CEO Luuk van Dijk im Interview

Was sich Daedalean vom Gewinn des ersten Swiss AI Awards erhofft

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von Coen Kaat

Am 8. Oktober hat das Zürcher Start-up Daedalean den ersten Swiss AI Award gewonnen. Im Interview sagt CEO Luuk van Dijk, wie der Preis dem Jungunternehmen helfen kann, dem Traum vom autonomen Fliegen etwas näher zu kommen.

Luuk van Dijk, CEO von Daedalean. (Source: zVg)
Luuk van Dijk, CEO von Daedalean. (Source: zVg)

Was bedeutet es für Sie und Daedalean, den ersten Swiss AI Award gewonnen zu haben?

Wir freuen uns sehr über den Preis. Das Team ist natürlich auch ein wenig stolz. Immerhin ist die Konkurrenz in der Schweiz beim Thema KI gross. In dem Umfeld tummeln sich andere Jungunternehmen, Hochschulen, aber auch Grossfirmen, die das Potenzial dieser Technologie verstanden haben. Das ist auch gut so. Nun müssen wir dieses Potenzial aber auch kommerziell zum Nutzen der Gesellschaft umsetzen. Und das ist nicht nur eine Engineering-Aufgabe.

Was glauben Sie, wie haben Sie die Jury überzeugt?

Wir haben wohl bewiesen, dass wir einerseits ein praktisches Problem lösen, andererseits aber auch die anerkannten Verfahren und Tools verbessern und sicherheitskritische Anwendungen zulassbar machen können. Das ist ein intensiver Dialog mit verschiedenen Akteuren - von Flugzeugbauern über Aufsichtsbehörden bis zu Industriegremien und Wissenschaftsvertretern. Letztlich gehen wir dabei mit einer klar kommerziellen Motivation von der Theorie in die Praxis. Vieles, was wir tun, kann aber von Dritten auch unentgeltlich genutzt werden.

Was genau bietet Daedalean an? Und wie nutzen Sie dafür KI?

Die Menschheit fliegt zwar seit gut einem Jahrhundert. Aber letztlich ist das in den entscheidenden Aspekten nach wie vor eine manuelle Angelegenheit, welche einer privilegierten Minderheit vorbehalten ist. Wir wollen das Fliegen demokratisieren. Aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen ist die Regulierungs- und Prozessdichte in der Luftfahrt allerdings sehr hoch und die Innovation langsam. Eine neue Mobilität erfordert deutlich attraktivere Preismodelle, also tiefere Kosten, mehr Sicherheit und mehr Kapazität. Zum Vergleich: Ferrari alleine produziert jährlich etwa doppelt so viele Fahrzeuge wie die weltweite Luftfahrtindustrie zusammen Flugzeuge und Hubschrauber.

Was heisst das konkret?

Wir wollen die Zivilluftfahrt, die heute trotz aller Automatisierung stark auf den Menschen im Cockpit ausgerichtet ist, auf die nächste Stufe der Flugsteuerung heben. Dazu braucht es neue Systeme, die Funktionen übernehmen, welche bisher ausschliesslich durch den Menschen ausgeführt werden. Dazu gehören etwa das Vermeiden von Zusammenstössen mit Gelände oder Verkehr, das situativ sinnvolle Anpassen des Flugwegs beim Sichtflug oder in den Wolken. Für solche Systeme braucht es wiederum neue Sensoren mit neuen Algorithmen und neuen Zulassungsmethoden. Kamerasysteme, Computer Vision und neuronale Netzwerke sind dabei Kernkomponenten. Ohne diese könnten solche Funktionen weder leistungsfähig noch zuverlässig umgesetzt werden. Diese Aspekte müssen ferner mit den Vorgehensweisen einer prinzipiell sehr vorsichtig agierenden Industrie vertraut gemacht werden. Das ist anspruchsvoll und dauert. Wir selbst wären gerne etwas schneller unterwegs.

Wie viele Kunden haben Sie bereits?

Wir stehen noch am Anfang der kommerziellen Umsetzung, sind aber schon einige Kooperationen mit wichtigen Luftfahrt-Playern eingegangen. Bis wir das volle kommerzielle Potenzial unserer Arbeit ausschöpfen können, wird es wohl noch Jahre gehen. Aber die ersten Anzeichen sind schon mal gut.

Wie kamen Sie auf die Idee, den Flugverkehr zu autonomisieren?

Wir finden eigentlich selbstfliegende Autos cooler als selbstfahrende. Zudem arbeiten bereits viele Unternehmen an selbstfahrenden Fahrzeugen. Da kann ein einzelnes Start-up viel weniger bewegen. Wir verstehen unter autonom übrigens nicht nur die Abwesenheit eines Piloten im Cockpit, sondern auch eine weitgehende Unabhängigkeit von Dritten oder einer Infrastruktur am Boden. Nur so sind letztlich zuverlässige Flugzeuge möglich. Denn die Verbindung zum Boden kann nicht unterbruchsfrei garantiert werden. Und im Gegensatz zu einem Auto kann ein Flugzeug nicht einfach abbremsen, um innert Sekunden eine sichere Ruheposition zu erreichen. Abgesehen von dem – und von der Regulierungsintensität – ist das autonome Fliegen jedoch einfacher als das autonome Fahren. Dort herrscht derzeit ja etwas Ernüchterung darüber, was in naher Zukunft tatsächlich möglich ist.

Haben Sie bereits Rückmeldungen bezüglich des Awards erhalten?

Wir haben viele Gratulationen erhalten und auch einige neue Kontakte mit interessierten Parteien haben sich bereits ergeben. Die Kunden sind letztlich am Funktionsumfang und an der Qualität unserer Produkte interessiert und nicht an der Technologie. Der Award macht uns auch als Arbeitgeber attraktiver. Das ist für uns von besonderer Bedeutung. Und hoffentlich hilft der Award uns auch bei der laufenden Suche nach Investoren.

Wie geht die Reise mit Daedalean nun nach dem Award weiter?

Wir sind derzeit dabei, Kapital zu beschaffen, um weitere gute Mitarbeitende einzustellen. Gleichzeitig stellen wir unsere ersten Produkte fertig. In etwa einem Jahr sollen diese zum Umsatz beitragen. Es gibt also noch viel zu tun.

Mehr zur Preisverleihung des ersten Swiss AI Awards lesen Sie hier. Und was die Veranstalter mit dem Award erreichen wollen, lesen Sie hier im Interview mit Jury-Präsident und Mindfire-Gründer Pascal Kaufmann.

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