Update: Microsoft erweitert Sovereign Cloud um Kontrollfunktionen
Microsoft erweitert seine Sovereign Cloud um zusätzliche Kontroll- und Transparenzfunktionen. Das Angebot richtet sich an Unternehmen, die strengen regulatorischen Auflagen unterliegen.
Update vom 21.10.2026: Microsoft erweitert die Funktionen seiner Sovereign Cloud. Der Konzern will Organisationen damit ermöglichen, je nach Anwendung unterschiedliche Kontrollmechanismen einzusetzen. Neue Funktionen gibt es für die Sovereign Public Cloud, Sovereign Private Cloud und das Sovereign Partner Ecosystem, wie Microsoft mitteilt.
- Das Sovereign Control Panel vereinfache Souveränitätskontrollen. Das Control Panel biete eine Übersicht, mit der Organisationen ihre Souveränitätsanforderungen und Kontrollen besser überblicken könnten. Abhängigkeiten zwischen Workloads und deren Portabilität über verschiedene Betriebsumgebungen hinweg sollten mit der Übersicht sichtbarer werden.
- Data Guardian biete zusätzliche Kontrollen durch Personal europäischer Partner, wenn Microsoft-Techniker per Fernzugriff auf Produktionssysteme zugreifen müssen. Das Production Touch Ledger erstelle ausserdem manipulationsgeschützte Nachweise über die Zugriffe und die dabei durchgeführten Aktionen.
- Als Public Preview stelle Microsoft zudem Cloud-Funktionen für den Betrieb auf privaten Servern bereit. Unternehmen können dadurch DocumentDB, Blob Storage auf Azure Local, GitHub Enterprise Local, GitHub Copilot mit lokal gehosteten Modellen und Foundry Local auf privaten Servern betreiben.
- Das sogenannte Sovereign Partner Ecosystem sei ein Netzwerk aus Partnern, die die Microsoft-Technologien mit lokaler Expertise verbinden können und spezialisierte Lösungen für bestimmte Workloads entwickeln.
Microsofts Rolle in Schweizer Verwaltungen sorgt weiterhin für Diskussionen um digitale Souveränität. Mehr als jede zweite Schweizer Gemeinde setzt für ihren E-Mail-Verkehr auf Microsoft 365 - welche Abhängigkeiten und Risiken damit verbunden sind, lesen Sie hier.
Update vom 02.03.2026:
Microsoft erweitert Sovereign-Cloud-Angebot mit Offline-Modus
Microsoft hat angekündigt, sein Sovereign-Cloud-Angebot um eine Offline-Funktion zu erweitern. Azure Local, Microsoft 365 Local und Foundry Local können ohne Verbindung zur Public Cloud betrieben werden, wie das Unternehmen mitteilt. Das neue Feature richte sich an Unternehmen, die strengen regulatorischen Anforderungen unterliegen würden.
- Azure Local Disconnected Operations ermöglicht es, kritische Workloads On-Premises auszuführen und über eine lokale Steuerungsebene zu verwalten. Das Angebot setzt auf einer von Microsoft definierten Mindesthardwarekonfiguration sowie auf einem Katalog validierter Server.
- Microsoft 365 Local Disconnected ermöglicht den Betrieb von Exchange-, Sharepoint- und Skype-for-Business-Servern innerhalb des Netzwerks des Kunden. Der Support läuft noch mindestens bis 2035, wie Microsoft ankündigt.
- Schliesslich zielt Foundry Local, derzeit als Preview erhältlich, auf die lokale Ausführung grosser multimodaler Modelle auf Infrastrukturen ab, die unter anderem GPU von Nvidia, AMD oder Maia 200 integrieren. Microsoft hebt hervor, dass sensible Daten intern behalten werden können und die Latenz reduziert wird.
Originalmeldung vom 05.11.2025:
Microsoft erweitert Souveränitätslösungen
Microsoft ergänzt sein Angebot an sogenannten Souveränitätslösungen für Europa und die Schweiz. Gemeint sind damit Cloud-Dienste, die durch technische und organisatorische Massnahmen den Speicherort von Daten sowie den operativen Zugriff darauf auf eine bestimmte geografische Region wie die Schweiz beschränken sollen.
Ein Schwerpunkt der Erweiterungen liegt auf KI-Diensten. So soll die gesamte Datenverarbeitung für KI-Workloads künftig innerhalb der EU-Datengrenze stattfinden, welche die Schweiz mit einschliesst. Auch der KI-Assistent M365 Copilot soll Interaktionen bis Ende 2026 lokal in 15 Ländern, darunter die Schweiz, verarbeiten, wie Microsoft mitteilt.
Im Infrastrukturbereich kündigt Microsoft eine Erweiterung der "Sovereign Landing Zones" und getrennte Betriebsoptionen für Azure Local an. Die lokale Cloud-Plattform erhält laut Mitteilung eine höhere Skalierbarkeit, Unterstützung für externe SAN-Speicher und die “neuesten Nvidia-GPUs”. Geplant sei auch eine Erweiterung des "Partner-Ökosystems für digitale Souveränität, damit Partner konforme und sichere Lösungen bereitstellen können", heisst es weiter.

Marc Holitscher, National Technology Officer, Microsoft Schweiz. (Source: zVg)
"Mit unseren Schweizer Rechenzentren und umfassenden Souveränitätslösungen ermöglichen wir Organisationen, sensible Daten sicher in der Cloud zu verarbeiten – direkt hier in der Schweiz", lässt sich Marc Holitscher, National Technology Officer von Microsoft Schweiz, in der Mitteilung zitieren.
Neuer Verwaltungsrat mit EU-Staatsangehörigen
Im November setzte Microsoft zudem einen "europäischen Verwaltungsrat" ein, der sich aus europäischen Staatsangehörigen zusammensetzt. Das Gremium soll den Betrieb der Microsoft-Rechenzentren in Übereinstimmung mit europäischem Recht überwachen. Mit diesem Schritt will der Technologiekonzern eigenen Angaben zufolge"die Cloud-Infrastruktur Europas in europäische Hände" legen.
Ausserdem habe das Unternehmen seine Verpflichtungen zur digitalen Resilienz in "alle relevanten Regierungsverträge" integriert, mehr in Open-Source-Projekte investiert und sein europäisches Sicherheitsprogramm weiterentwickelt.
Europäische Datensouveränität im Schatten der USA
Mit diesen Ankündigungen will Microsoft auf die anhaltende Debatte um digitale Souveränität reagieren, insbesondere im Hinblick auf den US-amerikanischen Cloud Act. Dieses Gesetz verpflichtet US-Unternehmen, Behörden in den USA auf Verlangen Zugriff auf von ihnen kontrollierte Daten zu gewähren, unabhängig vom physischen Speicherort der Server. Dies steht in einem juristischen Spannungsfeld zu europäischen und schweizerischen Datenschutzgesetzen wie der DSGVO oder dem DSG, die den Datentransfer in Drittstaaten streng reglementieren.
Die Strategie von Anbietern wie Microsoft zielt darauf ab, dieses Spannungsfeld durch eine weitgehende Entkopplung zu entschärfen. Konzepte wie die "EU Data Boundary" oder getrennte Betriebsoptionen gehen über die reine lokale Datenspeicherung (Data Residency) hinaus. Sie sollen sicherstellen, dass nicht nur die Kundendaten lokal verarbeitet werden, sondern auch der operative Betrieb durch lokales Personal erfolgt. Dies mit dem Ziel, die Hürden für einen behördlichen Datenzugriff zu erhöhen. Ob solche Massnahmen jedoch ausreichen, um den Zugriff im Rahmen des Cloud-Acts rechtlich endgültig zu verhindern, bleibt unter Juristen und Datenschutzbehörden umstritten, da die Muttergesellschaft weiterhin der US-Gerichtsbarkeit untersteht.
Der Bund führt übrigens Microsoft 365 in allen Departementen ein - der Chef der Armee fordert für die Gruppe Verteidigung jedoch eine Alternative. Mehr dazu lesen Sie hier.
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