KI-Assistent kurz vor Launch

So stärkt der Kanton Waadt die Digitalisierung der Verwaltung

Uhr
von Yannick Chavanne und Übersetzung: René Jaun, nki

Die Waadtländer Verwaltung will ihre Behördengänge bis 2030 zugänglicher machen und die Interoperabilität verbessern. Die neu verabschiedete Strategie umfasst auch das KI-Projekt "AcvGPT", ein generatives KI-Tool für das kantonale Personal.

(Source: Xavier von Erlach / Unsplash.com)
(Source: Xavier von Erlach / Unsplash.com)

Der Kanton Waadt soll die Digitalisierung seiner Verwaltung weiter vorantreiben. Zu diesem Zweck hat der Waadtländer Staatsrat eine Strategie (Administration numérique vaudoise, ANV) für den Zeitraum 2026–2030 verabschiedet. Die darin formulierten 73 Massnahmen zielen insbesondere darauf ab, die Nutzung von Online-Dienstleistungen zu erhöhen, deren Zugänglichkeit zu verbessern und die Interoperabilität zwischen den verschiedenen Verwaltungsebenen zu stärken, wie der Staatsrat mitteilt.

Aktuell werden jeden Monat mehr als 130’000 Behördengänge online eingeleitet. Bis 2030 sollen es laut dem Kanton doppelt so viele werden. Ein erster Kredit von 16,4 Millionen Franken für den Zeitraum 2027–2029 wird noch dem Grossen Rat vorgelegt.

Die Strategie sieht insbesondere die Schaffung eines zentralen Zugangspunkts für Online-Behördengänge, den Ausbau der persönlichen Bereiche sowie die Möglichkeit vor, bestimmte Formalitäten an Dritte zu delegieren. Der Kanton will zudem das "Once-only"-Prinzip anwenden, wonach eine Information, die einer Behörde bereits übermittelt wurde, nicht erneut eingereicht werden muss.

Die Interoperabilität bildet eine weitere Achse des Programms. So plant der Kanton etwa, die für Unternehmen bestimmten Behördengänge besser mit nationalen Plattformen wie Easygov zu integrieren. Die Strategie sieht zudem den Einsatz nationaler Lösungen wie der E-ID und Agov für die sichere Identifikation vor. Auch die Entwicklung souveräner Lösungen für künstliche Intelligenz gehört zu den angekündigten Stossrichtungen.

Wie aus der Detailpräsentation des Kantons hervorgeht, definiert die Strategie 21 sogenannte "Schlüsselmassnahmen". Deren Inhalt kann sich abhängig von technologischen, rechtlichen oder organisatorischen Entwicklungen verändern. Die Strategie betrifft rund 855’700 Privatpersonen, 66’600 Unternehmen, 300 Gemeinden und 25’000 Mitarbeitende der kantonalen Verwaltung. Nicht dazu zählt der Kanton namentlich das Unispital (CHUV) und die Universität (UNIL).

In der Präsentation nennt der Kanton zudem mehrere technologische Entwicklungen und Herausforderungen, mit denen die Verwaltung konfrontiert ist. Dazu gehören insbesondere der Aufstieg generativer KI und intelligenter Automatisierung, aber auch die Zunahme von Cyberangriffen sowie Fragen rund um die Kontrolle über Daten und Infrastrukturen.

Verwaltungsinterner KI-Assistent

Ebenfalls in der Präsentation ist das Element "AcvGPT" zu finden. In den Folien erläutert der Kanton dessen Funktionsweise nicht näher. Doch laut "24 heures" handelt es sich dabei um ein generatives KI-Tool für das kantonale Personal, das in den kommenden Monaten verfügbar sein soll. Laut dem Bericht soll es etwa Dokumente zusammenfassen und Ideen generieren können, wobei es auch persönliche oder nicht öffentliche Daten sicher verarbeite. Das Tool soll von einem lokalen Anbieter bereitgestellt werden. Ebenfalls laut "24 heures" könnte der Einsatz dieses hauseigenen KI-Assistenten auch auf die Vorbereitung von Antworten auf parlamentarische Vorstösse ausgeweitet werden, nicht jedoch auf Entscheidungsprozesse.

Wie "24 Heures" bemerkt, können aktuell rund 300 kantonale Behördengänge noch nicht vollständig online erledigt werden. Derzeit seien rund 50000 kantonale elektronische Identifikationsmittel aktiv.

 

Lesen Sie auch: Der Kanton Genf verabschiedete unlängst seine erste Strategie für digitale Souveränität. Sie soll Leitlinien für Technologieentscheide, den Umgang mit Daten sowie den Einsatz von Cloud, KI und Open Source festlegen, wie Sie hier lesen können.

Webcode
Chm9Zoh3