Netzwerkinfrastruktur

Update: Geheimdienste verschwören sich gegen Huawei

Uhr | Aktualisiert

Die USA rufen zum Boykott gegen Huawei auf. Doch Deutschland und die Schweiz machen nicht mit. Im Gegenteil: Hierzulande geben Sunrise und Swisscom dem chinesischen Unternehmen ihre volle Unterstützung.

(Source: Friday / Fotolia.com)
(Source: Friday / Fotolia.com)

Update vom 18.12.2018:

Aus Angst vor Cyberspionage aus China sollen die USA und einige Verbündete zusammen beschlossen haben, dass Huawei Technologies Co. eingedämmt werden müsse. Das Wall Street Journal (WSJ) schreibt, es habe diese Informationen von Personen erhalten, die mit der Angelegenheit vertraut seien.

In einem Juli-Meeting sollen sich in Kanada die Spionagechefs des Intelligence-Sharing-Netzwerks "Five Eyes" getroffen haben. Mit von der Partie waren Australien, Kanada, Neuseeland, Grossbritannien und die Direktorin der US Central Intelligence Agency (CIA), Gina Haspel, wie die Quellen des WSJ angeben. Die Diskussionen behandelten die Besorgnis über Chinas Cyberspionage-Fähigkeiten und ihre wachsende militärische Macht. Ein besonderes Thema sei der Schutz der Telekommunikationsnetze vor äusseren Einflüssen gewesen, so die Quellen von WSJ.

Alle Teilnehmer seien besorgt über die Entwicklungen, jedoch in unterschiedlichem Ausmass. So seien einige der Länder, die an dem Treffen vertreten gewesen seien, dennoch gute Kunden bei Huawei. Während zum Beispiel die USA Huawei viele Steine in den Weg legen, sehen andere es als unsinnig an, ein komplettes Verbot auszusprechen, wie es von den Vertrauten des WSJ heisst.

Nach dem Treffen hätten einige typischerweise zurückhaltenden Geheimdienstler, die in Kanada gewesen waren, ungewöhnlicherweise angefangen, öffentliche Kommentare über die angeblich wachsende Bedrohung durch Huawei abzugeben. Dabei sei aber niemals öffentlich erwähnt worden, ob die Ängste nur auf theoretischen Schwachstellen oder auf tatsächlichen Hard- oder Softwareproblemen beruhen, schreibt das WSJ.

Wie in der Originalmeldung weiter unten zu lesen ist, kommen Länder wie Deutschland der Aufforderung aus den USA, Huawei fallen zu lassen, aufgrund der fehlenden Beweise nicht nach. Eigene Prüfungen hätten keine Ergebnisse geliefert, die an den Produkten des chinesischen Anbieters zweifeln liessen. Die Schweiz hat ebenfalls nicht vor, Huawei ohne triftige Gründe abzuschreiben.

Originalmeldung vom 17.12.2018:

Im Handelskrieg mit China ruft die USA bei Verbündeten zum Boykott von Huawei auf, wie das "Wall Street Journal" berichtet. Vertreter der Trump-Administration in Washington hätten Bedenken wegen möglicher Spionage durch Hintertüren in Produkte und Netzwerkkomponenten des chinesischen Unternehmens. Trumps Beamte sollen sogar finanzielle Entschädigungen angeboten haben, wenn Verbündete auf Ausrüstung von Huawei verzichten.

Weltweit folgten Verbündete dem Aufruf der USA: Australien hat Huawei aus dem Aufbau der 5G-Infrastruktur ausgeschlossen, in Grossbritannien etwa entfernt British Telecom die Ausrüstung des Konzerns aus ihren bereits existierenden 3G- und 4G-Netzen. "Entscheide von Australien, Neuseeland und Japan basieren auf politischem Hintergrund. Deutschland lehnt den Ausschluss von bestimmten Lieferanten oder Produkten aus geplanten 5G-Netzen ab und ist der Meinung, dass die Sicherheit und der Datenschutz der eingesetzten Netzwerkinfrastruktur gewährleistet sein sollte," sagt Rolf Ziebold, Senior Expert Corporate Communications bei Sunrise, auf Anfrage.

Auch die Schweiz boykottiert Huawei nicht. Mit der Ausrüstungsbeschaffung von hiesigen, unabhängigen Unternehmen hat die Schweiz nichts am Hut. Private Konzerne sind für ihren Schutz und Sicherheit selbst verantwortlich. Nur wenn es um IT für den Bund geht, sieht die Lage anders aus: Weisungen des Bundesrates über die Sicherheit gibt es in der Bundesverwaltung. Kritische Infrastrukturen für die Bundesverwaltung dürfen aus Gründen der Staatssicherheit nur von ihr selbst oder in Fällen von Auslagerung nur von inländischen Unternehmen erbracht werden. Gegenüber "Der Bund" teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten mit, dass es keine Kenntnis von einer entsprechenden Aufforderung der USA an die Schweiz habe.

Sunrise und Swisscom stehen hinter Huawei

In Bern hat Huawei seinen Hauptsitz und beschäftigt hierzulande mittlerweile 300 Mitarbeitende. Das Unternehmen beliefert Swisscom mit Internetkomponenten und zeichnet im Auftrag von Sunrise für den Aufbau eines neuen 5G-Mobilfunknetzes verantwortlich.

"Es ist ärgerlich, dass diese Vorwürfe ohne Beweise erhoben werden", sagt Axel Menning, Director of Public Affairs & Communications bei Huawei. "CEO wie auch CTO von Sunrise geben Huawei volle Unterstützung. Auch Swisscom steht hinter uns." Sunrise-Ziebold bestätigt auf Anfrage: "Wir sind mit der Qualität unseres Technologiepartners Huawei voll und ganz zufrieden und haben keine Pläne, den Technologiezulieferer zu wechseln."

"Bisher wurden nie irgendwelche Unregelmässigkeiten in den Geräten oder der Software von Hauwei nachgewiesen, noch wurden schlüssige Beweise geliefert, welche die Anschuldigungen gegen Huawei untermauern", so Ziebold. "Wie Erfahrungen aus den grössten Datenabflüssen in der Schweiz und im Ausland zeigen, sind solche Datenlecks keine Frage des Technologiezulieferers, sondern der kriminellen Energie der jeweiligen Cyber-Kriminellen."

Hintergrund der Anschuldigungen ist laut "Der Bund", dass Huawei-Firmengründer Ren Zhengfei ein ehemaliger Offizier der Volksbefreiungsarmee ist. "Wir glauben aber daran, dass sich juristisch nachweisen lassen wird, dass die Vorwürfe haltlos sind", sagt Andy Wang Haitao, Schweiz-Chef, im Interview mit der "Handelszeitung".

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