Studie der Uni Bern

Open Source setzt sich durch - auch in der Schweiz

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von Ludovic de Werra und jor

Open Source wird für Schweizer Unternehmen zum Standard. Fast alle hiesigen Firmen haben mindestens eine quelloffene Software im Einsatz. Der Grund für den Trend: Open Source ist quasi von Natur aus interoperabel.

(Source: VectorMine / shutterstock.com)
(Source: VectorMine / shutterstock.com)

Open Source findet überall seinen Nutzen, sogar im Weltall. Die Europäische Raumfahrtagentur ESA sieht Open Source Software (OSS) als Schlüssel für zuverlässige Systeme und schnellere Innovation, wie Bianca Hoersch von der ESA im Vorwort der Studie Open Source 2021 schreibt. Die Forschungstelle Digitale Nachhaltigkeit der Universität Bern führte die Studie durch - im Auftrag von CH Open und SwissICT.

Einer der Hauptbefunde: Mehr und mehr Schweizer Unternehmen setzen auf quelloffene Software. OSS scheint sich sogar zum Standard zu entwickeln. 97 Prozent der befragten IT-Entscheider haben mindestens eine OSS-Lösung im Einsatz. Befragt wurden 163 CEOs, CIOs, CTOs und IT-Fachleute aus der Schweiz.

49,3 Prozent der Befragten sehen sich als OSS-Vielnutzer. Das heisst, sie nutzen mindestens 15 verschiedene OSS-Lösungen.

Anteil Nutzende (in Prozent) von mindestens einer OSS-Lösung. (Source: Screenshot Open Source 2021 / Universität Bern)

In den vergangenen Jahren sei der Anteil der Vielnutzenden deutlich gestiegen, schreibt Studienautor Matthias Stürmer im Ergebnisbericht. 2018 lag der Anteil noch bei 28,6 Prozent; 2015 lediglich bei 21,4 Prozent.

OSS kommt denn auch in mehr und mehr Anwendungsfeldern zum Einsatz. 44,7 Prozent der Befragten nutzen quelloffene Software in mehr als 14 von 28 möglichen Bereichen.

Anzahl Bereiche, in denen OSS in der Schweiz zum Einsatz kommt. (Source: Screenshot Open Source 2021 / Universität Bern)

Interoperabilität ist das Stichwort

Was spricht für OSS? Für 53,7 der befragten IT-Entscheider gelten "offene Standards" als wichtigstes Argument. Bei der letzten Erhebung von 2018 waren es 48,3 Prozent der Befragten, die diesen Aspekt als "sehr wichtig" einstuften. Die Studienautoren leiten aus diesem Befund ab, dass ein bestimmter Aspekt von OSS an Bedeutung gewinnt, nämlich die Interoperabilität, sprich: die Vereinbarkeit mit anderen Systemen. Monolithische IT-Systeme verlieren hingegen stetig an Bedeutung, wie es in der Studie heisst.

Gründe für den Einsatz von Open Source Software. (Source: Screenshot Open Source 2021 / Universität Bern)

IT-Entscheider erwarten von Business-Anwendungen heutzutage offene Schnittstellen. Bei proprietären Lösungen erwiesen sich solle APIs als Glückssache, schreiben die Studienautoren – man sei der Willkür des jeweiligen Herstellers ausgeliefert. OSS hingegen sei interoperabel "by design".

Doch wer auf OSS setzt, ist nicht gefeit vor Herausforderungen. Den Ergebnissen zufolge bemängeln Schweizer OSS-Nutzende häufig die Opazität, also die Undurchschaubarkeit von Open-Source-Projekten - dies betreffe sowohl die Finanzierung wie auch die entsprechenden Geschäftsmodelle.

Ein weiterer Hinderungsgrund für die weitere Verbreitung von OSS in der Schweiz sei das sogenannte Vendor-Lock-in: Wer beispielsweise den Weg in die Cloud von AWS oder Microsoft geht, kommt nicht so leicht wieder zurück. Dasselbe gilt auch für andere proprietäre IT-Systeme.

Die kompletten Studienergebnisse stehen zum Download bereit.

Übrigens: Microsoft hat kürzlich eine Open-Source-Software namens CyberBattleSim auf Github veröffentlicht. Es handelt sich um einen Cyberangriffs-Simulator, der dabei helfen soll, automatisierte Attacken und Abwehr im Cyberraum zu studieren. Lesen Sie hier mehr dazu.

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DPF8_220724

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