KI kommt in Schweizer Firmen an - bleibt aber Stückwerk
KI-Tools haben in Schweizer Unternehmen längst Einzug gehalten. Doch viele Firmen setzen die Technologie bislang nur punktuell ein, statt sie systematisch in ihre Geschäftsprozesse einzubinden. Das zeigt eine Studie der UBS, die je nach Branche grosse Unterschiede beim Reifegrad der KI-Nutzung feststellt.
Künstliche Intelligenz gehört mittlerweile in vielen Schweizer Unternehmen zum Arbeitsalltag, ohne bereits tief in die Abläufe eingebettet zu sein. Das zeigt eine UBS-Studie, die das Marktforschungsinstitut Intervista bei rund 2500 Unternehmen durchgeführt hat. Demnach setzen sechs von zehn Firmen bereits KI-Tools ein. Der Einsatz erfolgt allerdings häufig isoliert.
"Viele Unternehmen nutzen KI, aber nur wenige tun dies systematisch", sagt UBS-Ökonom Alessandro Bee. Unter den Grossunternehmen verwenden rund 10 Prozent KI in mindestens fünf der sechs untersuchten Bereiche. Bei Kleinstunternehmen liegt dieser Anteil lediglich bei 2 Prozent. Am häufigsten kommt KI für Analysen, Entscheidungshilfen sowie zur Verbesserung bestehender Produkte und Dienstleistungen zum Einsatz. Grossunternehmen automatisieren damit vermehrt Geschäftsprozesse, während KMUs KI vor allem als analytisches Hilfsmittel nutzen. Nur 5 Prozent der befragten Unternehmen stellen KI heute ins Zentrum ihres Geschäftsmodells.
Zwischen den Branchen zeigen sich deutliche Unterschiede. Die höchsten Nutzungsraten verzeichnen Unternehmen aus der Informations- und Kommunikationsbranche, gefolgt vom Finanzsektor und der Pharmaindustrie. Weniger weit fortgeschritten sind dagegen Bau, Transport, Gesundheitswesen und Kultur. Laut der Studie hängt dies eng mit dem Digitalisierungsgrad der Unternehmen zusammen: Wer bereits strukturierte Daten, automatisierte Prozesse und eine solide IT-Infrastruktur aufgebaut hat, kann KI einfacher im grösseren Massstab einsetzen.
Die meisten Unternehmen greifen dabei auf externe Anbieter zurück. Grossunternehmen entwickeln häufiger eigene Lösungen und begegnen öffentlich zugänglichen Diensten wie ChatGPT vorsichtiger - insbesondere wegen Datenschutz- und Sicherheitsbedenken.
Unternehmen sehen Chancen, aber auch Hürden
Laut der Studie betrachten Unternehmen KI eher als Chance denn als Risiko. Am häufigsten nennen sie die Automatisierung von Aufgaben (41 Prozent), bessere Entscheidungsgrundlagen (35 Prozent) und Qualitätsverbesserungen (33 Prozent) als Vorteile.
Die grössten Bedenken betreffen Datenschutz und Sicherheit (59 Prozent) sowie fehlerhafte Entscheidungen aufgrund mangelhafter Daten oder Algorithmen (50 Prozent). Knapp ein Drittel der befragten Unternehmen nutzt derzeit keine KI und plant kurzfristig auch keine Einführung. Als wichtigste Gründe nennen sie ein fehlendes passendes Geschäftsmodell und Unsicherheit über den konkreten Nutzen.
Beim Thema Beschäftigung rechnen die meisten Unternehmen eher mit einem schrittweisen Wandel als mit einem radikalen Umbruch. Mehr als die Hälfte der Firmen, die bereits KI einsetzen, erwartet stabile Beschäftigtenzahlen. Rund 30 Prozent gehen dagegen von einem Stellenabbau infolge der Technologie aus. Zwei Drittel der Unternehmen sehen KI jedoch primär als Mittel zur Entlastung der Mitarbeitenden - nicht als Ersatz für Arbeitskräfte.
Gleichzeitig dürften sich die Anforderungen an Fachkräfte verändern. Besonders gefragt bleiben den Umfrageergebnissen zufolge Kompetenzen in Informatik, Datenanalyse und kreativer Arbeit. KMUs, die KI bislang zurückhaltender einsetzen, verweisen zudem auf fehlende personelle und technische Ressourcen bei der Einführung solcher Systeme.
Bezüglich KI-Nutzung liegt die Schweiz übrigens weit über dem globalen Durchschnitt. Ein Bericht von Microsoft offenbart allerdings auch eine wachsende digitale Kluft zwischen Industrie- und Entwicklungsländern - mehr dazu lesen Sie hier.
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