ICT-Reseller-Index Mai

Gutes Wetter, EU-DSGVO und Fussball lenken Schweizer Reseller von der Arbeit ab

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von Coen Kaat

Schlechte Zeiten für Schweizer Reseller: Der ICT-Reseller-Index von Proseller fällt und fällt. Der Verfasser des Index führt dies auf das gute Wetter, die vielen Feiertage und die Datenschutz-Grundverordnung der EU zurück.

(Source: Viorel Sima / Fotolia.com)
(Source: Viorel Sima / Fotolia.com)

Der Sommer rückt näher doch mit ihm keine Heiterkeit im Schweizer Reseller-Geschäft. Der ICT-Reseller-Index von Proseller setzt seinen Sinkflug fort. Im März lag der Index bei 71 Punkten, im April bei 65 und nun im Mai bei 55 Punkten, wie Proseller mitteilt.

Der ICT-Reseller-Index soll die aktuelle Lage im Schweizer Reseller-Geschäft wiederspiegeln. Proseller aktualisiert den Index jeden Monat – basierend auf den anonymisierten Suchaktivitäten der IT-Reseller über die Concerto-Software-Suite.

Der aktuelle Monat liegt 14 Prozent unter dem Ergebnis des Vormonats – und sogar 19 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Der kumulierte Rückstand zum Vorjahr beträgt für die ersten fünf Monate nun 16 Prozent.

Gutes Wetter, schlechte Geschäfte

Was sind die Gründe für diesen schlechten Mai-Wert? Die vielen Feiertage, die EU-DSGVO und das gute Wetter, wie Proseller mitteilt. "Der Mai 2018 war ein Arbeitnehmer-Monat", sagt Thomas Czekala auf Anfrage. Czekala ist Verwaltungsrat bei Proseller und Verfasser des Index.

Im vergangenen Monat häuften sich die arbeitsfreien Feiertage. Der erste Mai war ein Dienstag. Christi-Himmelfahrt war ein Donnerstag. Darauf folgte der Pfingstmontag am 21. Mai und für die katholischen Kantone auch noch Fronleichnam am 31. Mai.

"Der Reseller ist ein Dienstleister, dessen Arbeitsergebnis nicht ausschliesslich aber immer noch sehr stark von seiner eingesetzten Arbeitszeit und der zeitlichen Verfügbarkeit seiner Kunden und Lieferanten abhängt", sagt Czekala.

Eine solche Konstellation wie in diesem Mai, erklärt Czekala, führt zu einer spürbar geringeren verfügbaren Arbeitszeit für die Produktion von Reseller-Leistungen. "Auch sind Termine für Projektmeetings mit Kunden, um Entscheidungen zu provozieren, in solchen Monaten kaum zu bekommen."

EU-DSGVO lange hinausgezögert

Und wie beeinflusst das gute Wetter die wirtschaftlichen Ergebnisse der Reseller? "Nicht alle Mitarbeiter sind Workaholics", antwortet Czekala. Viele hätten wohl flexible Arbeitszeitmodelle genutzt, um die Sonnentage im Frühling zu geniessen. Das gleiche gelte wohl auch bald, wenn die Schweizer Nati an der Fussball-Weltmeisterschaft spielt.

Auch die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union (EU-DSGVO) vermochte wohl die Reseller abzulenken. Diese gilt seit dem 25. Mai. Viele hätten das Thema wohl ignoriert, wäre nicht der Cambridge-Analytica-Vorfall bei Facebook im Frühjahr ans Licht gekommen.

"Nach dem Facebook-Skandal ist nun aber die Datensicherheit auf dem Tisch aller Führungskräfte", sagt Czekala. "Deshalb wurde die bereits knappe Arbeitszeit bei Kunden aber auch Resellern mit diesem Ad-hoc-Thema im Mai zusätzlich belastet."

Thomas Czekala, Verwaltungsrat bei Proseller und Verfasser des ICT-Reseller-Index. (Source: Proseller)

"Wer die Verordnung gelesen hat, musste feststellen, dass eigentlich jede halbwegs online aktive Schweizer Firma etwas tun muss", sagt Czekala. Viele Anwälte würden sich bereits auf das Geschäft mit einfachen Abmahnungen freuen.

"Auch werden Konkurrenten sich gegenseitig massiv auf die Finger schauen, und darauf warten, dass der Wettbewerber einen Formfehler macht." So könnte die EU-DSGVO in den nächsten Monaten noch zu hohen Umsatzausfällen und Strafen führen, vermutet Czekala.

Reseller sollten sich bezüglich der EU-DSGVO mit einem kompetenten Partner zusammentun, rät Czekala. Denn das Datenschutzthema sei sehr weit vom Reseller-Geschäft entfernt.

"Statt ein Projekt- ist es ein Prozessthema und hat diverse formale, rechtliche und organisatorische Aspekte, die viele Reseller besser an einen Partner weiterleiten, mit dem sie die Vertriebs- oder Margenteilung regeln können", sagt Czekala.

Mehr Informationen zur EU-DSGVO finden Sie im Online-Dossier.

Czekalas aktuelle Handlungsempfehlung an Reseller

Fokussiert euch! "Reseller tun gut daran, sich auf eine Reihe ausgewählter Use-Cases zu fokussieren und für genau diese ideale Systemlösungsoptionen mit einem pragmatischen Anpassungskonzept für Customizing vorzubereiten", sagt Czekala.

Im ERP-Geschäft sei dies seit langem der Fall, wie die einzelnen Branchenlösungen zeigten. Das Problem im Reseller-Geschäft sei jedoch, "dass viele Reseller diesen Perspektivenwechsel als sehr anstrengend empfinden", sagt Czekala. Apple sei jedoch über seinen Schatten gesprungen und sein Erfolg basiere auf dieser Strategie.

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