Ethische Bedenken

Update: Auch Microsoft entzieht der Polizei die Lizenz zur Gesichtserkennung

Uhr | Aktualisiert
von Steve Wagner und Übersetzung: Oliver Schneider

In einem Brief an den US-Kongress hat IBM-CEO Arvind Krishna angekündigt, dass sein Unternehmen keine Gesichtserkennungs- oder Gesichtsanalyse-Software mehr anbieten will. Amazon und Microsoft ziehen nun nach.

(Source: Frank Boston / Fotolia.com)
(Source: Frank Boston / Fotolia.com)

Update vom 12. Juni 2020: Microsoft zieht nach: Nach den Ankündigungen von IBM und Amazon will auch das Unternehmen aus Redmond der US-Polizei keine Software für die Gesichtserkennung mehr verkaufen. Man liefere solche Technologie gegenwärtig nicht an Polizeibehörden, berichtet "Reuters".

Microsoft wolle wie Amazon auf eine gesetzliche Regulierung warten. "Wir verkaufen unsere Gesichtserkennungs-Technologie derzeit nicht an die US-Polizei, und solange es kein starkes nationales Gesetz gibt, das auf den Menschenrechten gründet, werden wir diese Technologie auch nicht mehr an die Polizei verkaufen", zitiert Reuters das Unternehmen.

Update vom 11. Juni 2020: Amazon hat bekannt gegeben, der US-Polizei vorerst keine Software zur Gesichtserkennung mehr zu liefern. Bisher habe das Unternehmen den Einsatz seiner Lösung namens "Rekognition" zur Erkennung von Gesichtern durch die Polizei stets verteidigt, berichtet der "Spiegel". Nun ändere Amazon nach den Protesten gegen den Tod von George Floyd und gegen Rassismus den Kurs.

Amazon wolle das Programm ein Jahr lang der Polizei vorenthalten. Das Unternehmen hoffe, dass der US-Kongress sich in diesem Zeitraum auf einen Rechtsrahmen für die Technologie einigen könne. Andere Kunden seien nicht betroffen. Amazon werde Rekognition weiterhin zum Beispiel für Organisationen verfügbar machen, die nach vermissten Kindern suchen, die Opfer von Menschenhändlern geworden sein könnten.

Originalmeldung "IBM gibt Gesichtserkennung vollständig auf" vom 10. Juni 2020: IBM-CEO Arvind Krishna hat einen Brief an die Mitglieder des US-Kongresses geschickt. Er kündigte darin an, dass seine Firma keine Gesichtserkennungs- oder Gesichtsanalysesoftware mehr anbietet.

"IBM lehnt die Verwendung von Technologien, einschliesslich der von anderen Herstellern angebotenen Gesichtserkennungstechnologie, für die Massenüberwachung, die Erstellung von Rassenprofilen, die Verletzung grundlegender Menschenrechte und -freiheiten oder für Zwecke, die nicht mit unseren Werten und Grundsätzen des Vertrauens und der Transparenz in Einklang stehen, entschieden ab und wird diese nicht dulden", schreibt der Chef des US-Konzerns.

IBM-CEO Arvind Krishna will der Gesichtserkennung den Rücken kehren. (Source: 2019 John O’Boyle)

Arvind Krishna, der im April das Amt des CEO übernahm, merkte an, dass künstliche Intelligenz zwar ein mächtiges Instrument zur Gewährleistung der Sicherheit der Bürger sein könne, die Technologie jedoch getestet werden müsse. Man müsse sicherstellen, dass sie nicht verzerrt sei. "Wir glauben, dass die Zeit gekommen ist, einen nationalen Dialog darüber zu beginnen, ob und wie Gesichtserkennungstechnologie von den Strafverfolgungsbehörden eingesetzt werden sollte", sagte er. Stattdessen befürwortete er den Einsatz von Fussgängerkameras und "modernen Techniken" für die Datenanalyse.

Die Ankündigung erfolgt nach dem Tod von George Floyd, der in den Vereinigten Staaten eine Protestwelle und Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt auslöste.

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