Speicherchips

KI-Boom treibt Speicherpreise in die Höhe

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von Alexia Muanza und Übersetzung: Joël Orizet, nki

Der weltweite Markt für Speicherchips steuert auf ein Rekordwachstum zu und dürfte laut einer Analyse von Trendforce bis 2027 ein Volumen von 842,7 Milliarden US-Dollar erreichen. Treibende Kraft ist der KI-Boom, der den Bedarf an Speicherkapazitäten und somit die Preise explodieren lässt.

(Source: Dimitry Halavach / stock.adobe.com)
(Source: Dimitry Halavach / stock.adobe.com)

Der weltweite Speichermarkt befindet sich in einem aussergewöhnlichen Wachstumszyklus, angetrieben durch den rasanten Aufstieg der künstlichen Intelligenz. Der Markt steuert auf ein scharfes Ungleichgewicht zwischen extrem hoher Nachfrage und begrenzten Produktionskapazitäten zu. Schon für das Jahr 2026 prognostiziert Trendforce einen Marktumsatz von 551,6 Milliarden US-Dollar.

Speicher als strategische KI-Komponente

Die Weiterentwicklung von KI-Architekturen verändert die Hardware-Anforderungen grundlegend. Grössere Datenmengen und komplexere Berechnungen erfordern KI-Systeme, die auf schnellen und leistungsfähigen Speicher angewiesen sind. Besonders DRAM-Speicher ist gefragt, der viel Kapazität, eine hohe Bandbreite für schnellen Datendurchsatz und eine geringe Latenz für kurze Zugriffszeiten bietet. 

Parallel dazu werden NAND-Flash-Speicher zur Schlüsselkomponente für die grossflächige Datenspeicherung und schnelle Datentransfers. Damit wird die Speichertechnologie zu einem entscheidenden Faktor für Cloud-Anbieter.

DRAM als grösster Werttreiber

Nach einem verhaltenen Start ins Jahr 2025 kehrte die Dynamik in der zweiten Jahreshälfte um. Insbesondere nordamerikanische Cloud-Anbieter erhöhten ihre Investitionen massiv, beschleunigten den Ausbau von KI-Servern und deckten sich in grossem Stil mit Speicherchips ein.

Kombiniertes Diagramm mit Umsatzprognosen für DRAM und NAND Flash, 2023-27. Gestapelte Balken zeigen starkes Wachstum, besonders 2026. Eine Linie für das Jahreswachstum hat ihren Höhepunkt 2026 bei 134%. DRAM ist der dominierende Anteil am Wachstum.
Wachstumsprognose für Speicherchips: Vor allem der Umsatz mit DRAM soll ab 2026 explodieren, während das jährliche Wachstum seinen Höhepunkt erreicht. (Source: Trendforce)

Dabei treibt vor allem DRAM das Marktwachstum. Laut Trendforce generierte dieses Segment 2025 einen Umsatz von 165,7 Milliarden Dollar, was einem Zuwachs von 73 Prozent entspricht - weit mehr als bei NAND-Flash. 

Daraufhin konzentrieren die Hersteller ihre Investitionen auf DRAM-Technologien wie DDR5 und High-Bandwidth Memory (HBM). Dieser Boom treibt die Preise in nie gekannte Höhen, die weit über historische Zyklen hinausgehen. Der Preisdruck dürfte Anfang 2026 anhalten und könnte den Jahresumsatz für DRAM allein auf 404,3 Milliarden Dollar treiben, was einer Steigerung von 144 Prozent innert Jahresfrist entspräche.

RAG-Architekturen kurbeln NAND-Nachfrage an

Den Bedarf an NAND-Flash treibt vor allem der Aufstieg von KI-Architekturen voran, die über längere Zeiträume auf Wissen zugreifen. Diese Systeme, insbesondere solche mit Retrieval-Augmented Generation (RAG), greifen häufig auf riesige Vektordatenbanken zu. Das erhöht den Bedarf an Enterprise-SSDs mit extrem schnellen Ein- und Ausgabeoperationen (IOPS).

Trendforce rechnet für das erste Quartal 2026 mit einem Preisanstieg bei NAND-Flash von 55 bis 60 Prozent, und die Preise dürften das ganze Jahr über hoch bleiben. Das Umsatzvolumen des Segments soll 2026 die Marke von 147,3 Milliarden Dollar erreichen, was einer Steigerung von 112 Prozent gegenüber dem Vorjahr gleichkommt.

Insgesamt prognostiziert Trendforce, dass die Lieferengpässe bei Speicherchips andauern werden. Dies verleiht den Anbietern eine starke Preissetzungsmacht. Der KI-Boom beschränkt sich somit nicht mehr auf Modelle und Software, sondern definiert die Hardware-Architekturen von Grund auf neu und zementiert den Status von Speicherchips als eine der kritischsten und am schwersten ersetzbaren Komponenten in der technologischen Wertschöpfungskette.
 

Der KI-Book bringt übrigens auch den Festplattenmarkt an seine Grenzen: Hyperscaler sichern sich derzeit langfristige Kontingente und treiben damit die Preise nach oben - mehr dazu lesen Sie hier

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