Nach Kritik von Datenschützern

Update: Microsoft entfernt Benutzernamen aus "Productivity Score"

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von Yannick Chavanne und René Jaun und mka

Microsoft reagiert auf die Kritik von Datenschützern am neuen Tool "Productivity Score". Das Unternehmen zeigt künftig in der Auswertung keine Benutzernamen mehr an. Allerdings bleiben Rückschlüsse auf einzelne Geräte in bestimmten Fällen möglich.

Mit Microsoft Productivity Score können Manager sehen, wie oft ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin E-Mails sendet, Chat und Kanäle in Teams nutzt. (Source: Microsoft)
Mit Microsoft Productivity Score können Manager sehen, wie oft ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin E-Mails sendet, Chat und Kanäle in Teams nutzt. (Source: Microsoft)

Update vom 2. Dezember 2020: Die Kritik an "Productivity Score", einem neuen Tool zum Messen und Steigern der Unternehmensproduktivität, zeigt Wirkung. "Wir haben das Feedback gehört und reagieren heute mit Änderungen am Produkt, um den Datenschutz für die Kunden weiter zu stärken", gibt Jared Spataro, Corporate Vice President bei Microsoft 365, im Unternehmensblog bekannt.

Demnach verschwinden einerseits Nutzernamen aus dem Auswertungs-Dashboard von "Productivity Score". Es werde sogar die gesamte Auswertung einzelner Endbenutzer und ihrer Aktivitäten entfernt, schreibt Spataro. In fünf der erfassten Leistungskategorien werden Aktivitäten künftig auf Unternehmensebene aggregiert und ausgewertet. Niemand im Unternehmen werde "Productivity Score" verwenden können, um zu erfahren, wie ein einzelner Angestellter oder eine einzelne Angestellte Apps und Dienste von Microsoft 365 nutze.

Allerdings weist Spataro auch darauf hin, dass in den drei Leistungskategorien Endpunktanalyse, Netzwerkkonnektivität sowie Microsoft 365 Apps-Integrität weiterhin eine detailliertere Auswertung möglich ist. Diese seien jedoch nicht an Benutzernamen, sondern an Gerätekennungen gebunden, um Probleme gezielt beheben zu können.

Andererseits verändert Microsoft das User Interface von "Productivity Score", um zu verdeutlichen, dass das Instrument nicht das Nutzerverhalten einzelner Teilnehmenden, sondern vielmehr die Technologie-Adoption im Unternehmen insgesamt messen soll.

Originalmeldung vom 1. Dezember 2020: Microsoft ruft mit "Productivity Score" Kritiker auf den Plan

Eine unlängst von Microsoft eingeführte Funktion sorgt bei Datenschützern für gehobene Augenbrauen. Das Tool Namens "Productivity Score" soll gemäss Microsoft Unternehmen eigentlich dabei helfen, die Produktivität der Mitarbeitenden zu steigern. Dazu sammelt es "Einblicke in die Nutzung von Technologie und Infrastruktur", wie Microsoft gegenüber "forbes.com" schreibt. Der Konzern präsentiert die Lösung in einem Blog-Beitrag als Möglichkeit, seine Mitarbeitenden vor dem Hintergrund der Pandemie im Homeoffice zu unterstützen.

"forbes.com" dagegen bezeichnet das Instrument als "Datenschutz-Alptraum". Denn der "Productivity Score" mache es möglich, die Aktivität eines Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin auf individueller Ebene zu überwachen. Microsoft erfasst "73 granulare Daten über das Verhalten von Arbeitnehmenden, auf die Arbeitgebende Zugriff haben und die alle in einem praktischen Dashboard namentlich mit den Arbeitnehmenden verknüpft sind", schreibt "forbes.com".

Der Datenschutz-Aktivist Wolfie Christl hebt auf Twitter hervor, dass Manager mit dem Tool sehen können, an wie vielen Tagen ein einzelner Mitarbeiter E-Mails verschickt sowie Chats oder Teams-Kanäle genutzt hat. Damit werde Microsoft 365 zu einem "vollumfänglichen Arbeitsplatz-Überwachungstool", moniert er.

Daten sind über 28 Tage aggregiert

Tech-Konzern Microsoft hatte diese Kritik offenbar kommen sehen: "Lassen Sie mich eines klarstellen: Productivity Score ist kein Instrument zur Überwachung der Arbeit", schreibt Jared Spataro, Corporate Vice President von Microsoft 365, im Blogbeitrag. Ziel des "Productivity Score" sei, neue Arbeitsweisen zu entdecken und den Mitarbeitenden eine grossartige Zusammenarbeit und Technologieerfahrung zu ermöglichen.

Gemäss Spataro seien die von "Productivity Score" gelieferten Daten jeweils über einen Zeitraum von 28 Tagen aggregiert. Zudem stehen Einstellungen zur Verfügung, um die Nutzerinformationen zu anonymisieren oder ganz zu löschen. Doch wie "forbes.com" kommentiert, müssten Managerinnen und Manager diese Einstellungen jeweils manuell vornehmen.

Viele Kriterien, unbekannte Gewichtung

In der Dokumentation für Administratoren erläutert Microsoft, dass der "Productivity Score" keine einzelne Leistung der Mitarbeitenden beurteile. Die berechnete Punktzahl setze sich vielmehr aus mehreren einzeln errechneten Leistungskategorien zusammen. Die neun Kategorien heissen Kommunikation, Besprechungen, Zusammenarbeit mit Inhalten, Teamwork, Mobilität, Endpunktanalyse, Netzwerkkonnektivität sowie Microsoft 365 Apps-Integrität.

"In jeder Bewertungskategorie identifizieren wir Muster für wichtige Aktivitäten, die Indikatoren für die Verwendung von Microsoft 365-Produkten für die Zusammenarbeit, Kommunikation und die plattformübergreifende Arbeit sind", schreibt der Konzern. Weitere Angaben zur Gewichtung der einzelnen Indikatoren macht Microsoft jedoch nicht. Entsprechend bleibt unklar, wie die schlussendlich angezeigte Punktzahl zwischen 0 und 100 zustande kommt.

Mit der Pandemie und dem Wechsel vieler Mitarbeitende ins Homeoffice änderten viele Unternehmen ihren Führungsstil. Um die Produktivität der Angestellten zu kontrollieren, sollen einige auch zu fragwürdigen Methoden gegriffen haben.

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