Kartenzahlung soll bald auch bei Netzausfall möglich sein
Bezahlen mit Karte soll in der Schweiz beim Kauf lebensnotwendiger Güter bis Ende 2027 flächendeckend ohne eine Netzverbindung möglich sein. Bei einer Kommunikationsstörung speichert das Terminal die Transaktion und übermittelt sie, sobald die Verbindung wiederhergestellt ist.
Bestimmte lebensnotwendige Güter sollen in der Schweiz auch dann mit Karte bezahlt werden können, wenn die Kommunikation mit dem Zahlungssystem vorübergehend unterbrochen ist. Entsprechende Massnahmen werden unter Leitung des Bundesamtes für wirtschaftlichen Landesversorgung (BWL) und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zusammen mit Banken, Zahlungsdienstleistern und Händlern erarbeitet, wie der Bund mitteilt.
Es sei vorgesehen, Zahlungen auch dann zu ermöglichen, wenn das Terminal keine Daten mehr an den Zahlungsdienstleister übermitteln könne. Transaktionen würden in diesem Fall vom Terminal gespeichert und übermittelt, sobald die Verbindung wiederhergestellt sei. Abwicklung und Kontobelastung sollen dabei zeitversetzt erfolgen. Gemäss den FAQ des BWL erfolgt eine Autorisierung auf der Grundlage vordefinierter Risikoparameter direkt zwischen Karte und Terminal.
Der Wechsel in den Offline-Modus erfolge automatisch, sobald das Terminal den Zahlungsdienstleister nicht mehr erreichen könne. Eine Benachrichtigung oder ein Eingreifen der Behörden ist nicht notwendig, wie der Bund schreibt. Um in einer solchen Situation einen Kauf zu tätigen, müsse jedoch eine physische Debit- oder Kreditkarte verwendet, ins Terminal gesteckt und die zugehörige PIN eingegeben werden. Kontaktlose Zahlungen sowie Zahlungen per Smartphone oder Smartwatch stünden nicht zur Verfügung.
Gemäss Mitteilung des Bundes werden keine zusätzlichen Karten erforderlich sein, da die bestehenden Lesegeräte rekonfiguriert werden können, um diese Funktion zu unterstützen. Sie blieben jedoch weiterhin auf eine Stromversorgung angewiesen, die über das Stromnetz, eine Batterie oder einen Generator bereitgestellt werde.
Flächendeckende Einführung bis Ende 2027 geplant
Die Umsetzung soll schrittweise erfolgen und basiere auf einer gemeinsamen Absichtserklärung, die von den Branchenakteuren auf freiwilliger Basis unterzeichnet worden sei. Nach Angaben des Bundes unterstützt die Mehrheit der Beteiligten das Projekt bereits. Zudem habe sich ein grosser Teil des Lebensmittelhandels dazu verpflichtet. Weitere Einzelhändler könnten sich der Massnahme später anschliessen.
Das Offline-Bezahlen bleibt gemäss Bund der Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern vorbehalten, insbesondere in Lebensmittelgeschäften, Apotheken und Tankstellen. Laut FAQ wird die Funktion nur mit Schweizer Karten verfügbar sein. Zudem würden Anzahl und Beträge der Transaktionen gedeckelt, um Risiken zu begrenzen. Die Schwellenwerte würden jedoch nicht öffentlich bekannt gegeben.
Die Schweiz strebt laut Mitteilung eine flächendeckende Einführung der Lösung bis Ende 2027 an. Das Offline-Bezahlen per Karte komme bereits in Schweden zum Einsatz, während Finnland, Norwegen und Estland ähnliche Systeme aufbauen würden. Laut Bund ist die Schweiz das erste mitteleuropäische Land, das über eine derartige Lösung mit einer breiten Unterstützung der Branche verfügen wird.
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