Cloud Talk von Glenfis im Prime Tower

Warum die Cloud für Unternehmen immer noch eine Herausforderung ist

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Glenfis hat zu seinem Cloud Talk nach Zürich geladen. Der Anlass zeigte, dass die Cloud für Unternehmen immer noch ein Stolperstein sein kann. "Wer in die Cloud will, muss genau wissen, wie sein Unternehmen funktioniert", sagte einer der Referenten.

"Es ist nicht immer klar, wo die Reise in die Cloud hinführt", sagte Ralf Winter, Senior Cloud und Sourcing Consultant von Glenfis, am 14. November im Restaurant Clouds in Zürich. Darum sei es umso wichtiger, strukturiert vorzugehen. Am "Glenfis Cloud Talk" zeigten Referenten von Microsoft, Eurocloud, Glenfis und der Schweizerischen Post auf, warum die Cloud für Firmen immer noch eine Herausforderung ist.

Das erste Referat hielt Tobias Höllwarth, Geschäftsführer von Sourcing International und Präsident von Eurocloud Europe. Er sagte, dass die Cloud die Art und Weise, wie Wertschöpfung generiert wird, auf den Kopf gestellt habe. Um die Herausforderung der Cloud zu meistern, gab er folgende Tipps:

  • Jedes Unternehmen sollte sich mit folgenden 5 Themen befassen: Kunden, Wettbewerber, Daten, Innovation und Wertschöpfung.

  • Unternehmen sollten sich fragen, wie sich ihre Kunden zu Netzwerken zusammenschliessen, und welche Bedeutung Reputationsnetzwerke haben. Es sei zudem wichtig, die Frage zu klären, welche Communitys sich um ein Produkt herum bilden – und warum.

  • Es gibt heute viele Modelle von Zusammenarbeit und Wettbewerb. Andere Marktteilnehmer sind nicht immer bloss Partner oder Konkurrenten. Firmen sollten sich mit Coopetition, Disintermediation, asymmetrischem Wettbewerb und der Plattform-Ökonomie befassen.

  • Konkurrenz kommt heute oft von Firmen, die auf den ersten Blick völlig anders aussehen als das eigene Unternehmen. Oft lösen diese aber die gleichen Probleme für die Kunden. Das zeigt ein Zitat von Sree Sreenivasan, ehemaliger Chief Digital Officer des Metropolitan Museum of Art in New York: "Unsere Konkurrenten sind nicht andere Museen, sondern Netflix und Candy Crush."

  • Daten sind heute ein strategisches Asset und der Rohstoff der Digitalisierung. Wer heute Werte für den Kunden schöpfen will, muss auch ein Datenspezialist sein.

  • Etablierte Firmen sollten genau beobachten, was Start-ups machen. Innovation findet nämlich oft in Jungunternehmen statt, wo es Raum für Experimente gibt. Es kann sich lohnen, die Best Practices von Start-ups zu studieren und auf das eigene Unternehmen zu adaptieren.

  • Innovation heisst: Experimentieren, Ideen generieren und austesten, schnell sein, Tests im kleinen Rahmen starten und Dinge, die nicht funktionieren, auch wieder zu verwerfen.

  • Konkurrenz gibt es heute überall. Besonders gefährlich sind Unternehmen, die nicht wie deines aussehen, aber für die Kunden das gleiche Problem lösen.

Wie immer am "Glenfis Cloud Talk" war auch ein Provider anwesend. Dieses Mal war es Microsoft, vertreten durch Martin Möller, Digital Transformation Principal beim Unternehmen. Er sagte Folgendes:

  • Die Cloud bringt für Firmen viele Veränderungen. Cloud heisse auch, Mitarbeiter zu befähigen, die Kunden anders anzugehen, Produkte zu transformieren und die Operations zu optimieren.

  • Prozessautomatisierungen gibt es seit Jahrzehnten. Dank der Cloud sind neu aber auch "kognitive Prozessautomatisierungen" möglich. "Diese Art der Automatisierung verursacht weniger Integrationsprobleme, da sie sich am Denken des Menschen orientiert", sagte Möller.

  • "Das wichtigste ökonomische Gut ist nicht mehr Geld, sondern Zeit." Es gebe einen Kampf um Aufmerksamkeit, sagte Möller. Das bedeute, dass Produkte und Dienstleistungen personalisiert und relevant sein sollten. Auch der Zeitpunkt des Kundenkontakts spiele eine grosse Rolle.

  • Unternehmen sollten die Cloud als Baukasten betrachten, den sie flexibel einsetzen können. Die Cloud helfe Firmen dabei, besser zu skalieren und ihre Prozesse zu überdenken.

  • Microsoft werde ab 2019 die beiden Rechenzentren-Zonen "Switzerland North" und "Switzerland West" anbieten, versprach Möller. Das komme bei den Kunden gut an.

  • "Wer in die Cloud will, muss genau wissen, wie sein Unternehmen funktioniert."

Den dritten Vortrag hielt Christoph Siegrist, Leiter des Cloud Service Brokers der Schweizerischen Post. Er zeigte auf, was die Cloud für Auswirkungen auf die Kunden hat, am Beispiel der Post:

  • Die Cloud braucht eine neue Denkweise in Unternehmen. "Wir suchen heute Cloud Engineers bei Start-ups, da sie den richtigen Mindset haben", sagte Siegrist.

  • Unternehmen sollten gut überlegen, was sie im Cloud-Zeitalter mit ihren Apps machen. Es gibt verschiedene Ansätze, etwa Rehosting, Repurchasing, Replatforming und Refactoring. Oft sei es günstiger, Legacy-Apps komplett neu und gleich von Anfang an Cloud-native zu programmieren, anstatt zu versuchen, sie einfach in die Cloud zu verfrachten. Die Lift-and-shift-Methode, die Apps ohne ein Redesign in die Cloud bringt, ist nicht immer der beste Weg.

  • Die Post habe eigene Rechenzentren und plane nicht, diese aufzugeben, sagte Siegrist.

  • Wer eine Cloud-Lösung plant, sollte nicht gleich zu Beginn sagen, er brauche eine fixe Anzahl Server. Stattdessen sollte man jeden Anwendungsfall zuerst durchrechnen und testen.

  • Achtung: Beim Wechsel in die Cloud auf keinen Fall das Thema Schnittstellen vergessen!

  • Die Cloud ist eine Herausforderung für die Einkäufer. Plötzlich gebe es keine Vertragslaufzeiten, keine Vorauszahlungen und kein Commitment mehr. Parameter, die Einkäufer jahrelang nutzten, haben keine Relevanz mehr. "Sales und IT müssen darum besser kooperieren."

  • "Cloud ist nicht Outsourcing", sagte Siegrist. "Beim Outsourcing gibt man Engineering und Betriebs-Know-how ab. Das wollen wir bei der Post nicht, das Wissen muss in-house bleiben."

  • "Vendor-lock-ins sind wie eine Hochzeit. Eine langfristige strategische Beziehung, die man sich gut überlegen muss, bevor man sie eingeht."

  • Preisverhandlungen mit Cloud-Providern gestalten sich schwierig. Man könne zwar verhandeln, müsse sich dann aber auch verpflichten und profitiere so nicht von Preissenkungen, so Siegrist.

Zum Schluss referierte Martin Andenmatten, Gründer und Geschäftsführer von Glenfis. Er wies darauf hin, dass die Cloud neue Betriebsmodelle erfordere. Das klassische Plan-build-run-Modell funktioniere nicht mehr. "Es reicht heute nicht mehr, einmal im Jahr mit dem Auditor zu schauen, ob man compliant ist." Firmen müssten sicherstellen, dass sie trotz der Cloud weiter am Steuer bleiben. Die Cloud-Strategie ersetze schliesslich nicht die bisherige IT- oder Geschäftsstrategie, so Andenmatten.

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