wie etwa LTE/4G?

Bei 5G ist der Stromverbrauch in Relation zur übertragbaren Datenmenge und -geschwindigkeit in der mobilen Datenübertragung niedriger. Dies begünstigt wiederum die Verbreitung der Anzahl Devices und hilft, die Datenmenge effizient zu managen.

Inwiefern werden Unternehmen durch diese Entwicklung gezwungen, mit grossem finanziellem Aufwand aufzurüsten, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen?

Die Verbreitung von flächendeckendem 5G-Empfang und die Anzahl 5G-fähiger Devices ist noch recht überschaubar. Denkbar wäre, dass Anfangsinvestition subventioniert werden, um den Ausbau und die Nutzung voranzutreiben. In einer zweiten Phase wird es zum Anstieg konkurrierender Anbieter kommen, was zu Preiskorrekturen führen wird. Zudem wird die Verbreitung 5G-fähiger Geräte den Konkurrenzkampf zusätzlich begünstigen. Viele Unternehmen werden wohl erst zu einem späteren Zeitpunkt Zusatzinvestitionen tätigen; dann, wenn sich 5G als De-facto-Standard etabliert hat und sie gar nicht mehr darum herumkommen.

Welche Chancen eröffnen sich dadurch für Schweizer IT-Dienstleister, Systemintegratoren und Fachhändler?

5G als einer der Megatrends neben Robotik, künstlicher Intelligenz und Quantencomputing werden nicht nur Antworten liefern, wie bestehende Probleme besser oder effizienter gelöst werden können. Grundsätzlich entstehen Entwicklungen aus einem Bedarf, einer Anforderung oder einem Problem. Für unsere Industrie werden sich neue Möglichkeiten bei der Entwicklung von Produkten, Dienstleistungen und Services ergeben. Bereits heute bestehende Kundenbedürfnisse nach Security, On-Demand-Kapazitäten und Flexibilität werden noch wichtiger werden. Daraus ergeben sich für uns als Distributoren und Partner zusätzliche Wachstumschancen für die Zukunft.

Welche Herausforderungen stellt eine so vernetzte Industrie an die Netzwerkinfrastruktur?

Die Herausforderungen sind heute sicherlich gewachsen, beziehungsweise setzen klarere Regeln und stellen konkretere Anforderungen an die Infrastruktur. Auf der anderen Seite öffnen sie geschlossene, teils in der Verwendung limitierter Anlagen in reinen Produktionseinrichtungen hin zu intelligenten (IT-)Umgebungen mit multifunktionellen Steuerungen. Ausser der Prozesseffizienz soll auch die Betriebsfähigkeit permanent überprüft werden und mögliche Abweichungen vor dem Entstehen erkannt und verhindert werden. Durch die rasant wachsende Anzahl Devices, im Speziellen im Zusammenhang mit Bild- und Tondaten, werden immer höhere Bandbreiten und auch verlässlichere Verbindungen nötig. Zudem muss das Thema Netzwerküberwachung und Sicherheit in Zukunft noch stärker beachtet werden. Denn defekte Komponenten oder Angreifer können sonst ganze Produktionsketten lahmlegen.

Die Antworten der anderen Teilnehmer des Podiums:

Webcode
DPF8_204314

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