Führungswechsel beim Distributor

Wie Stefan Ebnöther Littlebit-CEO Patrick Matzinger Schritt für Schritt ablösen will

Uhr
von Coen Kaat

Beim Schweizer Distributor Littlebit Technology ist ein Führungswechsel im Anmarsch. Stefan Ebnöther, seit Juni 2020 im Unternehmen, wird CEO Patrick Matzinger ablösen. Im Interview sagt Ebnöther, welche Pläne er für den Disti hat, wie weit der Wechsel schon fortgeschritten ist und wie es überhaupt dazu kam.

Stefan Ebnöther, Chief Business Officer, Littlebit Technology. (Source: Netzmedien)
Stefan Ebnöther, Chief Business Officer, Littlebit Technology. (Source: Netzmedien)

Sie haben per Anfang 2021 die operative Leitung der einzelnen Ländergesellschaften der Littlebit-Technology-Gruppe übernommen. Wie verlief die Stabsübergabe?

Wir konnten die Leitung der Länderorganisationen schnell und reibungslos von Patrick Matzinger auf mich übertragen. Die Managing Directors der einzelnen Grossregionen Schweiz, Deutschland, Österreich und Benelux berichten neu direkt an mich. Zudem verantworte ich auch das Gruppenmarketing, das Business Development und ich repräsentiere auch die ganze Gruppe etwa während Verhandlungen mit den Entscheidungsträgern von Herstellern im Absatzbereich.

 

Das heisst, Sie lösen Patrick Matzinger als CEO der Littlebit-Gruppe ab?

Das ist die Idee. Die Übernahme der Ländergesellschaften war der erste Schritt. Einen fixen Zeitplan für diese Ablösung gibt es allerdings nicht.

 

Gibt es einen ungefähren Zeitplan?

Wir sind diesbezüglich sehr bewusst zurückhaltend in der Kommunikation. Wir wollen den Wechsel dynamisch und in unserem - im richtigen - Tempo vollziehen. Dabei wollen wir uns nicht durch extern kommunizierte Termine stressen lassen. Weder spüre ich eine extreme Dringlichkeit, alles möglichst rasch zu übernehmen, noch will Patrick Matzinger diese Aufgaben jahrelang weiter ausüben. Ausserdem gibt es überhaupt keinen Grund, Schnellschüsse zu machen, die zu übereilten Veränderungen führen. Der Firma geht es gut; wir haben Zeit.

 

Ihr Aufstieg erfolgte rund ein Jahr, nachdem Sie zum Unternehmen gekommen sind. War dies auch der Grund für Ihren Wechsel zu Littlebit?

Es war tatsächlich von Anfang an klar, dass ich das komplette operative Tagesgeschäft übernehmen und Matzinger Schritt für Schritt ablösen werde. Wir sind schon seit Jahren gut befreundet. In dieser Zeit sprachen wir oft und lange über das Thema eines Führungswechsels. Unsere Freundschaft und das über Jahre aufgebaute gegenseitige Vertrauen ist mitunter auch ein Grund dafür, dass wir den Wechsel so dynamisch gestalten können und keinen drastischen Schnitt machen müssen.

 

Wie haben Sie sich auf Ihre neue Rolle vorbereitet?

Wegen Covid-19 fielen alle Messen sowie Hersteller- und Kundenbesuche aus. So hatten wir viel mehr Zeit als erwartet für meine Einarbeitung ins Tagesgeschäft. Daher sind wir auch schneller vorwärtsgekommen, als wir das ursprünglich gedacht hatten. Es war beispielsweise eigentlich nicht geplant, dass ich von Anfang an eine Abteilung übernehmen würde. Aber es zeigte sich schon schnell, dass gewisse Bereiche davon profitieren könnten, wenn ich schon meine Erfahrungen aus früheren Tätigkeiten einbringen würde. So hatte ich also auch schon während meiner Einarbeitungszeit direkte Berührungspunkte mit dem Tagesgeschäft.

 

Welche Abteilungen waren das?

Das Group Marketing und die Digital-Signage-Abteilung Solutions & Projects. Beide Themengebiete kenne ich schon durch meine Zeit bei Samsung.

 

Was passiert mit diesen bisherigen Aufgaben?

Die bleiben weiterhin bei mir.

 

Wie sieht die Arbeitsteilung zwischen Ihnen und Matzinger aktuell aus? Gibt es Bereiche, die er noch für sich behalten will?

Ich habe zwar schon einen Anteil der Aufgaben im Bereich Einkauf übernommen. Die Abteilung rapportiert aber noch an Matzinger. Er ist zudem auch stark involviert ins Personal-Coaching. Dabei geht es um die Individualentwicklung von Mitarbeitenden und Führungspersonen.

 

Ist das ein neues Angebot der Littlebit-Gruppe?

Nein, das bieten wir nicht für externe an, sondern für unsere eigenen Mitarbeitenden. Wir sehen es als unsere Aufgabe, unsere Mitarbeitenden aus- und weiterzubilden. So wollen wir auch einen Beitrag dazu leisten, dass wir hier in der Region und in der IT-Branche über genügend Fachkräfte verfügen. Dass Matzinger auf dem Gebiet so aktiv ist und diese Coachings gerne übernimmt, ist wirklich eine Bereicherung für unser Unternehmen.

 

Schaut er Ihnen noch prüfend über die Schulter?

Eigentlich nur wenig (lacht). Er lässt mir grundsätzlich absolut freie Hand. Er ist aber immer für mich da, wenn ich etwas brauche. Sein Büro ist auch praktischerweise direkt neben meinem. So ist er also eher mein Sparringspartner, wenn ich bei gewissen Themen und Bereichen eine zweite Meinung einholen will.

 

Was wird Matzinger nun machen? Zieht er sich aus dem ­Unternehmen zurück?

Sein Plan ist es sicher, sich zeitnah aus dem operativen Tagesgeschäft zurückzuziehen. Er will sich mehr auf die strategische Ausrichtung der Gruppe konzentrieren - wie wir uns weiterentwickeln können, welche neuen Produktkategorien hinzukommen müssen und in welche Länder wir als Nächstes expandieren wollen. Als aktiver Präsident des Verwaltungsrats wird er langfristig in diese Diskussionen involviert bleiben.

 

Was waren die Hintergründe für den Führungswechsel?

Matzinger und Björn Palko, unser CFO, haben die Gruppe 21 Jahre als Zweiergespann erfolgreich geführt und aufgebaut. Beide sind schon von Anfang an dabei. Was dereinst aber nur eine Handvoll Angestellte war, ist mittlerweile auf deutlich über 200 Mitarbeitende angewachsen. Bis Ende des Jahres wird Littlebit über 250 Personen beschäftigen. Diese gewachsene Komplexität ist mit der bisherigen Führungsstruktur fast nicht mehr tragbar. Matzinger und Palko verbrachten zudem den grössten Teil ihrer Karriere bei Littlebit - also in der Distribution. Dieser Wechsel bringt also auch einen frischen Wind in die Firma, da ich die vergangenen Jahre auf der anderen Seite des Channels tätig war.

 

Gibt es eine vergleichbare Nachfolgeregelung für Björn Palko?

Dafür holten wir Jochen Bless in die Schweiz - den ehemaligen Geschäftsführer von Littlebit in Deutschland. Als COO übernimmt er nun schrittweise die Bereiche Operations, Logistik und Accounting von Palko, während dieser sich mehr auf strategische Finanzthemen konzentriert, die aufgrund des Wachstums auch immer wichtiger und anspruchsvoller werden. Bless und Palko sind also quasi in der gleichen Situation wie ich und Matzinger.

 

Wie war es für Sie, nach 7 Jahren bei einem Hersteller wieder zu einem Disti zu wechseln?

Es ist, als ob ich wieder zu meinen Wurzeln zurückkehre. Ich fing im Jahr 2000 meine Lehre in der IT-Branche an - und bin der Branche seitdem treu geblieben. Einen grossen Teil dieser Karriere verbrachte ich in der Distribution.

 

Wie hat sich die Disti-Landschaft in der Zeit, in der Sie für Samsung tätig waren, verändert?

Wenn ich jetzt zurückblicke, stelle ich keine überproportional starke Veränderung fest. Es ist mehr eine stetige Veränderung. Davon lebt die Distribution ja auch: Sie entwickelt sich ständig mit dem Markt weiter und passt sich diesem kontinuierlich an. Genau das sehe ich auch als Stärke und Daseinsberechtigung der Littlebit-Gruppe. Wir sind die Brücke zwischen den Herstellern und dem Fachhandel. Um aktuell zu bleiben, muss diese Brücke immer wieder mal angepasst oder umgebaut werden. Für jeden, der sich in der Distribution wohlfühlt, kommen diese Veränderungen ganz natürlich.

 

Was sind zurzeit die wichtigsten Trends in der Distribution?

Ich denke, der Fokus im E-Tail und Retail liegt momentan auf intelligenten Beschaffungssystemen. Damit diese gut funktionieren, müssen die Schnittstellen stets gut gepflegt werden. Für Mitarbeitende im Vertrieb wird es daher immer wichtiger, dass sie die zum Teil recht komplexen Systeme der Kunden wirklich kennen und verstehen. So werden Vertriebsmitarbeiter immer mehr zu Vertriebsinformatiker. Im B2B-Umfeld werden zudem Spezialisierungen immer wichtiger.

 

Wie packt Littlebit diese Trends an?

Da können wir natürlich unsere Stärken einbringen. Die grossen Hersteller operieren mit eher starren, globalen Strategien, die ganze Kontinente und Grossregionen abdecken. Wir können aber innerhalb dieses Rahmens flexibel sein. So können wir etwa für den Channel und die Kunden individualisierte Lösungen anbieten - sei es in der Logistik, in der Anbindung, Customization oder bei der persönlichen Betreuung.

 

Wohin wollen Sie Littlebit führen?

Unsere grundsätzliche Strategie bleibt natürlich diese Brückenfunktion zwischen dem Fachhandel und den Herstellern. Dafür investieren wir viel in unseren Channel und bauen diesen stetig aus. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Thema Professional Solutions. Auf der Gruppenebene gibt es zudem gewisse Länder, in denen unsere Präsenz noch etwas jung ist. Dort konzentrieren wir uns jetzt darauf, weiter zu wachsen.

 

Wie wollen Sie Ihre Strategie umsetzen?

In der Schweiz wollen wir unser Verkaufsteam ausbauen und weiterbilden. Wir haben im Vertrieb bereits sehr professionelle Mitarbeitende. Dieses Know-how, das wir intern haben, wollen wir auch hinaus an die Fronten bringen und damit nach aussen tragen. Bei der Sortimentierung bleibt die Strategie so, wie sie auch schon früher immer war.

 

Und wie sieht diese aus?

Wir wollen nicht alles anbieten, sondern nur sehr gezielte und bewusst ausgewählte Sortimente. Wir konzentrieren uns auf gewisse Themen und gehen nur innerhalb dieser Bereiche in die Breite. Wer bei uns beispielsweise einen Server konfigurieren will, soll auch die entsprechenden Komponenten bekommen können. Also nicht nur die CPU, sondern etwa auch Storage-Komponenten. Dasselbe gilt etwa auch im Digital-Signage-Bereich. Will man ein Sitzungszimmer ausstatten, kann man bei uns alles vom Display über den Player bis hin zur Kamera als Komplettlösung beziehen.

 

Littlebit ist mit den Eigenmarken Joule Performance und ­Axxiv auch als Assemblierer aktiv. Wie sieht das Verhältnis zwischen Assemblierungs- und Distributionsgeschäft aus?

Wir nennen diesbezüglich keine detaillierten Zahlen. Ich kann allerdings sagen, dass unsere beiden Eigenmarken zu den Top-10-Brands in unserem Angebot gehören. Das Eigenmarkengeschäft ist also ein wichtiges Geschäft für uns, durch das wir uns durch unsere Flexibilität vom Markt abheben können.

 

Werden Sie so nicht auch zum Konkurrenten der Hersteller, die Sie listen?

Bei gewissen Produkten könnte es sicherlich zu Konkurrenzsituationen kommen. Hier ist es einfach wichtig, dass man stets transparent ist gegenüber den Herstellern. Wenn etwa ein Hersteller ein Produkt auf den Markt bringen will, das wir auch als Eigenmarke anbieten, prüfen wir natürlich zunächst gemeinsam, wie wir diese Technolo­gien positionieren wollen. Dabei sind wir stets bemüht, unsere Eigenmarken als eine Ergänzung anbieten zu können. Darüber hinaus haben wir viele Hersteller im Sortiment, die ihre Komponenten bei unseren Eigenmarken positionieren können.

 

Wie einfach ist es für einen Schweizer Assemblierer, sich gegen die grossen internationalen Hersteller zu behaupten?

Das ist eigentlich recht einfach - solange man nicht versucht, mit grossen Volumen in einem niedrigen Preissegment zu bestehen. Als lokaler Anbieter können wir viel flexibler sein, wenn es etwa um individuelle Konfigura­tionen der Produkte geht. Bei uns können Kunden auch bei kleineren Bestellmengen alles bis auf die letzte Schraube selbst definieren. Das wäre für einen grossen, global agierenden Hersteller schlicht zu teuer.

 

Mit Joule Performance bedienen Sie primär den B2C-Bereich. Wie gross ist der B2C-Anteil an Ihrem Geschäft?

Der ist recht gross und zudem enorm gewachsen in den vergangenen Jahren - vor allem auch im vergangenen Jahr aufgrund des Lockdowns. Lediglich die schlechte Verfügbarkeit einzelner Komponenten drückt momentan auf das Wachstum. Schon seit geraumer Zeit wird alles, was wir produzieren können, sofort verkauft.

 

Planen Sie, den Bereich auszubauen?

Absolut! Joule Performance begann als kleines Team. Unterdessen arbeiten bereits 10 Personen in der Abteilung und wir wollen dieses Jahr weitere Stellen besetzen. Wir wollen die Produktion und auch das Marketing ausbauen.

 

Werden Sie die Marke auch in weitere Länder bringen?

In Österreich sind wir bereits erfolgreich mit Joule Performance unterwegs. Dieses Jahr wollen wir zudem in Deutschland loslegen. Denn auch dort gibt es einen High-End-Markt, der Gaming-Produkte mit Schweizer Qualität würdigt.

 

Wollen Sie die Produktpalette in dem Bereich weiter diversifizieren?

Wir haben bereits einen Gaming-Stuhl im Angebot. Das Konzept bleibt aber gleich: bessere Komponenten und bessere Verarbeitung. Gaming-Stühle mag es viele geben, aber wir sind der erste Hersteller eines Gaming-Stuhls mit einer hochwertigen Kombination aus Alcantara-Kunstleder und echtem Leder. Ferner prüfen wir ständig, wo es noch Bedürfnisse im Premium-Segment gibt, die wir bedienen könnten. Was ich aber jetzt schon versprechen kann: Das Joule-Team wird noch für die eine oder andere Überraschung sorgen.

 

Was kommt dieses Jahr auf die Partner zu?

Da kommt noch einiges! Der erste Schritt wird im zweiten Quartal sicherlich der komplett neue Webshop sein. Wir begannen bereits damit, unsere Konditionen und AGB zugunsten unserer Partner anzupassen. Es ist mir wichtig, dass es kein typischer Standard-Webshop wird. Sondern ein Portal, das wirklich gezielt die Bedürfnisse unserer Channelpartner bedient.

 

Gibt es schon weitere Expansionspläne für die Littlebit-Gruppe?

Noch ist nichts spruchreif, aber wir analysieren das kontinuierlich. Wir erhalten auch regelmässig Anfragen, ob wir unsere Dienstleistungen nicht noch in weiteren Ländern anbieten könnten. Solche Überlegungen finden wir immer sehr spannend und nehmen uns daher jedes Mal gerne Zeit, alles gründlich auszudiskutieren.

 

Wie lautet Ihre persönliche Botschaft an den Channel?

Kommen Sie auf uns zu und nutzen Sie unsere Dienstleistungen! Machen Sie das ruhig auch zu einer Challenge und setzen Sie uns auf den Prüfstand. Wir werden Ihnen zeigen, dass wir diese Brücke im Channel bauen und uns dabei Ihren Bedürfnissen anpassen können. Lassen Sie uns Ihr Sprachrohr sein, gerade bei Herstellern, die sonst eher schwierig zu erreichen sind!

 

Persönlich: Stefan Ebnöther ist in Luzern geboren und in und um Luzern aufgewachsen. Im Jahr 2000 begann er seine Lehre in der IT als Kaufmännischer Angestellter und ist seitdem der Branche treu geblieben. Er hatte mehrere Funktionen in Marketing, Sales und Product Management inne und sammelte bei Herstellern, Distributoren und Fachhändlern einen breiten Erfahrungsschatz. Er fährt leidenschaftlich Motorrad und Mountainbike und geniesst seine Freizeit mit seiner Frau, die wie er auch in der IT-Branche tätig ist. Aktuell hoffen sie auf eine Lockerung der Reisebestimmungen, damit sie ihre Flitterwochen nachholen können. (Source: Littlebit Technology)

Webcode
DPF8_211442

Kommentare

« Mehr