Umstrittene Gründer, viele offene Fragen

Update: Dream Security liebäugelt mit Schweizer Cybersecurity-Markt

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von René Jaun und Coen Kaat und kfi, cka

2022 hat der österreichische Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz zusammen mit Shalev Hulio die IT-Sicherheits-Firma Dream Security gegründet. Hulio war früher CEO der NSO Group - dem Anbieter der Spionage-Software Pegasus. Nun will Dream Security offenbar auch in der Schweiz Fuss fassen.

(Source: Yurolaits Albert/iStockphoto)
(Source: Yurolaits Albert/iStockphoto)

Update vom 4.8.2026: Noch dürften die meisten den Namen Sebastian Kurz mit seiner Geschichte als umstrittenen österreichischen Bundeskanzler verbinden. Doch vielleicht assoziiert man ihn künftig mit dem Bild eines erfolgreichen Unternehmers - oder gar mit dem eines versierten Cybersecurity-Spezialisten?

Denn Dream Security, das Start-up, das Kurz zusammen mit dem ehemaligen Leiter des Spähsoftwareanbieters NGO Group im Herbst 2022 gründete, gibt’s noch. Und: Das Unternehmen arbeitet am Schweizer Markteintritt, wie "Bilanz" berichtet.

Demnach will Dream Security offenbar in Zürich starten, zunächst mit einem kleinen Team. Viel Konkretes lässt sich dazu nicht herausfinden. Aber: "Ich bin ein grosser Schweiz-Fan. Daher ist es natürlich schön, auch in der Schweiz tätig zu sein", zitiert das Magazin den Ex-Bundeskanzler Kurz.

Überhaupt scheint Dream Security Geheimhaltung sehr gross zu schreiben. Über konkrete Klienten schweigt sich das Unternehmen ebenso aus wie über spezifische Produkte. "Wir machen ausschliesslich defensive Angebote", sagt Kurz zu "Bilanz". Oder: "Wir sorgen etwa dafür, dass die Wasserversorgung in der Schweiz nicht gehackt wird oder das Licht ausgeht".

Auch das österreichische Newsportal "Standard" findet nicht viel mehr heraus. Es hebt aber unter anderem den Wert des Unternehmens hervor: Dream Security gehöre wohl zu den am schnellsten wachsenden Start-ups Israels, schreibt das Portal. Schon kurz nach der Lancierung sammelte Dream Security 20 Millionen US-Dollar ein. 2024 soll die Firma 130 Millionen US-Dollar Umsatz erzielt haben - ob sie auch Gewinn machte, sei nicht bekannt.

 

Originalmeldung vom 14.10.10.2022:

Umstrittener Ex-Kanzler gründet Firma mit umstrittenem Ex-CEO

Da haben sich zwei in Ungnade Gefallene gefunden: Der frühere österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz gründet eine Cybersecurity-Firma mit Shalev Hulio, dem Ex-CEO des umstrittenen Anbieters von Spionagesoftware NSO Group.

Das gemeinsame Unternehmen trägt den Namen Dream Security. In einer Finanzierungsrunde sammelte das Start-up 20 Millionen US-Dollar ein, wie die Nachrichtenagentur "Bloomberg" berichtet. Angeführt wurde die Runde vom Venture Capitalist Dovi Frances.

Die neue Firma will mit diesen Mitteln eine auf künstlicher Intelligenz basierende Lösung bauen, die Cyber-Bedrohungen überwacht und auf sie reagiert, sobald sie auftreten. "Wir entschieden uns, die nachrichtendienstliche Seite, die offensive Seite, zu verlassen und uns der defensiven Seite zuzuwenden", zitiert "Bloomberg" Hulio. Die Gründer visieren primär den europäischen Markt an. Hier seien derzeit die grössten Bedrohungen aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage.

Der ehemalige österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz. (Source: BBB_2679 / Wikimedia Commons / CC-BY-2.0.)

Spionage-Software und Korruptionsvorwürfe

Hulio war bis August 2022 CEO der israelischen NSO Group. Im Rahmen einer grösseren Reorganisation verliessen er und rund 15 Prozent der Belegschaft das Unternehmen. Im Zuge der Reorganisation nimmt die Firma auch alle ihre Geschäftsbereiche unter die Lupe, wie Sie hier nachlesen können.

Ins Scheinwerferlicht geriet die Firma aufgrund ihres Überwachungs-Trojaners Pegasus. Diese wurde in zahlreichen Fällen von Behörden genutzt, um Regierungskritiker zu bespitzeln - unter anderem in Indien, Marokko, Mexiko, Ruanda, Saudi-Arabien, Spanien, Togo und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ende 2021 beschloss der Staat Israel, den Export derartiger Technologien einzuschränken.

Sebastian Kurz war zweimal Bundeskanzler von Österreich - von Dezember 2017 bis Mai 2019 und von Januar 2020 bis Oktober 2021. Ende vergangenen Jahres musste er zurücktreten, nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet hatte. Angeblich habe er mit Steuergeldern finanzierte, manipulierte Umfragen in Medien platziert, wie das "Handelsblatt" berichtet. Kurz bestritt jegliches Fehlverhalten und bisher wurde noch keine Anklage gegen ihn erhoben. Seitdem ist er als "Global Strategist" bei Thiel Capital tätig, der Firma des ebenfalls umstrittenen Milliardärs Peter Thiel.

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