Kanton Tessin setzt für Übersetzungen auf Apertus
Das IT-Zentrum des Kantons Tessin lanciert zusammen mit Artificialy eine KI-Lösung für Übersetzungen in der öffentlichen Verwaltung. Die Lösung basiert auf dem souveränen Open-Source-Sprachmodell Apertus von der ETH Zürich, der EPFL und dem CSCS. Apertus kommt somit erstmals im öffentlichen Sektor zum Einsatz.
Die Mitarbeitenden der öffentlichen Verwaltung des Kantons Tessin erhalten Unterstützung beim Übersetzen: Das Kantonale Zentrum für Informationssysteme (CSI) hat ein neues maschinelles Übersetzungssystem implementiert. Das im Tessin ansässige Unternehmen Artificialy entwickelte das System, das auf dem von der ETH Zürich, der EPFL und dem Schweizerischen Nationalen Supercomputing-Zentrum (CSCS) entwickelten Open-Source-Sprachmodell Apertus basiert. Damit will der Kanton die digitale Souveränität und den Schutz von sensiblen Personendaten sicherstellen, wie es in der Mitteilung von Artificialy heisst.
Bisher erfolgte die Übersetzung über Drittanbieter, weshalb die Mitarbeitenden die Dokumente manuell anonymisieren mussten. Dies war laut Mitteilung sehr zeit- und ressourcenaufwändig.
Die neue KI-Lösung hilft nun der öffentlichen Verwaltung bei der täglichen Übersetzung in mehreren Sprachen wie Deutsch, Französisch und Italienisch sowie Rumänisch und Ukrainisch. Dabei verarbeitet das System sensible Informationen, die streng vertraulich bleiben müssen, innerhalb der Schweiz.
Das im September 2025 veröffentlichte Sprachmodell Apertus gibt es in zwei Versionen: mit 8 Milliarden sowie 70 Milliarden Parametern. Für das Projekt habe sich Artificialy laut Mitteilung für die kompaktere Version, Apertus 8B, entschieden. Um das Übersetzungssystem auf die Bedürfnisse der öffentlichen Verwaltung zu optimieren, trainierte man es gemäss Mitteilung mit linguistischen Datensätzen in allen Landessprachen. Manuell übersetzte Texte und menschliches Feedback verfeinerten das Modell zusätzlich.

Luca Gambardella, CEO und Mitgründer von Artificialy. (Source: zVg)
"Obwohl Apertus 8B das kleinere der verfügbaren Modelle ist, erwies es sich als äusserst effektiv für Übersetzungen", sagt Luca Gambardella, der seit Oktober 2025 CEO von Artificialy ist und das Unternehmen zusammen mit Marco Zaffalon gründete. "In unseren Benchmarks erzielte das Modell bereits vor der Feinabstimmung eine Punktzahl von 90 Prozent. Nach der Optimierung erreichte es 94 Prozent - ein sehr starkes Ergebnis, das unsere Technologiewahl bestätigte."
Erster Einsatz in Schweizer Verwaltung
Der Kanton Tessin ist damit die erste Schweizer öffentliche Verwaltung, die Apertus operativ einsetzt. Für Maria Grazia Giuffreda, stellvertretende Direktorin am CSCS, ist Apertus ein wichtiger Meilenstein für das Schweizer KI-Ökosystem. "Dass eine öffentliche Verwaltung das System in einer realen Anwendung einsetzt, zeigt, dass Transparenz, Ethik und technologische Souveränität zu praktischen, hochwertigen Lösungen führen können. Der Kanton Tessin ebnet den Weg für andere Institutionen, diesem Beispiel zu folgen."

Maria Grazia Giuffreda, stellvertretende Direktorin am CSCS. (Source: Alessandro Della Bella / CSCS)
100 Mitarbeitende der Kantonsverwaltung testen in einer ersten Phase das System, schreibt Artificialy weiter, um ein hohes Übersetzungsvolumen zu bewältigen. Das Feedback fliesst dann in die Weiterentwicklung zukünftiger Versionen ein.
Übrigens: Im Juni 2025 ging ERP-Anbieter Abacus eine Partnerschaft mit den Tessiner Unternehmen Artificialy und Tinext ein. Lesen Sie hier mehr dazu.
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