Wie KI den Arbeitsplatz von morgen verändert
Am HP Solutions Day 2026 hat der Arbeitsplatz von morgen langsam Gestalt angenommen. Das Eventprogramm führte von der Beziehung des Menschen zur Arbeit über die Rolle künstlicher Intelligenz und mitdenkende Geräte bis hin zu den Sicherheitsrisiken einer zunehmend vernetzten Arbeitswelt.
Am 16. September lud HP zum Solutions Day 2026 bei JED Events in Schlieren. Nach einem Kaffee und ersten Gesprächen versammelten sich die rund 240 Besucherinnen und Besucher in der Eventhalle. Dort stellte der Hersteller unter dem Motto "Future of Work" die Frage ins Zentrum, wie künstliche Intelligenz den Arbeitsplatz verändern soll. Neben den Vorträgen auf der Hauptbühne bot das Tagesprogramm verschiedene Breakout Sessions und Product Showcases, in denen die Gäste einzelne Themen vertiefen und Lösungen ausprobieren konnten.
Peter Zanoni, Managing Director von HP Schweiz, nannte zum Auftakt drei Themen, die ihm derzeit besonders häufig in Kundengesprächen begegneten: Produktivität, Sicherheit und Einfachheit. Mehr Produktivität bedeute dabei nicht, mehr zu arbeiten, sondern Zeit für die eigentlichen Aufgaben zu gewinnen. Gleichzeitig koste unnötige Komplexität Zeit, Ressourcen und Energie. Entscheidend sei, dass "Geräte, Zusammenarbeit, Sicherheit und Support als Ganzes funktionieren." Denn: "Technologie entfaltet ihren Wert erst dann, wenn sie Menschen erfolgreich macht", fügte Zanoni hinzu.
Zwischen Produktivität und Zufriedenheit
Wie eng funktionierende Technik und das Verhältnis zur eigenen Arbeit zusammenhängen sollen, zeigte Luis Casado, Senior Vice President GTM Marketing bei HP, anhand des hauseigenen Work Relationship Index von 2025. Demnach fühlt sich in der Schweiz lediglich rund ein Viertel der Beschäftigten mit den richtigen Werkzeugen ausgestattet. Im internationalen Vergleich schnitten Schweizer Arbeitnehmende bei der Zufriedenheit allerdings überdurchschnittlich ab.
Wer KI-Werkzeuge täglich nutze, sei der Untersuchung zufolge tendenziell stärker engagiert. Daraus lasse sich jedoch keine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung ableiten, räumte Casado ein: "Vielleicht sind jene Mitarbeitenden, die KI nutzen, ohnehin schon am stärksten engagiert." Umgekehrt sei aber auch denkbar, dass die verfügbaren Werkzeuge ihr Engagement erhöhten.
Technik könne allerdings nicht sämtliche Probleme am Arbeitsplatz lösen, betonte Casado. Bei klaren Zielen und der Anerkennung erbrachter Leistungen spielt sie laut Casado kaum eine Rolle. Ein besseres Verhältnis zur Arbeit lasse sich nicht einfach mit neuer Hardware installieren.
Der mitdenkende Arbeitsplatz
Imran Chaudhri, Senior Vice President HP IQ und Nearsense, führte anschliessend vor, wie HP PCs, Videokonferenzlösungen und weitere Geräte zu einem intelligenten Arbeitsplatz-Ökosystem verbinden will. Vieles davon hatte der Hersteller bereits im März 2026 an der HP Imagine in New York präsentiert. Mehr zu HP IQ, Nearsense und HPs Strategie "AI at the Edge" lesen Sie hier. Und einen Überblick über die damals angekündigten KI-PCs, Sicherheitslösungen und Druckerserien gibt es in diesem Beitrag.
Am Solutions Day hob Chaudhri erneut Datenschutz und Kosten als Argumente für lokal ausgeführte KI hervor. HP IQ soll etwa Dokumente zusammenfassen und Besprechungen protokollieren, ohne dass die Daten dafür das Gerät verlassen müssen. Nearsense wiederum soll Geräte in der Umgebung erkennen und beispielsweise den Beitritt zu einer laufenden Videokonferenz vereinfachen.
Mehr KI, aber nicht weniger Mensch
"KI spielt definitiv eine zentrale Rolle, weil sie den Arbeitsplatz momentan sehr stark verändert", sagte HP-Schweiz-Chef Zanoni im Gespräch mit der Redaktion. KI-PCs seien in seinen Augen deshalb kein Marketing-Hype. Unternehmen beschafften ihre Geräte üblicherweise für drei bis fünf Jahre. In dieser Zeit entwickelten sich die Anwendungsmöglichkeiten stark weiter, weshalb sie sich mit entsprechend ausgestatteten Geräten für künftige Entwicklungen absichern wollten.
Dabei müsse keineswegs jede KI-Anwendung auf dem Gerät laufen: "Ich sage nicht, alles muss lokal sein. Das wäre völlig falsch gegriffen." Je nach Anwendungsfall biete die lokale Verarbeitung jedoch Vorteile bei Geschwindigkeit, Kosten und dem Schutz sensibler Informationen. "Datensicherheit, Datenschutz und Datensouveränität sind bei uns in der Schweiz ein Riesenthema", sagte Zanoni.
Der Wandel werde zwar von den Herstellern vorangetrieben, doch auch die Kundschaft frage ausdrücklich nach KI-PCs. Von den neuen Möglichkeiten können laut Zanoni nicht nur Grossunternehmen, sondern ebenso KMUs und die öffentliche Hand profitieren. "Der Zugang zu den Technologien und Möglichkeiten ist für alle gleich", sagte er. Unterschiede gebe es vielmehr beim Innovations- und Reifegrad der Organisationen. Entscheidend sei, dass diese entsprechende Kompetenzen aufbauten - dies sei letztlich auch "eine Führungsaufgabe".
Mit Blick auf die kommenden drei Jahre erwartet Zanoni, dass KI-Agenten zunehmend wiederkehrende Abläufe selbstständig übernehmen. Den Menschen sieht er am Arbeitsplatz deshalb aber nicht auf dem Abstellgleis. Gerade bei Empathie, Emotionen und persönlichem Austausch bleibe dessen Rolle entscheidend: "Am Schluss des Tages steht der Mensch weiterhin im Zentrum."
Wenn Angriffe zum Geschäftsmodell werden
Im weiteren offiziellen Programmverlauf beleuchteten HPs Sponsoring-Partner Microsoft und AMD auf der Hauptbühne die technischen Grundlagen der KI-Arbeitswelt - von lokal ausgeführter KI unter Windows bis zur dafür benötigten Rechenleistung.
Deutlich düsterer wurde es anschliessend im Security-Block. Patrick Schläpfer, Security Researcher bei HP, zeigte auf, wie stark sich Cyberkriminalität professionalisiert hat. Das Bild der Einzelperson, die im Kapuzenpullover im Keller sitzt, sei längst überholt. Stattdessen teilten sich spezialisierte Anbieter die Arbeit: Die einen entwickelten Schadsoftware, andere verschickten Phishing-Mails oder verkauften erbeutete Zugangsdaten.
KI beschleunige diese Entwicklung zusätzlich. Schläpfer demonstrierte, wie sich mit einem einzigen Prompt Informationen über ein potenzielles Opfer sammeln und daraus eine personalisierte Phishing-Mail samt gefälschter Website erzeugen lassen - ganz ohne Programmierkenntnisse. "Das Kernproblem ist das Tempo", sagte er.
Wie ein Angriff abseits der Technik aussieht, schilderte Bettina Zimmermann, CEO und Mitinhaberin von GU Sicherheit & Partner. Ihr zwölfköpfiges Team stand zum Zeitpunkt des HP-Anlasses bereits beim 58. Kriseneinsatz des Jahres; rund die Hälfte davon betraf Cybervorfälle.

Bettina Zimmermann, CEO und Mitinhaberin von GU Sicherheit & Partner. (Source: Netzmedien)
Anhand realer Fälle zeigte Zimmermann, welche Fragen Unternehmen nach einem Ransomware-Angriff innerhalb kürzester Zeit beantworten müssen: Welche Systeme und Backups funktionieren noch? Welche Daten sind abgeflossen? Wie informiert man Mitarbeitende, Kunden und Behörden? Und soll man mit den Erpressern verhandeln? "Verhandeln heisst aber nicht, a priori zu bezahlen", betonte sie. Zunächst gehe es darum, Zeit zu gewinnen und Informationen zu beschaffen. "Eine Lösegeldzahlung muss stets die letzte Option bleiben."
Kundenservice aus dem Darknet
Wie organisiert das kriminelle Geschäft inzwischen ist, zeigte Zimmermann an einem absurden Detail: Die Hackergruppe Anubis betreibe sogar eine FAQ-Seite für ihre Opfer. Zudem versprechen viele Gruppierungen nach einer Zahlung Entschlüsselungssoftware, Löschvideos und Berichte über die ausgenutzten Schwachstellen.
Bei einem kurz vor Weihnachten angegriffenen Familienunternehmen habe ihr Team die Lösegeldforderung von 300'000 auf 200'000 Dollar heruntergehandelt, erzählte die Gastreferentin. Nach der Zahlung habe die Ransomware-Gruppe Akira den Schlüssel geliefert; 98 Prozent der Daten hätten sich wiederherstellen lassen. "Mit Akira haben wir bis jetzt immer recht gute Erfahrungswerte", sagte Zimmermann - wohl wissend, wie absurd dies klang - und sorgte damit in der Eventhalle für Schmunzeln. Verlässlich seien solche Erfahrungen allerdings nie: Schliesslich verhandle man mit Kriminellen.
Wirksames Krisenmanagement beginnt laut Zimmermann ohnehin lange vor dem Angriff: Zuständigkeiten und Krisenstäbe müssten definiert, regelmässig trainiert und externe Partner möglichst bereits "zu Friedenszeiten" bestimmt werden. Für Schweizer Unternehmen sei dies besonders relevant. Der hiesige Wohlstand und die strengen Datenschutzbestimmungen machen das Land laut Zimmermann zu einem äusserst attraktiven Ziel für Erpresser.
Mit ihrem Appell, Risiken ins Auge zu fassen und hin- statt wegzuschauen, setzte Zimmermann den inhaltlichen Schlusspunkt. Und nachdem Zanoni den offiziellen Teil beendet hatte, bot der abschliessende Apéro Gelegenheit, die Gespräche des Tages weiterzuführen - nun ohne akuten Krisenfall.
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