Stromversorgung gefährdet

Photovoltaikanlagen der Schweiz stellen systemrelevantes Risiko dar

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von Julia Meyer und cka

Photovoltaikanlagen sind meist mit den Servern der Hersteller verbunden. Im Fall eines Angriffs auf diese Hersteller, oder falls diese gezwungen würden, könnten sie die Anlagen aus der Ferne ausschalten. Da Photovoltaikanlagen für die Stromversorgung der Schweiz systemrelevant geworden sind, ergibt sich dadurch ein beträchtliches Risiko.

Solarpanels stellen ein systemrelevantes Risiko für die Stromversorgung der Schweiz dar. (Source: Soren H / Unsplash.com)
Solarpanels stellen ein systemrelevantes Risiko für die Stromversorgung der Schweiz dar. (Source: Soren H / Unsplash.com)

Photovoltaikanlagen sind in der Schweiz weit verbreitet und mittlerweile systemrelevant für die Stromversorgung der Schweiz. Durch ihre Verbindung mit Servern der Hersteller, über die man sie effektiv aus der Ferne ausschalten kann, stellen sie nun ein beträchtliches Risiko für die Stromversorgung dar. Mehrere Szenarien könnten gemäss einer Studie des Nationalen Testinstituts für Cybersicherheit (NTC) zu nennenswerten Stromausfällen führen, ausgelöst aus der Ferne.

Systemrelevanz und Verbindung zu Herstellern

Stand Ende 2025 sind laut dem NTC in der Schweiz 338'000 Photovoltaikanlagen installiert. Zusammen generieren diese eine Spitzenleistung von 9,5 Gigawatt. Die Jahresproduktion von Strom durch Photovoltaikanlagen von 8 Terawattstunden (TWh) deckt laut Mitteilung etwa 13,7 Prozent des Strom-Endverbrauchs der Schweiz ab. Dies ist ein beträchtlicher Anteil, vergleichbar mit dem Kernkraftwerk Gösgen. Die Zwischenziele des Bundesrats setzen auf noch mehr Strom aus Photovoltaikanlagen bis 2030, nämlich 18,7 TWh. Da der Bestand von Photovoltaikanlagen zu einem grossen Anteil von Privatpersonen betrieben wird, werde dieser beträchtliche Anteil der Stromerzeugung nicht mit hohen Sicherheitsstandards überwacht.

Die Solarmodule von Photovoltaikanlagen generieren zunächst Gleichstrom. Dieser muss, um im Stromnetz der Schweiz weiter genutzt zu werden, in Wechselstrom umgewandelt werden. Dies geschieht bei Photovoltaikanlagen im sogenannten Wechselrichter, in dem ausserdem meist ein Kommunikationsmodul eingebaut ist. Dieses Kommunikationsmodul ist wiederum über ein Energiemanagementsystem mit dem Internet und auch mit der Cloud des Herstellers verbunden.

Chinesische Hersteller am Steuer

Bei fast allen Wechselrichtern kann der Hersteller über die Steuerschnittstelle ohne Anmeldung regulieren, wie viel Leistung in die Anlage eingespeist wird, und sie dadurch effektiv ausschalten. Würden viele Anlagen gleichzeitig so manipuliert, könnte dies die Stabilität des Schweizer Stromnetzes in Gefahr bringen. Auch der Passwortschutz für die Anmeldung zur Steuerung der Anlagen lasse oft zu wünschen übrig, heisst es in der Studie. Es gab bereits Fälle, in denen die Passwörter im Internet veröffentlicht wurden, und viele Anlagen hätten ausserdem keine individualisierten Passwörter.

Das Risiko für die Stromversorgung entsteht dabei nicht durch die einzelnen Geräte, sondern durch den Umstand, dass die Geräte nur von wenigen verschiedenen Herstellern stammen. Im Jahr 2025 stammten 80 Prozent der eingebauten Anlagen von den grössten vier Anbietern Huawei, Fronius, Sungrow und Solaredge. 

Die Hersteller hätten zwar kein ökonomisches Interesse an einem gleichzeitigen Ausschalten ihrer Geräte. Allerdings könnten sie von staatlichen Akteuren oder Cyberkriminellen, die die Hersteller erpressen, zum Ausschalten der Geräte gezwungen werden, wie NTC-Gründer Raphael Reischnuk gegenüber SRF erklärt. 

Hinzu komme, dass neun der zehn grössten Wechselrichterhersteller der Welt, darunter Huawei und Sungrow, aus China stammen. Mehrere nationale Sicherheitsbehörden hätten bereits Bedenken zu diesem Umstand geäussert und dies als strategisches Risiko eingestuft. China weise den Vorwurf klar zurück, dass sie Energie als Druckmittel einsetzen könnten. 

Private Anlagen von Regulationen nicht abgedeckt

In der Schweiz gebe es bereits verschiedene Regulierungen, die je nach Leistungsfähigkeit einer Anlage verschiedene Schutzniveaus vorschreiben. Allerdings fallen praktisch alle Schweizer Photovoltaikanlagen in keine der Schutzniveaus, weil die einzelnen Anlagen zu wenig Leistung erzeugen. Die EU und die USA bemühen sich um weitere Massnahmen, wobei beispielsweise die EU Projekte mit Wechselrichtern aus China nicht mehr durch Fördergelder unterstützt.

Die Studie fordert mehr Cybersecurity-Prüfungen für Photovoltaikanlagen, betont aber auch, dass man die Anlagen weiter fördern soll und die Studie nicht weniger Anlagen fordert. Betreiber von Kleinanlagen sollten sich bestätigen lassen, dass individuelle Passwörter gesetzt sind und die Anlage nicht direkt aus dem Internet erreichbar ist. 

 

Dass Solaranlagen Probleme verursachen können, hat auch schon Trend Micro erkannt. Der Cybersecurity-Anbieter warnte bereits 2024 vor diesem Risiko, wie Sie hier nachlesen können

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