Cyber Security Spezialist mit eidg. Fachausweis

Viola Amherd lässt diplomierte Hacker vom Stapel laufen

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von Coen Kaat

Bundesrätin Viola Amherd hat in Bern das neue Berufsbild "Cyber Security Spezialist mit eidgenössischem Fachausweis" lanciert. Die Berufsprüfung wurde von ICT-Berufsbildung Schweiz zusammen mit der Wirtschaft und der Schweizer Armee entwickelt. Ein besonderes Anliegen aller Beteiligten: Wie lassen sich mehr Frauen für Cybersecurity-Berufe begeistern?

Bundesrätin Viola Amherd. (Source: Netzmedien)
Bundesrätin Viola Amherd. (Source: Netzmedien)

"Wir sind nicht nur fortschrittlicher geworden, sondern auch verletzlicher." Die Worte richtete Bundesrätin Viola Amherd an das Publikum im Welle7, mit Ausblick auf das emsige Kommen und Gehen im benachbarten Berner Hauptbahnhof.

Die Digitalisierung habe zwar die Effizienz stark gesteigert – aber auch die Abhängigkeit von ihr. "Staat und Privatpersonen gleichermassen sind heute auf eine funktionierende IT-Infrastruktur angewiesen", sagte Amherd. "IT und Daten sind mittlerweile der Lebensnerv der Gesellschaft. Werden sie angegriffen, wird es schnell ungemütlich und die Folgen können gravierend sein." Daher seien Schutz und Sicherheit auch im Cyberspace eine sicherheitspolitische Priorität geworden.

"Der heutige Tag ist ganz in diesem Sinne", führte die Bundesrätin zum Grund des Events über: Amherd, die Chefin des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) lancierte in Bern das neue Berufsbild "Cyber Security Spezialist mit eidgenössischem Fachausweis". Rund 100 geladene Gäste aus Bildung, Wirtschaft, Verwaltung und der Armee waren dafür angereist.

ICT-Berufsbildung, Compass Security und SVF prüfen Kompetenzen

Die Berufsprüfung wurde von ICT-Berufsbildung Schweiz auf Anregung der Schweizer Armee und in enger Zusammenarbeit mit dem Bund und der Privatwirtschaft entwickelt. Als offizielle Trägerschaft vermittelt ICT-Berufsbildung zwischen den verschiedenen Stakeholdern.

Der Fachausweis umfasst verschiedene Kompetenzen. Um die Qualität der Prüfung möglichst hoch zu halten, arbeitet die Organisation mit dem IT-Security-Dienstleister Compass Security sowie der Schweizerischen Vereinigung für Führungsausbildung (SVF) zusammen.

Die SVF prüft die Führungskompetenzen der Kandidaten. Der grösste Teil der Prüfung betrifft jedoch die Cybersecurity-Expertise. Diese wird im Hacking-Lab von Compass Security geprüft. Dort müssen die Kandidaten Schwachstellen in einem realen System aufdecken und konkrete Angriffe abwehren, wie ICT-Berufsbildung in einer Mitteilung schreibt. "Und wir bringen am Ende alles wieder zusammen", sagte Serge Frech, Geschäftsführer von ICT-Berufsbildung Schweiz, in Bern.

Bundesrätin Viola Amherd (Dritte von rechts) zusammen mit (v.l.) Andreas Kaelin und Serge Frech von ICT-Berufsbildung Schweiz, Remy Hübschi vom SBFI, Thomas Holderegger von der UBS, Christian Zeller von die Mobiliar und Divisionär Thomas Süssli. (Source: Netzmedien)

Viola Amherd hatte wenige Tage zuvor bereits den neuen Cyber Defence Campus (CYD) der ETH Zürich eingeweiht. Was das CYD mit einer Heugabel zu tun hat, erfahren Sie hier im Eventbericht zur Einweihung.

Privatwirtschaft beteiligt sich an Ausbildung

"Was macht diese Prüfung so speziell?", fragte Frech. "Die klare Gewaltentrennung zwischen der Instanz, die prüft, und der Instanz, die ausbildet", beantwortete er seine eigene Frage sogleich.

Die Ausbildung für den Fachausweis bieten sieben private Organisationen an. Darunter sind Ausbildungsinstitute wie die Gewerblich-Industrielle Berufsschule Bern (GIBB), die höhere Fachschule der digitalen Wirtschaft IFA, die Stiftung Wirtschaftsinformatikschule Schweiz (WISS) und die Höhere Fachschule für Wirtschaft und Informatik (SIW).

Einer der ersten Ausbildungspartner war allerdings Cisco. Der US-amerikanische Anbieter von Telekommunikationslösungen bietet die Ausbildung in der neu gegründeten Cisco Cybersecurity Academy an. Mehr Informationen zu den Ausbildungspartnern listet ICT-Berufsbildung auf seiner Website.

https://www.ict-berufsbildung.ch/berufsbildung/ict-weiterbildung/cyber-security-specialist-efa/

Auch die Armee bildet Spezialisten aus

Eine weitere Möglichkeit, sich auf die Prüfung vorzubereiten, bietet die Schweizer Armee. In der ersten Woche der Rekrutenschule könnten sich Interessierte für den Lehrgang bewerben. Gesucht werden Personen mit einer abgeschlossenen Informatiklehre - aber auch Maturanden und Autodidakten.

"Wir möchten die Besten der Besten", sagte Divisionär Thomas Süssli in Bern.

Aus den rund 140 Bewerbern werden nur die Top 40 ausgewählt. Diese kommen in ein zweitägiges Assessment. Dort gehe es mehr um die Persönlichkeit der Kandidaten, erklärte Süssli. In den Lehrgang nehme die Armee schliesslich etwa 20 Personen auf.

"Während der ganzen Ausbildung werden sie immer wieder geprüft", sagte er. "Wer sich nicht integer verhält, verlässt die Ausbildung sofort." Eine Massnahme, um die Qualität zu wahren – aber auch, um diejenigen auszusondern, die das Gelernte missbrauchen könnten.

Der erste Teil der Ausbildung beim Militär bestehe aus rund 800 Lektionen. Ausser Fächern wie Cyber Threat Intelligence stehen auch Kryptologie und Ethik auf dem Programm. Der zweite Teil ist die Offiziersausbildung, um Führungskompetenzen aufzubauen. Den abschliessenden dritten Teil bildet ein 12-wöchiges Praktikum.

"Hier sind wir sehr froh, wenn wir mit der Wirtschaft zusammenarbeiten können", sagte Süssli. "Denn die stärkste Waffe im Cyberraum ist das Netzwerk, das menschliche Netzwerk."

Wie die Armee mehr Frauen für Cybersecurity begeistern will

Etwas verläuft laut dem Divisionär jedoch noch nicht so, wie er es gern hätte. "Ich habe es noch nicht geschafft, eine Frau in den Lehrgang zu holen", sagte er. "Aber wir arbeiten daran."

Woran das liege? Nur rund 13 Prozent der Mitarbeiter in Informatikberufen seien Frauen – und in der RS sei der Anteil Frauen sogar nur 1 Prozent. "Die Schnittmenge ist wohl sehr klein", sagte der Divisionär.

Die Armee wolle nun mit Marketing den Frauenanteil erhöhen. "Wir wollen zeigen, was für interessante Aufgaben wir zu bieten haben", sagte er. Zudem wolle er früher an die Talente herangehen, um so auch diejenigen abzuholen, die sich sonst nicht für die Armee interessieren würden.

Gemäss Serge Frech sei der niedrige Frauenanteil auch auf gesellschaftliche Probleme zurückzuführen – diese beginnen schon im Kindergarten. "Junge Mädchen und Buben werden hauptsächlich von drei Faktoren beeinflusst: Eltern, Kollegen und Lehrern", sagte er im Gespräch. "Wenn sie sich für Berufe interessieren, die nicht typischerweise mit ihrem Geschlecht assoziiert werden, und dieses Interesse daheim in Frage gestellt wird, lassen sie sich schnell wieder davon abschrecken."

Darum müsse man diese beeinflussenden Faktoren ansprechen. Frech denkt dabei etwa an zielgruppengerichteten Kampagnen. "Aber dafür brauchen wir finanzielle Mittel."

Ivan Bütler, Gründer und CEO von Compass Security. (Source: Netzmedien)

VBS arbeitet bereits an neuer Cyberstrategie

Ivan Bütler, Gründer und CEO von Compass Security, hat eine andere Idee. "Wir brauchen klare Vorbilder!", sagte er im Gespräch. "Wir brauchen ein paar Frauen, die man aufs Titelblatt setzen kann, wenn die Headline 'Die besten Hacker in der Schweiz' lautet."

Mehr Frauen in die Armee und auch für Cybersecurityberufe zu gewinnen, ist auch der Bundesrätin Viola Amherd "ein besonderes Anliegen". Das VBS nehme derzeit die Arbeiten an einer neuen Cyberstrategie auf. Diese soll im Herbst 2020 vorliegen. Ein wichtiger Kernpunkt werden gemäss Amherd die Personalressourcen sein. Und somit wohl auch weitere Massnahmen, Frauen für Cybersecurity zu begeistern.

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