Swiss Telecommunication Summit 2021

So soll der Schweizer Telekom-Markt aus der Krise starten

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von Kevin Fischer und kfi

Der Swiss Telecommunication Summit 2021 fand in hybrider Form statt. Titel der von Asut abgehaltenen Veranstaltung war "L'esprit pionnier – der erfolgreiche Weg aus der Krise".

(Source: lupo / pixelio.de)
(Source: lupo / pixelio.de)

Am 24. Juni 2021 fand der Swiss Telecommunication Summit statt. Zum 46. Mal empfing Asut, der Schweizer Verband der Telekommunikation, Vertreterinnen und Vertreter der Branche zu seinem Seminar. Der Event, im Vorjahr aufgrund der Corona-Pandemie ausgefallen, trug den Titel "L'esprit pionnier – der erfolgreiche Weg aus der Krise".

"Die Pandemie hatte das Potenzial, die Gesellschaft völlig lahmzulegen. Dass sie das nicht getan hat, verdanken wir zu einem guten Teil der modernen Kommunikationstechnologie." Mit diesen Worten eröffnete Peter Grütter, Präsident von Asut, die hybrid abgehaltene Veranstaltung. Alle Programmpunkte gingen vor Live-Publikum im Kursaal Bern über die Bühne, wurden aber gleichzeitig online übertragen. "Es wäre möglich gewesen, dass uns die Pandemie in der Entwicklung Jahrzehnte zurückwirft", führte Grütter weiter aus. Der Journalist Reto Brennwald moderierte die Veranstaltung, die sich über den ganzen Tag streckte.

Asut-Präsident Peter Grütter. (Source: zVg)

Mehr Cybergefahren, mehr Frauen, mehr Kampfjets

Im Anschluss an Grütter war Bundesrätin Viola Amherd, Vorsteherin des Eidgenössischen Departments für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), am Wort. Inhalt ihres Vortrags war auch das Thema Cybersecurity. So sprach die Bundesrätin über den neu aufgebauten Cyber Defense Campus, wo der Bund den Umgang mit Cybergefahren lehren will. Diese "neuen" Bedrohungen würden jedoch die alten nicht ersetzen, sondern kämen hinzu, betonte Amherd - auch angesprochen auf den Kauf eines neuen Kampfjets. In einer Pioniersrolle sehe sich die Bundesrätin, angelehnt an den Eventtitel, vor allem beim Thema Inklusion. Bis zum Jahr 2031 solle der Frauenanteil in der Schweizer Armee 10 Prozent betragen, sagte die Politikerin. Dieses Anliegen tat Amherd bereits Anfang Juni in einer Videobotschaft für den ersten Women in Cyber Day kund. Die Botschaft sowie eine ausführliche Zusammenfassung des Events finden Sie hier.

Bundesrätin Viola Amherd, VBS. (Source: VBS/DDPS - ZEM)

Blockchain für die Supply Chain

Mathias Ruch, CEO und Founder der Investmentfirma CV VC, sprach über neue Entwicklungen auf dem Gebiet der Blockchain-Technologie. Unter anderem könnten Betriebe damit die Lieferkette von Konsumgütern rückverfolgen. Grosse Konzerne wie Walmart und Nestlé würden dies bereits praktizieren. Auch der Pharmazulieferer Lonza will die landwirtschaftlichen Lieferketten mithilfe der Blockchain optimieren. Weiter könne die Blockchain auch in den Bereichen Gesundheit und Medizin zum Einsatz kommen. Abschliessend präsentierte Ruch noch Auszüge aus dem " CV VC Top 50 Report" zur Blockchain-Landschaft in der Schweiz und Liechtenstein. 2021 sei das sogenannte "Crypto Valley" Heimat von elf "Einhörnern" - also Blockchain-Firmen, deren Wert die Milliarden-Dollar-Marke übersteigt. Welche das sind, könne Sie hier lesen.

Digitale Transformation: eine geplante Unternehmenskrise

Vierter Redner des Vormittags war Stefan Muff, Co-Owner und Founder von Axon. Er diskutierte die Rolle des Verwaltungsrats in der Digitalisierung. Diese könne laut dem Axon-Gründer nur mit Einbeziehung von Bürgerinnen und Bürgern vonstattengehen. Für ihn habe sie hierzulande gerade erst begonnen, Europa sei noch gar nicht gestartet. Die Schweiz orientiere sich seiner Meinung nach zu sehr an der Konkurrenz und spiele daher digital unter ihrem Potenzial. Gleichzeitig betonte Muff jedoch auch die Herausforderungen der Transformation. Dazu würden etwa der Umgang mit Daten und eine Veränderung der Unternehmensstrukturen zählen. Schmunzelnd hielt Muff fest: "Die digitale Transformation einer Organisation ist eine absichtlich herbeigeführte Unternehmenskrise."

SRF goes Tiktok

Nach einer kurzen Kaffee- und Networking-Pause - rund 500 Personen hatten sich im Kursaal Bern eingefunden - betrat Nathalie Wappler, Direktorin des SRF, die Bühne. Sie präsentierte zunächst die Ergebnisse einer Nutzungsanalyse, die das Schweizer Radio und Fernsehen durchgeführt hatte. Demnach würden vor allem Personen unter 45 Jahren immer seltener auf die Angebote des SRF zurückgreifen, fasste Wappler zusammen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wolle der Sender seinen Auftritt in den "neuen" - sprich, sozialen - Medien verstärken. Wappler sprach von neuen Angeboten in puncto Information, Kultur und Unterhaltung, die das SRF unter anderem auf den Plattformen Instagram und Tiktok bereitstellen wolle. Auch ein Youtube-Kanal mit Inhalten für Kinder sei geplant. Nathalie Wappler sieht diese Entwicklung als "Evolution, keine Revolution" der Medien.

Nathalie Wappler, Direktorin des SRF. (Source: Oscar Alessio)

Eine Diskussionsrunde aus Schweizer Start-up-Unternehmerinnen und -Unternehmern rundete den Vormittag am Swiss Telecommunication Summit ab. Sylvia Stocker stellte das KI- und Robotik-Unternehmen Arabesque vor, Beat Glogger vertrat die Wissenschaftsplattform Higgs.ch. Die beiden anderen Redner waren Dalith Steiger vom AI-Hub Swiss Cognitive sowie Jörg Sandron, CEO des Banking-App-Unternehmens Neon. Auf die Frage, was für Gründerinnen und Gründer besonders wichtig sei, sprachen alle das Thema Resilienz an. Es gelte, immer wieder Neues zu versuchen und nicht aufzugeben, waren sich die vier Diskutanten einig.

Balance zwischen Chancen und Risikomanagement

Als zweite Vertreterin der Politik neben Bundesrätin Amherd war am Nachmittag Ständerätin Johanna Gapany geladen. Ihren Vortrag zum Thema Digitalisierung und Politik hielt die Politikerin aus der Westschweiz auf Deutsch und Französisch. Viele Menschen würden in der Digitalisierung eine Gelegenheit sehen, ebenso viele jedoch ein hohes Risiko, erklärte Gapany. Die Politik müsse die richtige Balance zwischen Risikomanagement und Chancen finden.

Start-ups in der digitalen Welt

Vanessa Wood von der ETH Zürich führte die sprachliche Diversität des Events fort. In englischer Sprache referierte die Vizepräsidentin für Wissenstransfer und Wissenschaftsbeziehungen sowie Professorin an der ETH über Start-ups und Spin-offs in der ICT-Branche. Insbesondere über jene, welche von der Hochschule unterstützt und gefördert werden. Dazu zählen etwa das 1997 gegründete Halbleiter-Unternehmen U-Blox und die Software-Firma Beekeeper. Weiter vertrete die ETH den Ansatz, Menschen in "Centers" zusammenzubringen, erklärte Wood. Namentlich nannte sie etwa das Quantum Center sowie das Ende 2020 gegründete Zentrum für Künstliche Intelligenz. Andreas Krause, Vorsteher des AI-Centers, gewann im Juni 2021.

übrigens den mit 200'000 Franken dotierten Rössler-Preis der ETH - mehr dazu erfahren Sie hier

Es folgte eine Expertenrunde zum Thema "Pioniergeist im Telekom-Markt". Bernard Maissen vom Bakom diskutierte mit Pascal Grieder vom Telko Salt, Andre Krause (Sunrise UPC) und Urs Schaeppi (Swisscom). Zentrales Gesprächsthema war wie so oft der Ausbau des 5G-Netzes. Wenig überraschend sprachen sich die Vertreter aller drei grossen Telkos für die Erweiterung der fünften Mobilfunk-Generation aus. 5G war auch Thema des 67. Asut-Lunchforums Anfang Juni 2021 - insbesondere dessen Auswirkungen auf das Klima. Wie 5G dazu beitragen soll, CO2-Emissionen zu reduzieren, lesen Sie hier.

Im weiteren Verlauf des Nachmittags schilderte Bea Knecht, Founder der Streaming-Plattform Zattoo, die Krise aus der Sicht einer Telco-Unternehmerin. Auch Oliver Hess, Gründer von "Wiesenschwein", kam zu Wort - sein Unternehmen setzt auf moderne Technologien und Algorithmen für die Vieh- und Landwirtschaft. Asut-Präsident Grütter schloss den Event.

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DPF8_221457

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