Marktübersicht

Der Schweizer Markt für Rechenzentren spaltet sich

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Seit 2017 hat sich einiges getan im Schweizer Rechenzentrumsmarkt. Zwar sind nur wenige neue Rechenzentren gebaut worden, doch sind verschiedene in Planung. Einige Namen von Rechenzentrumsbetreibern sind verschwunden. Ausserdem haben Hyperscaler den Schweizer Markt betreten – und das wird Auswirkungen haben.

(Source: blacklight_trace / iStock.com)
(Source: blacklight_trace / iStock.com)

Der Schweizer Markt für Rechenzentren (RZ) ist weiter gewachsen, wie die Marktübersicht zeigt. Seit 2017 wurden verschiedene neue RZ in Planung genommen oder fertiggestellt. So hat etwa Green Datacenter mit drei Stück am meisten neue RZ in Planung, und Oracle hat sein erstes RZ in der Schweiz errichtet. Doch sind auch einige Namen aus der Marktübersicht verschwunden.

Deltalis und Datahub stellen Betrieb ein

Ende 2019 wurde bekannt, dass sich Datahub Networks in Liquidation befindet. Die Gründe für den Konkurs blieben unklar. Gerüchteweise sei es Datahub nicht mehr möglich gewesen, den Zehnjahresvertrag zu finanzieren, den das Unternehmen mit den SBB abgeschlossen hatte. Anderen Spekulationen zufolge sei der Investor Tineo beim Kauf des Data Centers Biel in letzter Sekunde abgesprungen, weil Datahub einen zu hohen Preis für sein Netz verlangt habe.

Auch weshalb Deltalis den Betrieb eingestellt hat, bleibt ungeklärt. Ende 2018 bestätigte das Unternehmen, dass es künftig keine Colocation mehr anbieten würde. Gründe nannte die Geschäftsleitung keine.

Neue Namen für bestehende RZ

Quickline verkaufte im Frühjahr 2018 seinen Firmenkundenbereich "Quickline Business", um sich auf das Privatkundengeschäft konzentrieren zu können. In der Folge verschaffte sich das nun selbstständige Unternehmen einen neuen Auftritt inklusive neuem Namen, um sich komplett vom früheren Besitzer zu lösen. Anfang September 2018 wurde aus Quickline Business deshalb Tineo.

E-Shelter gehörte seit dem Jahr 2015 zur Technologiefirma NTT, genauer zu NTT Com, wie die Firma auf seiner Webseite erklärt. Am 1. Juli 2019 gründete NTT den Geschäftsbereich NTT Ltd., um 28 Marken, darunter Rechenzentrumsbetreiber wie E-Shelter, zusammenzuführen. Deswegen tritt E-Shelter unterdessen auch als NTT auf.

Symotech und Levantis haben sich anfangs 2017 zusammengeschlossen. Zwischenzeitlich tritt der Verbund unter dem Namen "Levantis" auf.

Interoute wurde im Januar 2018 vom US-amerikanischen Cloud- und Netzwerkanbieter GTT Communications aufgekauft. Die erhöhte Reichweite seines Netzwerks war dem Unternehmen von Übersee 1,9 Milliarden Euro wert. Zusammen mit dem Unternehmen wechselten auch die entsprechenden RZ in der Schweiz den Besitzer.

Zunehmende Cloud-Migrationen, zunehmende Leistungsdichte

Der Tenor der Rechenzentrumsbetreiber zeigt: Eine der wichtigsten Entwicklungen der letzten Jahre war die steigende Leistungsdichte des Equipments. "Die Konzentration der Rechenleistung fordert höhere Leistungsdichte und der Platzbedarf für gleiche Funktionen und Speicherbedarf nimmt stetig ab", teilt etwa IWB mit. Die höhere Dichte bedingt sich auch durch die zunehmende Transformation in die Cloud: "Einerseits spüren wir sie bei den Unternehmen, die ihre herkömmliche IT ablösen wollen, andererseits aber auch bei der Nachfrage der Hyperscaler, die ihre Schweizer Standorte aufbauen", sagt etwa Marco Stadler, Chief Commercial Officer von Green Data Center. Dass der Eintritt von Hyperscalern in den Schweizer Markt einen wichtigen Einfluss auf das RZ-Geschäft ausgeübt hat, heben auch Begasoft und Colobâle hervor.

CKW Fiber Services und Eniwa betonen die höhere Energieeffizienz der Rechenzentren in der Schweiz ebenfalls als wichtige Entwicklung im Markt. Sie verbesserte sich etwa durch die Migration von firmeneigenen oder älteren RZ zu professionellen Anbietern, wie Dieter Moser, Vorsitzender der Geschäftsleitung von CKW Fiber Services, sagt.

Die Zukunft bringt einen gespaltenen Markt

"Die Leistungsdichte wird sicherlich noch weiter zulegen", nimmt Christoph Baumgärtner, CEO von Rechenzentrum Ostschweiz, an. Deshalb werden auch die Leistungsanforderungen künftig eine Herausforderung sein, wie Hans Jörg Rütsche, CEO von Grapin, sagt. Eniwa und IWB rechnen aber damit, dass in Zukunft mehr Wert auf nachhaltige Energie gelegt wird.

Gemäss CKW Fiber Services, Green Data Center und IWB wird ausserdem Vernetzung mit hohen Bandbreiten zu verschiedenen Providern von Bedeutung sein. Mit der besseren Vernetzung gehen aber auch Risiken einher. Deshalb wird auch die Sicherheit eine höhere Rolle spielen: "Die Resilienz der Infrastruktur wird nochmals neu in den Fokus rücken. Je mehr Abhängigkeiten und Vernetzung wir schaffen, desto deutlicher müssen wir uns der Dicke des Sicherheitsnetzes und der Fallback-Szenarien bewusst werden", sagt Moser von CKW Fiber Services.

Stadler von Green Data Center sieht aufgrund der Hyperscaler in der Schweiz Veränderungen auf den Schweizer RZ-Markt zukommen. Er geht er davon aus, dass sich der Markt aufsplitten wird: "Es gibt nur einzelne Anbieter, die sowohl die Bedürfnisse der Hyperscaler als auch die der Unternehmenskunden in der Schweiz abdecken können." Moser von CKW Fiber Services hat in den letzten Jahren bereits ähnliche Beobachtungen gemacht: "Der Markt für Rechenzenterdienstleistungen in der Schweiz hat sich segmentiert. Nicht jeder Anbieter ist geeignet für die Anforderungen der Hyperscaler."

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