Wie KI die Finanzwelt transformieren kann
Von KI-personalisierten Kundenerfahrungen bis hin zu KI-gestützten Anlagebots: Künstliche Intelligenz erobert die Finanzwelt im Sturm. Wie Banken und andere Finanzunternehmen ihre KI-Projekte produktiv nutzen können, zeigten Netzmedien Anfang Juli 2026 in einem Webinar – mit Salesforce als Sponsor.
Wie in den meisten Branchen gewinnt künstliche Intelligenz auch im Finanzwesen an Bedeutung. Viele KI-Initiativen von Banken schaffen es jedoch nicht über das Pilotprojekt hinaus. Wieso oftmals fehlende KI-Governance dafür verantwortlich ist und welche Rolle die Mitarbeitenden bei der KI-Transformation spielen, waren zentrale Themen im Netzmedien-Webinar zu KI im Finanzwesen, das am 2. Juli 2026 stattfand.
Im Hauptteil des Webinars hielten drei Experten jeweils ein kurzes Referat: Nicolas Zahn von der Elca Group, Patrick Hauf von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und Andreas Akermann von der VZ Depotbank. Anschliessend hatte Erwin Fang von Salesforce, dem Sponsor des Webinars, das Wort, bevor im Q&A-Teil die Fragen der Teilnehmenden beantwortet wurden.
KI-Projekte brauchen Governance
Nicolas Zahn, Senior Engagement Manager bei der Elca Group, sprach über AI-Governance, also wie man mit KI umgehen und sie unter Kontrolle halten soll. Das Bewältigen von künstlicher Intelligenz in einer Organisation sei wie das Erklimmen eines Berges, sagte er: "Solange es nicht allzu steil ist, geht das noch ohne Hilfsausrüstung, aber irgendwann braucht es Guardrails." Irgendwann müsse man sich an etwas festhalten und hochziehen können, und genau diese Funktion erfülle eine saubere KI-Governance.

Nicolas Zahn, Senior Engagement Manager bei der Elca Group. (Source: Screenshot / Webinar)
Es gebe eine grosse Lücke zwischen der Menge an "Proof of Concept"-Projekten (PoC) und tatsächlich produktiven Lösungen, sagte Zahn. Wenn die Governance fehle, blieben die KI-Projekte beim PoC stecken, und die Lücke sei der Beweis dafür, dass viele Unternehmen da noch Schwierigkeiten hätten. Und diese sind laut Zahn oftmals nicht technologischer Natur, sondern sie kommen von einem Mangel an klaren Verantwortlichkeiten in der Firma.

AI-Governance führt zu mehr Freiheit und Kontrolle. (Source: Screenshot / Webinar)
Deshalb sei es wichtig, dass man die relevanten Personen innerhalb der Organisation so früh wie möglich involviere. Denn AI-Governance ist ein komplexes Thema, welches das Mitdenken von verschiedenen Leuten erfordert - etwa aus dem Business-Bereich, aus der IT und aus der Rechtsabteilung, wie Zahn sagte. Zudem betonte er, man solle Governance nicht als Kostenfaktor, sondern als Investition behandeln: "Kaufen Sie sich dieses Bergseil, damit Sie den Berg wirklich erfolgreich besteigen können."
Mitarbeitende brauchen KI-Kompetenzen
Patrick Hauf ist Dozent an der ZHAW und fungiert dort unter anderem als Studienleiter des CAS AI Management & Strategy for Financial Services. Er knüpfte direkt an Zahns Aussage an und sagte, dass man bei KI-Projekten nicht weit komme, wenn die Leute aus dem Business-Bereich, der IT und der Rechtsabteilung keine KI-Kompetenzen hätten. Denn die künstliche Intelligenz selbst ersetze keine Menschen - sondern die Mitarbeitenden mit KI-Kompetenzen würden diejenigen ersetzen, denen diese Kompetenzen fehlten.

Die erfolgreichsten Banken stellen trotz KI neue Mitarbeitende an. (Source: Screenshot / Webinar)
Das zeigt sich laut Hauf auch bei den Entlassungen: Die erfolgreichsten Banken würden nicht "zugunsten von KI" Mitarbeitende entlassen, sondern hätten ihre Belegschaft im vergangenen Jahr sogar vergrössert - und zwar mit Leuten, die eben mit KI umzugehen wüssten. Als Paradebeispiele nannte Hauf JP Morgan Chase und Capital One, die beide viel in die KI-Kompetenzen ihrer Mitarbeitenden und auch in AI-Governance investiert hätten und nun das Feld anführten.

Patrick Hauf, Dozent und Studienleiter an der ZHAW. (Source: Screenshot / Webinar)
Zum Schluss betonte Hauf jedoch, dass keineswegs alle Mitarbeitenden KI-Experten sein müssten. Es reiche, wenn ein kleiner Prozentsatz sich sehr gut mit den neuen Technologien auskenne, während der Rest genügend Grundwissen habe, um mitreden zu können. So gibt es gemäss Hauf eine Entmystifizierung der KI, was wiederum eine produktive Nutzung begünstigt.
KI-Nutzung braucht Vertrauen
Andreas Akermann, Executive Director der VZ Depotbank, zeigte anhand des eigenen Unternehmens auf, wie die digitale Transformation in der Finanzbranche funktionieren kann. Trotz oder gerade wegen der neuen Technologien verändere sich eines nicht: "Vertrauen muss man hart erarbeiten", sagte er und bezog sich dabei sowohl auf die Kundschaft als auch auf die Mitarbeitenden. KI sei ein nützliches Werkzeug, das zuweilen viel Zeit spare, aber nur menschliche Interaktionen würden Vertrauen schaffen.

Andreas Akermann, Executive Director der VZ Depotbank. (Source: Screenshot / Webinar)
Zudem betonte Akermann die Wichtigkeit des lebenslangen Lernens. VZ ermuntere seine Mitarbeitenden aktiv dazu, sich neues Wissen und neue Fähigkeiten anzueignen sowie ihr kritisches Denken zu schulen - letzteres sei besonders wichtig im Umgang mit KI. Denn wenn die Belegschaft fit für die Zukunft sei, gelte das auch für das Unternehmen als Ganzes. So gelinge es VZ, ein "Digital-First-Mindset" zu haben, was schlussendlich der Effizienz, der Qualität und der Flexibilität zugutekomme.
Auch Erwin Fang, Sicherheitsarchitekt bei Salesforce Schweiz, sprach über die Wichtigkeit von Vertrauen im Zusammenhang mit KI-Anwendungen. Kunden müssten etwa den Sicherheitsanforderungen eines KI-Produktes vertrauen können - insbesondere im Finanzwesen. Deshalb habe Salesforce bei der Entwicklung seiner KI-Plattform "Agentforce" von Anfang an den Fokus auf Security gelegt. So wird "jede Sicherheits- und Compliance-Massnahme eben auch zur Laufzeit durchgesetzt", wie Fang sagte. Das sei die Basis der Vertrauensarchitektur der agentenbasierten KI-Plattform von Salesforce.
Hier geht es zur vollständigen Videoaufzeichnung des Webinars.
Der Kenncode lautet: 2+UH^a$D
Und die Slides zu den Präsentationen können Sie hier herunterladen.
Wie KI das Bankgeschäft und den Finanzplatz Schweiz als Ganzes verändert, lesen Sie im Interview mit August Benz, dem stellvertretenden CEO der Schweizerischen Bankiervereinigung und Präsident des Swiss Financial Sector Cyber Security Centre.
Securosys erweitert Azure um externes Schlüsselmanagement
Ein Partyspiel mit diplomatischem Sprengstoff
Wie KI die Finanzwelt transformieren kann
Genf verabschiedet Strategie für digitale Souveränität
Nexplore lässt Präsidium des Verwaltungsrats künftig rotieren
Bund wiederholt bei IT-Schlüsselprojekten alte Fehler
Die Ausschreibung für Best of Swiss Apps 2026 ist eröffnet
Kanton Thurgau sucht neue IT-Leitung
Wie man sich auf Reisen vor Cyberbetrug schützen kann