Wie Rechenzentren laut Green vom KI-Boom profitieren
Datacenter bilden das Fundament, auf dem KI-Services aufgebaut werden. Vor diesem Hintergrund ist anzunehmen, dass der KI-Hype das RZ-Geschäft in eine goldene Ära führen wird. Inwiefern dies zutrifft, sagt Marco Stadler, Chief Sales Officer von Green.
Inwiefern spüren Sie eine steigende Nachfrage im Geschäft mit RZ-Dienstleistungen aufgrund des KI-Booms – oder findet das Wachstum bislang grösstenteils ausserhalb der Schweiz statt?
Marco Stadler: Der KI-Boom wird die Nachfrage nach Datacenter-Kapazitäten weiter ankurbeln, aber mit Verzögerung. Das aktuelle Wachstum in der Schweiz wird primär durch Cloud und Digitalisierung getrieben. Der KI-Boom steht am Anfang: Wir sehen erste KI-Installationen in unseren Rechenzentren, vor allem für den Betrieb von bereits trainierten Modellen nahe beim User. Dieser Bedarf wird mittelfristig zunehmen und könnte bis 2033 mehr als ein Viertel des Gesamtbedarfs ausmachen. Die eigentlichen Trainings-Workloads mit hohem Energie- und Flächenbedarf finden dagegen überwiegend im Ausland statt.
Wo setzen Sie KI selbst ein und sehen bereits die erwarteten Vorteile?
Wir prüfen fortlaufend, wo der KI-Einsatz sinnvoll ist. Insbesondere im Energiemanagement, in der vorausschauenden Wartung durch prädiktive Empfehlungen, im Gebäudemanagement oder im dynamischen Management der Kälteleistung sehe ich das Potenzial für weitere Fortschritte. Zudem laufen Programme im gesamten Sales- und Service-Bereich, in denen KI bereits genutzt wird.
Welche weiteren technologischen Anpassungen waren für Sie in den vergangenen 12 Monaten am einschneidendsten?
Wir beschäftigen uns unter anderem mit höheren Leistungsdichten und neuen Kühllösungen. Im vergangenen Jahr haben wir in mehreren Projekten Flüssigkühlung ergänzend zur Luftkühlung umgesetzt und unsere Expertise ausgebaut. Parallel dazu haben wir unser Referenzdesign weiterentwickelt, um ganze Liquid-Cooling-Datacenter realisieren zu können. Auch netzwerkseitig finden Kapazitätserweiterungen statt. Neben dem höheren Bandbreitenbedarf geht es darum, noch mehr Netzwerkflexibilität zu bieten.
Wie begegnen Sie steigenden Leistungsanforderungen bei gleichzeitig wachsendem Druck in Bezug auf Nachhaltigkeit?
Messbare Effizienz ist im Datacenter zentral. Jede Senkung des Energieverbrauchs wirkt sich direkt auf Betriebskosten und Ressourceneinsatz aus. Dafür arbeiten wir mit einem klaren Set an KPIs und schaffen Transparenz über den PUE hinaus. Neben einer fundierten Entscheidungsgrundlage bauen wir auf langjährige Erfahrung und lokales Engineering, das in die Planung neuer Datacenter und die Nachrüstung bestehender Rechenzentren einfliesst. Flüssigkühlung ist ein wichtiger Ansatz, um steigende Leistungsdichten effizient zu beherrschen. Gleichzeitig denken wir Energie weiter. Wo immer es möglich ist, speisen wir Abwärme in Wärmeverbünde ein. Energie wird damit nicht nur verbraucht, sondern doppelt genutzt.
Wie nachhaltig sind die RZs in der Schweiz wirklich?
Im europäischen Vergleich sind Schweizer Rechenzentren bei Effizienz und Nachhaltigkeit gut positioniert. Der hohe Anteil erneuerbarer Energie und moderne Infrastrukturen sind klare Vorteile. Insbesondere neuere Datacenter setzen hier den Massstab. Effizienz bleibt jedoch eine Daueraufgabe. Entscheidend ist die Umsetzung im Betrieb. Dazu gehören passgenaue Kühllösungen. Beim Einsatz von Wasserkühlung arbeiten wir konsequent mit geschlossenen Kreisläufen, die Wasser im System wiederverwenden. Gleichzeitig erlaubt Flüssigkühlung höhere Temperaturen im Kreislauf, was die Effizienz steigert und die Nutzung der Abwärme verbessert. Die Zusammenarbeit zwischen Kunden, Betreibern, Energieversorgern, Hardwareherstellern und auch Standortgemeinden wird künftig noch enger. Viele Fortschritte entstehen im Zusammenspiel. Genau dort liegt der nächste Entwicklungsschritt, den wir anstreben.
Die Antworten auf diese und weitere Fragen haben:
- Lukas Hebeisen, Swisscom: "Steigende Leistungsanforderungen lassen sich nur mit effizienteren Technologien nachhaltig bewältigen."
- Patrik Hofer, NorthC: "KI hilft uns, die Kühlleistung dynamisch genau auf den Bedarf anzupassen. Ein Pilotprojekt in den Niederlanden verläuft sehr erfolgversprechend."
- Roger Semprini, Vaultica Data Centers: "Nachhaltigkeit wird nicht nur in der Schweiz, sondern in der gesamten Datacenter-Branche ernst genommen."
- Ralph Urech, Solnet/Data11: "Der Trend zu mehr Leistungsdichte geht weiter. Somit muss pro Rack auch mehr Wärme sinnvoll verwertet werden."
- Yves Zischek,Digital Realty: "Wir werden ganz neue Geschäftsmodelle erleben und unsere Rolle neu definieren müssen."
Das könnte Sie ebenfalls interessieren: In einem Webinar zeigten Netzmedien mit Experten von SDEA, SDCA und TEP Energy, wie eine nachhaltige Zukunft für Schweizer Rechenzentren aussieht. Mehr zum RZ-Webinar und auch die Videoaufzeichnung finden Sie hier.
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