IT-Markt-Report 2020

So setzen die 13'612 grössten Schweizer Unternehmen IT im Business ein

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von Marc Landis und Martin Maurer, Profondia

Im Rahmen des "IT-Markt-Report 2020" stellt das Market-Research-Unternehmen Profondia Fakten zum Schweizer IT-Markt aus Sicht von professionellen Anwendern vor. Profondia erhebt dazu Daten zu Einsatz und Betrieb der Informations­technologien in rund 13'600 der grössten Schweizer Unternehmen.

(Source: Frank Gärtner / Fotolia.com)
(Source: Frank Gärtner / Fotolia.com)

Die folgende Marktbetrachtung basiert auf bestehenden, von Profondia erhobenen Informationen. Profondia ist als Market-Research-Unternehmen seit über 25 Jahren darauf spezialisiert, Daten über die installierte IT- und Kommunikationsinfrastruktur und deren Betrieb bei den 13 612 Schweizer Unternehmen zu erheben, die 30 oder mehr Mitarbeiter und 10 oder mehr Computer­arbeitsplätze im Land zählen. Diese Daten stellt Profondia interessierten IT-Anbietern und -Dienstleistern kostenpflichtig zur Verfügung, damit diese ihr Marketing aufgrund von Fakten statt Vermutungen optimieren können.

Diese Firmendaten geben etwa Auskunft darüber, wie viele physische Server mit welchem Virtualisierungsgrad in Schweizer Unternehmen eingesetzt werden, oder darüber, welche Storage-Lösungen welcher Hersteller installiert hat, wie viele Geräte der Druckerpark umfasst etc. Zu beachten ist, dass bei den Profondia-Analysen die Marktdurchdringung im Vordergrund steht, also die Anzahl der Firmen, die eine bestimmte Technologie oder ein spezifisches Produkt einsetzt. Die vorliegenden Daten geben also Aufschluss über die installierte Basis von Herstellern und Technologien, nicht etwa über den Absatz eines bestimmten Herstellers im vergangenen Jahr.

Analysiert wurde, welche Produkte und Technologien von wie vielen Firmen per Ende 2019 eingesetzt wurden. Bei dieser Methode kann eine Firma in der gleichen Kategorie auch gleichzeitig mehrere Produkte einsetzen, etwa wenn eine Multi-Vendor-Strategie gefahren wird oder sich eine Firma in einem Migrationsprozess zum Wechsel von Betriebssystemen befindet. Entsprechend sind dabei Doppelnennungen möglich.

Im Folgenden werden die von Profondia erhobenen Daten nach Kategorien kommentiert.

(Source: Profendia)

Betrieb

Mit 6,04 IT-Mitarbeitern pro Standort ist dieser Wert gegenüber dem Vorjahr (6,03) nahezu stabil geblieben. In den mehr als 500 zusätzlich erfassten Firmen sind verhältnismässig auch gleich viele IT-Mitarbeiter beschäftigt. Leicht abgenommen hat aber die Anzahl der zu betreuende PC-Arbeitsplätze pro Mitarbeiter, nämlich von 19,85 auf 19,47.

(Source: Profondia)

Host-Systeme

Für das Jahr 2018 wies der IT-Markt-Report mit der Kategorie "Managed Cloud Server" erstmals Firmen aus, die virtuelle Server bei einem lokalen Host-Service-Provider nutzen. Diese Kategorie legte 2019 signifikant um 8 Prozent zu. Durch diese Verlagerung zu den Serviceprovidern findet eine Verschiebung der Marktanteile zulasten der verschiedenen etablierten Serverhersteller statt. Dies kann zwar einen Rückgang an Endkunden bedeuten, muss aber nicht zwingend heissen, dass weniger Rechenpower verkauft wurde. Denn auch die Serviceprovider müssen selbst Server beschaffen, was zu einem Konzentrationsprozess führt.

Erwartungsgemäss sind in dieser Kategorie die Zahlen der Mainframe- und Midrange-Systeme weiterhin rückläufig.

(Source: Profondia)

PC-Systeme

Bei den Clients ist weiterhin ein überdurchschnittlich starkes Wachstum bei den Tablets zu beobachten, wobei Apple gegenüber den Mittbewerbern – insbesondere gegenüber Microsoft – etwas an Terrain eingebüsst hat. Apple ist jedoch bei den Tablets mit 53 Prozent immer noch klarer Marktführer.

Sowohl bei den Notebooks als auch bei den Desktops konnte Lenovo leicht Marktanteile hinzugewinnen. HP Inc. behauptete seine Führungsposition mit jeweils mehr als 50 Prozent.

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Operating Systems

Im Vergleich zum Vorjahr hat Windows 10 klar das Zepter bei den Client-Betriebssystemen übernommen und um 8 Prozent zugelegt.

Bei der Server-Virtualisierung ist einzig noch bei Firmen mit weniger als 5 Servern ein geringes Wachstum zu beobachten. VMware ist nach wie vor klarer Marktleader, wobei Microsoft seine Marktposition leicht verbessern konnte.

(Source: Profondia)

Rechenzentren

Der Vergleich verschiedener Datacenter-Werte legt nahe, dass der Trend zur Konsolidierung und Verlagerung nach wie vor in vollem Gange ist. So hat bei den Firmen, die virtualisierte Server betreiben, auch die Anzahl physischer Server leicht zugenommen, die Anzahl der virtuellen Maschinen (VM) steigerte sich im Vergleich dazu aber bedeutend stärker. Durchschnittlich werden 2019 pro physischen Servern 3,9 VMs betrieben, gegenüber 3,7 VMs im Vorjahr. Tendenziell werden also mehr VMs in stärker virtualisierten Umgebungen betrieben.

Auch ein Blick auf die Zahlen des Cloud Computings legt nahe, dass diese VMs und Server in tendenziell stärker konsolidierten Umgebungen betrieben werden. So ist der Anteil der Firmen, die angeben, alle Server in einer Cloud zu betreiben, innert Jahresfrist von 14,4 Prozent auf 21,2 Prozent gestiegen.

Diese Auslagerung scheint aber im vergangenen Jahr stärker zu externen Serviceprovidern stattgefunden zu haben als zu internen Providern. Mit den neu eröffneten Rechenzentren in der Schweiz gewinnen Hyperscaler an Terrain (von 1,69 Prozent auf 2,74 Prozent), wobei aber auch die bereits sehr gut etablierten lokalen Cloud-Service-Provider ihr Geschäft ausbauen konnten (von 42,48 Prozent auf 43,20 Prozent).

(Source: Profondia)

Drucker

Nach wie vor rückläufig ist die Anzahl der Drucker, die pro Firma eingesetzt werden. Innert Jahresfrist reduzierte sich die durchschnittliche Anzahl Geräte von 21,7 auf 20,6. Neu kommen im Durchschnitt 5,7 PCs auf einen Drucker, was einer Zunahme von 0,2 entspricht. Im Segment von Firmen mit 50 bis 249 PCs fällt die Steigerung mit 0,3 am deutlichsten aus, was darauf schliessen lässt, dass in diesem Bereich die Konsolidierung der Printer am konsequentesten betrieben wird.

Storage

Um sicherzustellen, dass bei den Storage-Systemen Unternehmenslösungen von einer bestimmten Grösse miteinander verglichen werden, sind in dieser Kategorie nur Systeme bei Firmen berücksichtigt worden, die an Ort mindestens 100 PCs oder 10 physische Server oder 10 VMs einsetzen.

In dieser Kategorie wird neu auch erhoben, welche Firmen Storage-Kapazitäten als Service bei einem Cloud-Provider nutzen. Da dies bereits bei einem beträchtlichen Teil der Firmen der Fall ist, verschoben sich die Gewichte unter den Storage-Herstellern entsprechend. Wie bei den Servern bedeutet das nicht zwingend, dass das Storage-Volumen der Hersteller entsprechend abgenommen hat, da die Cloud-Provider die entsprechende Storage-Kapazität für ihre Rechenzentren ja auch selbst beschaffen müssen.

(Source: Profondia)

PC-Applications

Bei der Groupware hat Office 365 im vergangenen Jahr seinen Marktanteil von 14 Prozent auf beachtliche 21 Prozent gesteigert. Gleichzeitig investieren Unternehmen aber auch in On-premise-Lösungen, und die neuen Exchange-Versionen konnten signifikant zulegen.

Bei den Collaborations-Lösungen gewinnt Microsoft die Oberhand, wobei Microsoft Teams bereits für 6 Prozent der Microsoft-Nennungen verantwortlich ist. Es wird interessant sein, zu beobachten, welchen Einfluss die Tätigkeit im Homeoffice während der Covid-Pandemie in diesem Bereich haben wird.

Strategical Applications

Im Vergleich zum Vorjahr konnten die grossen Anbieter SAP, Abacus und Microsoft ihre Marktanteile steigern. Dieses Wachstum ging auf Kosten von Lösungen, die unter "andere ERP-Lösungen" zusammengefasst sind. Die Marktanteile unter den restlichen ERP-Anbietern haben sich nur unwesentlich verändert.

Die durchschnittliche Einsatzdauer einer ERP-Lösung betrug 2019 15 Jahre und drei Monate (2018: 14,5 Jahre) und verdeutlicht, wie treu die Kunden gegenüber ihrem ERP-Anbieter sind.

(Source: Profondia)

Database, E-Business

Bei den Webapplikationen ist der Anteil derjenigen Firmen leicht gestiegen, die ein Intranet einsetzen. Immer noch 39 Prozent der Firmen begnügen sich bei den Web­applikationen mit dem Betrieb einer Homepage.

LAN

Bei den LAN-Switches ist das Feld der "wahrnehmbaren Hersteller" mit Huawei und Ubiquiti grösser geworden. Da diese beiden Anbieter aufgrund der gewonnenen Marktanteile neu individuell ausgewiesen werden, hat sich der Anteil der "anderen Hersteller" reduziert.

WAN

Der Umstieg der Schweizer Firmen auf Glasfaser geht ungebremst weiter. Dabei lösen die meisten Firmen ihre Kupferleitungen durch Glasfaser ab und in einem kleineren Umfang bestehende Coax-Leitungen, die typischerweise von Kabelnetzanbietern wie UPC angeboten ­werden.

Erstmals werden im diesjährigen IT-Markt-Report die Marktanteile der WAN-Provider nach Anzahl Kunden separat ausgewiesen. Nicht ganz überraschend hält Swisscom die Spitzenposition, gefolgt von UPC und Sunrise. Ein wichtiger Marktfaktor sind aber auch die vielen kleineren und lokalen Provider, die gemeinsam eine gewichtige Kundenbasis haben.

(Source: Profondia)

Voice Systems und All-IP

Der Umstieg der Festnetzprovider auf das Internetprotokoll (VoIP) hat in den vergangenen Jahren zu signifikanten Investitionen in diesem Bereich geführt. Dabei haben auch viele Unternehmen für die firmeninterne Kommunikation den Umstieg auf IP-Telefonie vollzogen (+10 Prozent).

Da bereits in den Vorjahren viele Voice-Systeme migriert oder ersetzt worden waren, fielen im vergangenen Jahr die Investitionen wohl etwas geringer aus. Dies erklärt die Zunahme der durchschnittlichen Einsatzdauer der PABX-Systeme von 8 Jahren auf 8,34 Jahre. Mit dem verstärkten Einsatz von Remote-Systemen macht sich der Trend zur Konsolidierung auch bei den PABX-Systemen bemerkbar. Hier konnte auch Microsoft Marktanteile gewinnen.

Security

In der Schweiz kämpft immer noch eine Vielzahl von Antivirus-Anbietern um die Gunst der Unternehmenskunden und der Markt ist stark in Bewegung. Sophos, Microsoft und diverse kleinere Anbieter konnten Marktanteile hinzugewinnen, insbesondere auf Kosten von McAfee und Symantec.

(Source: Profondia)

Services

In den vergangenen Jahren nahm der Trend zu Out­sourcing und Cloud-Lösungen in der Schweiz stark zu. 2019 akzentuierte sich dieser ausgeprägte Trend noch weiter. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Anzahl der Firmen, die in einem oder mehreren Bereichen Managed Services in Anspruch nehmen, nochmals um 1 Prozent auf 84 Prozent zu. Mit 93 Prozent steigt auch der
Anteil der Firmen, die in irgendeinem Bereich Cloud-Lösungen einsetzen, nochmals um 1 Prozent an. An­gesichts dieser Zahlen lässt sich schwer behaupten, Schweizer Unternehmen fehle die Affinität zur Cloud.

Was wird wie erhoben?

  • Status Userbase-Datenbank per ­Dezember 2019

  • 13 612 Firmen mit mindestens 30 Mitarbeitern und 10 PCs im Land

  • Davon 394 Niederlassungen (mindestens 50 Mitarbeiter an Ort und ein kompetenter IT-Ansprechpartner)

  • Zirka 75 Prozent Auskunftsrate in den letzten 24 Monaten

  • Telefonische Interviews durch Profondia-eigenes Research-­Center in Basel

  • Installierte Basis wird alle 12 Monate überprüft

  • Firmengrunddaten und Entscheidungsträger werden alle 6 ­Monate verifiziert

  • Selbstdeklaration der befragten Firma, basierend auf freiwilliger Teilnahme

Webcode
DPF8_179547

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