Editorial

Was wurde eigentlich aus Microsofts unkaputtbarem Superspeicher?

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von Coen Kaat
Coen Kaat, stellvertretender Chefredaktor. (Source: Netzmedien)
Coen Kaat, stellvertretender Chefredaktor. (Source: Netzmedien)

Es ist schon über vier Jahre her, dass Microsoft das Project Silica vorgestellt hat. Ein kostengünstiges, lang haltbares und fast unzerstörbares Speichermedium. In einem Machbarkeitsnachweis hatte das Unternehmen 2019 den kompletten Film «Superman» in einem kleinen Block aus Quarzglas gespeichert. In dieser Form sind die Daten einfach aufzubewahren und die Datenträger nur schwer zu beschädigen. Auch nachdem man den Block in einem Ofen auf 500 Grad erhitzt hatte, waren die Informationen noch immer lesbar. 

Microsoft versprach, dass es daran arbeite, das Speicherme­dium auch mit Cloud-Storage-Technologien wie Azure kompatibel zu machen. Danach wurde es aber still um den Storage, der nicht nur praktisch klingt, sondern auch ästhetisch als Dekoobjekt etwas hergibt. Bis jetzt.

Gegen Ende des vergangenen Jahres gab das Unternehmen ein Update zu seinem Quarzglas-Projekt. Demnach erhöhte Microsoft in den vergangenen Jahren die Speicherkapazität: Ein einzelner Block fasst nun mehrere Terabyte. Statt eines einzigen Films ­haben nun etwa 3500 Platz, wie das Unternehmen verspricht. ­Ausserdem sollen die Quarzglas-Speicher 10 000 Jahre überdauern können. Dieses Versprechen können die Forschenden natürlich nicht überprüfen.

Noch interessanter dürfte aber sein, dass Microsoft das Versprechen bekräftigte, die Quarzblöcke Azure-tauglich zu machen. So nutzt Project Silica etwa Azure AI, um die Daten schneller schreiben und auslesen zu können. Project-Silica-Forscher Ant Rowstron stellt sich vor, dass diese Technologie dereinst in Azure-Rechenzentren auf der ganzen Welt zum Einsatz kommt. Einen konkreten Zeitplan, wann es so weit sein soll, nennt Microsoft aber noch nicht.

Bis es so weit ist, prägen andere Trends das Storage-Geschäft – wie etwa der KI-Hype. Da diese Technologien grosse Mengen an Daten benötigen und verarbeiten, gehen die Experten im Podium davon aus, dass ein Boom im Storage-Markt bevorsteht. Noch dauert es allerdings etwas, wie der Marktbericht zeigt. Stattdessen bestimmen Themen wie Cyberbedrohungen und Datenschutz das Storage-Business. Hoffentlich lässt dieser KI-Boom aber nicht so lange auf sich warten wie die Azure-Rechenzentren aus Quarzglas.

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