ICT-Reseller-Index Juni

Zurück zur Normalität

Uhr | Aktualisiert
von Coen Kaat

Die angespannte Lage im Reseller-Geschäft scheint sich gemäss dem ICT-Reseller-Index zu beruhigen. Das Kerngeschäft bleibt jedoch ein Sorgenkind.

Die Wogen scheinen sich zu glätten. Gemäss dem ICT-Reseller-Index für den Monat Juni, scheint die Normalität wieder in das Geschäft zurückzufinden. Der Indexwert kletterte vergangenen Monat auf 90 Punkte. Damit lag der Wert mit einem Minus von 4 Prozent nur noch leicht hinter dem Vorjahreswert zurück, wie Verfasser Proseller mitteilt.

Der Umsatz für das erste Halbjahr hinkt im Jahresvergleich dennoch hinterher. Dieser schrumpfte um 10 Prozent. Der Trend zeigt jedoch hinauf. Rechnet man die Ergebnisse des Monats Juni nicht dazu, liegt der Umsatz 11 Prozent hinter 2014 zurück.

Die Werte für das erste Halbjahr werden durch zwei Monate dominiert: der besonders starke Februar und der extrem schwache April. 2015 lag bisher einzig der Indexwert für den Monat Februar über dem Vorjahreswert.

Das Kerngeschäft bleibt das Sorgenkind

Die generelle Struktur, die sich bereits in den letzten Monaten abzeichnete, bleibe bestehen. So legten die Produktkategorien Peripherie, Netzwerk- und Zubehörartikel zu. Peripherie stieg im ersten Halbjahr gegenüber Vorjahr um 6 Prozent, Netzwerkartikel um 5 Prozent und Zubehör um 4 Prozent.

Die Umsätze der Bereiche Verbrauchsmaterial und Software weisen zwar ein Minus von je 7 Prozent vor. Da der Gesamtumsatz stärker fällt, steigern die Bereiche ihren Anteil daran.

Deutlich stärker sinken die Umsätze in den Kategorien Computer, Speicher und im Restsortiment. Der PC-Markt weisst einen Rückgang von 15 Prozent vor, der Storage-Handel sank um 20 Prozent und der Rest verlor 27 Prozent im Jahresvergleich.

"Der PC war früher der einzige Zugang zu IT für den User", sagt Thomas Czekala, Verfasser der Studie und Mitglied des Verwaltungsrats bei Proseller. "Dies ist Geschichte und heute hat schon jeder Fernseher eine Oberfläche mit Apps und Internetzugang."

So gesehen muss sich der PC heute gegen eine stark gewachsene Konkurrenz wehren. "Im zukünftigen Internet der Dinge wird bald jeder Toaster als Interface zu den persönlichen Apps in der Cloud fähig sein."

Lösungen ausserhalb des Verkaufs suchen

Reseller, die sich rein auf den Verkauf von Hardware fokussieren, werden es immer schwerer haben. "Viele Kunden pflegen ihren lokalen Reseller noch, weil man sich kennt und mag, nicht weil man ihn braucht", sagt Czekala. "Das wird aber auf Dauer nicht tragfähig sein." Um die fixe Kostenbasis zu decken, müssten Reseller immer mehr Umsatz bei sinkenden Margen machen.

Die Reseller sollten sich auf diesen Wechsel im nachgefragten Sortiment einstellen. Gemäss Mitteilung liegen die Chancen eher im Dienstleistungsbereich: Cloud Services, die Umsetzung von Security-Konzepten und die Konfiguration von Anwendungen.

Die Komplexität in der IT ist stark gestiegen. "Heute liegen immer mehr Anwendungen bereits zwangsweise in der Cloud, greifen auf mehrere Devices zu, vernetzen sich mit mehreren Usern und haben automatische Schnittstellen zu diversen anderen Anwendungen und Sensoren", sagt Czekala.

"All das schreit nach einer koordinierenden Stelle, die einem hilft", fügt er hinzu. "Wer sonst als der IT- Reseller könnte dies, er muss nur leicht seinen Blickwinkel ändern und offen diese Services mit vernünftigen Preisen anbieten."

Um sich gegen die preisaggressiven Webshops zu behaupten, sei zudem eine Optimierung des eigenen Onlineportals sinnvoll.  

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