Roger Süess von Green im Podium

Was Rechenzentren bieten müssen

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von Coen Kaat

Gemäss einer Studie des Bundesamts für Energie verbrauchen die Schweizer Rechenzentren jährlich 2100 Gigawattstunden. Also etwa so viel wie 450'000 Haushalte zusammen. Wie nachhaltig der Schweizer RZ-Markt ist, sagt Roger Süess, CEO von Green.

Roger Süess, CEO von Green. (Source: LYDIA)
Roger Süess, CEO von Green. (Source: LYDIA)

Was muss ein RZ-Betreiber heute bieten, um morgen noch im ­Geschäft zu sein?

Roger Süess: Rechenzentrumsbetreiber müssen heute abgestimmte Lösungen für alle drei Kundensegmente bieten: Sowohl für Partner, Enterprise-Kunden als auch für die internationalen Cloud-Provider. Damit werden sie zu Datacenter-Plattformen, die diese Kunden auch zusammenführen und gemeinsame Lösungen ermöglichen. Das geht weit über den eigentlichen Datacenter-Betrieb hinaus und beinhaltet nicht zuletzt auch eine hervorragende Connectivity und das Vorhandensein eines umfassenden Partnernetzwerks. Denn letztlich werden moderne Datacenter zu Datenhubs, zu digitalen Ökosystemen.

 

Algenfarmen, Abwärmenutzung, Energieeffizienz: Wie wichtig sind solche Ansätze für nachhaltige Rechenzentren und wie verbreitet sind sie in der Schweiz?

Sie sind absolut entscheidend! Die Energieeffizienz ist bei den Betreibern schon heute ein wichtiges Thema, und es wird vermehrt auf die Agenda der Kunden rücken - als Thema von globaler und strategischer Bedeutung. Unser Ziel ist bei allen neuen Anlagen, sämtliche technologischen Möglichkeiten auszuschöpfen, um einen PUE-Wert nahe 1 zu erreichen. Gleichzeitig führen wir jährliche Optimierungsprojekte durch, um in den bestehenden Datenräumen die Energieeffizienz stetig zu verbessern. Wir sehen uns hier in einer Vorreiterrolle und hoffen, die Kollegen ziehen nach.

 

Gemäss einer aktuellen CBRE-Studie hat die Schweiz die zweithöchste Rechenzentrumsdichte in Europa. Wie viel Wachstum ist in diesem Markt noch möglich?

Wir gehen davon aus, dass ein jährliches Wachstum von 20 Prozent realistisch ist und über die nächsten drei bis fünf Jahre andauert. Jedenfalls für jene Anbieter, die grosse und umfassend vernetzte Datacenter-Plattformen betreiben.

 

Welche Chancen bietet das RZ-Geschäft für Fachhändler, ­Integratoren, Systemhäuser?

Der Betrieb eigener Serverräume oder Rechenzentren ist kaum mehr Kerngeschäft dieser Unternehmen. Und auch nicht mehr effizient und wirtschaftlich zu betreiben, so spezialisiert ist das Wissen modernster Anlagen. Zusammen mit einem lokalen und starken Datacenter-Partner lassen sich aber Synergien ausnutzen und die Wertschöpfung optimieren. Wir haben begonnen, im Rahmen unseres Cloud-Ökosystems Partnerschaften sichtbar zu machen und möglichst viele Angebote auf dieser Plattform anzubieten. Das kann bis hin zu gemeinsamen Bundles gehen. Letztlich wollen wir gemeinsam mit diesen Partnern wachsen und unsere Kunden weiterbringen - One-Stop-Shop-like.

 

Wie können sich lokale RZ-Betreiber gegen die grossen, internationalen Anbieter behaupten?

Wir sind ein gutes Beispiel dafür, dass dies möglich ist. Aber wir haben uns auch früh breiter aufgestellt und unsere Organisation und unsere Prozesse, nebst dem angestammten Geschäft der KMUs, auf Grosskunden und Hyperscaler ausgerichtet. So, dass wir diese compliant nach internationalen Standards bedienen können, aus der Schweiz heraus. Bei den Schweizer KMUs, wo auch vermehrt "Managed Service" gefragt ist, haben wir Lösungen mit lokalen und internationalen Partnern etabliert, die sie in der Digitalisierung voranbringen und begleiten.

 

 

 

Die Antworten der weiteren Teilnehmer des Podiums:

  • Michael Dudli, CEO von Xelon: "Ausser Datenschutz und Security-Massnahmen spielen auch Energieeffizienz und Innovations­fähigkeit eine Rolle."

  • Walter Kasal, NTT: "Es reicht nicht mehr, nur Fläche, Energie, Kühlung und physische Sicherheit anzubieten."

  • Thomas Kreser, Interxion: "Die aktuell stattfindende digitale Transformation bietet viele Chancen."

  • Roger Semprini, Equinix: "Idealerweise sollte ein RZ-Anbieter ein sogenanntes Campus-Modell anbieten."

  • Patrick Stutz, Mount10: "Nicht die RZ-Fläche ist entscheidend, sondern wie viel Kühl- oder Stromleistung pro Quadratmeter zur Verfügung steht."

  • Mark Thommen, Netrics: "Jedes Kilowatt an Systemleistung in einem Datacenter mit schlechtem PUE-Wert kostet den Kunden Geld ohne Gegenwert."

  • Ralph Urech, Data11: "Langfristige Integrität, Vertraulichkeit und Verfügbarkeit bleiben jedoch die drei wichtigsten Eckpfeiler."

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