Tim wird neuer Disti

Pure Storage lässt Abo-Storage fallen

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von Marc Landis und Coen Kaat

Mitarbeiter weg, Disti weg: Bei Pure Storage rumort es gewaltig. Überraschend hat Pure Storage den Vertrag mit Abo-Storage gekündigt. Neu vertreibt neben dem bisherigen Distributor Zibris hierzulande der deutsche Disti Tim mit Niederlassung in Baar Pure Storage.

Der deutsche Storage-Disti Tim, der Pure Storage bereits in Deutschland und Österreich vertreibt, hat neuerdings auch einen Distributions-Vertrag mit Pure Storage für die Schweiz. Dies schreibt Tim in einer Pressemitteilung.

Abo Storage hingegen ist seit 1. März nicht mehr Pure Storage-Distributor. Das bestätigt ein enttäuschter Abo-Storage-Geschäftsführer Norbert Kopp am Telefon.

"Vor allem ärgert mich die Art und Weise, wie wir abserviert wurden." So habe Pure Storage im Vorfeld nie das Gespräch mit Abo-Storage gesucht. "Sie liessen den Schweizer Pure-Storage-COO Markus Malizia die Vertragskündigung überbringen, denn einen Country Manager haben sie ja immer noch nicht, und eine Woche später entliessen sie auch Malizia. So geht man nicht mit Partnern um und auch nicht mit Menschen. Wir sind hier ja nicht im Wilden Westen."

Die Redaktion fragte Pure Storage, Malizias Weggang zu bestätigen. Das Unternehmen antwortete lediglich mit: "Wir kommentieren keine Mitarbeiterverträge".

Channelpartner sind verunsichert

Dabei habe mit Pure Storage alles so gut angefangen, erzählt Kopp. "Wir freuten uns, dass wir in unserem Storage-Portfolio neben Netapp, auch die Lösungen des Neulings Pure Storage bei uns aufnehmen konnten. Wir wollten mit ihnen etwas aufbauen. Letztlich haben wir aber gemerkt, dass sie noch nicht bereit sind für den Channel". Abo-Storage habe viel in Know-how, in Manpower und in die Marktbearbeitung investiert. "Viel Umsatz haben wir mit Pure Storage noch nicht gemacht, aber wir hatten eine Pipeline von mehreren Millionen Franken. Was damit nun geschieht, weiss ich nicht."

Auch seien die Channelpartner von Abo-Storage verunsichert, wie es wohl mit Pure Storage weitergehe. Pure Storage habe ein schlechtes Quartal hinter sich und auch die Partnerkonferenz, die im März hätte stattfinden sollen, wurde ohne Angabe von Gründen um drei Monate verschoben.

"Sie sind wohl ziemlich unter Druck durch ihre Investoren", mutmasst Kopp. Das dürfte stimmen: In den letzten sechs Monaten tauchte die Aktie von Pure Storage an der Börse um mehr als 20 Prozent.

Das Geschäftsjahr 2016 beendete Pure Storage per Ende Januar 2017 mit einem operativen Verlust von fast 245 Millionen US-Dollar und das obwohl der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um rund 65 Prozent auf knapp 728 Millionen Dollar zugelegt hatte.

Gespräche mit anderen Herstellern laufen

"Dass wir Pure Storage nun verloren haben, ist kein Beinbruch, und wir werden deshalb auch niemanden entlassen.", sagt Kopp. Vielmehr werde Abo-Storage die Distribution um neue Anbieter - auch aus dem Storage-Bereich - erweitern, er sei in Gesprächen mit verschiedenen Herstellern, die er ins Porfolio von Abo-Storage aufnehmen könnte. Bereits abgeschlossen sei ein Vertrag mit Exagrid, einem Anbieter für eine Back-up-to-disk-Lösungen.

Bezüglich Pure Storage werde Abo Storage seinen Verpflichtungen noch bis Ende Mai nachkommen und "laufende Projekte abschliessen". "Ich hoffe, wir kriegen das zur Zufriedenheit aller hin", sagt Kopp. Pure Storage zeige sich in diesem Zusammenhang allerdings wenig kooperativ. "Was bleibt ist ein fader Nachgeschmack."

Zibris baut Pure-Storage-Kompetenzen aus

Für den anderen Pure-Storage-Distributor in der Schweiz, Zibris, ändert sich derweil nichts, wie Zibris-Geschäftsführer Mariano Isek auf Anfrage mitteilt. Auch hat Isek keine Angst, dass Pure sie ebenfalls fallen lassen könnte. "Wir haben ja Pure Storage in die Schweiz gebracht!", sagt er. Zibris stehe im engen Kontakt mit dem Hersteller und baue seine Kompetenzen in dem Bereich aus.

Aktuell beschäftigt Zibris sechs Mitarbeiter für das Pure-Storage-Portfolio. In diesem Jahr will Isek zwei bis fünf weitere einstellen.

Isek vermutet, dass der Wechsel von Abo-Storage zu Tim mit dessen starken Position in Deutschland zusammenhänge. Tim vertrieb die Pure-Storage-Lösungen bereits in den übrigen DACH-Ländern. Mit diesem Schritt vereinheitliche der Hersteller seine Vertriebsstrukturen in der Region. Abo-Storage sei daraufhin weggefallen, weil Pure Storage in jedem Land nur mit zwei Distributoren zusammenarbeite.

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