ICT-Reseller-Index

Software wird zum Sorgenkind

Uhr | Aktualisiert
von Coen Kaat

Im Monat Juli hat sich der ICT-Reseller-Index an die Werte vom Vorjahr angenähert. Nach den Turbulenzen zum Jahresanfang findet der Markt allmählich seinen Takt wieder. Das Softwaregeschäft verlor jedoch deutlich an Umsatz.

Das Reseller-Geschäft hat sich beruhigt. Nachdem die Aufhebung des Euro-Mindestkurses Anfang Jahr den ICT-Reseller-Index in den Keller gezogen hatte, findet er langsam wieder zu seiner alten Form zurück, wie Proseller mitteilt. Mit 86 Punkten liegt er nur noch knapp hinter dem Vorjahreswert von 88 zurück.

"Diese Annäherung des Indexverlaufes an die Vorjahreswerte lässt vermuten, dass sich bei gewöhnlichem Geschäftsverlauf auch die Folgemonate nun eher normal zyklisch in der Saisonalität entwickeln sollten", sagt Thomas Czekala, Verwaltungsrat bei Proseller und Verfasser der Studie, auf Anfrage. Für einem Sommerloch gebe es keine Anzeichen.

Der Umsatz für das erste Halbjahr lag 9 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Trend zeigt hinauf. Letzten Monat lag der Umsatz für die ersten fünf Monate des Jahres noch 10 Prozent unter dem Vergleichswert von 2014.

Gemäss der Mitteilung wird die Sortimentsverschiebung bei den Resellern zunehmend deutlicher. So nehmen Peripherie, Zubehör und Netzwerkartikel zu. Im Monat Juli beträgt der Umsatzanteil dieser Sparten zusammen etwa 40 Prozent des gesamten Kuchens.

Software rutscht unter den Marktdurchschnitt

Zu den Sorgenkindern Computer und Storage, die auch schon in den Vormonaten deutlich an Umsatz einbüssten, gesellt sich nun die Software. Der Bereich verlor ebenfalls schon in den Vormonaten an Umsatz. Mit einem Minus von 10 Prozent rutschte Software nun aber unter den Marktdurchschnitt von minus 9 Prozent.

Das Software-Geschäft kränkelt offenbar an mehreren Stellen. Czekala spricht von einem Paradigmenwechsel in verschiedenen Dimensionen. "ICT-Reseller, die früher Software günstig angeboten haben und dann mit dem Verkauf von Hardware im Anschluss punkten konnten, müssen umdenken", sagt Czekala. "Dies gilt auch für Windows 10."

Der Grund liegt laut Czekala darin, dass die Anforderungen an die Hardware nicht mehr so stark steigen mit neuer Software. So würden in der Regel auch alte Systeme ausreichen, um neue Software-Produkte auszuführen. Die gegenseitige Ankurbelung der Verkaufszahlen versickert.

Entwickler setzen auf Direktvertrieb

Software-Hersteller setzen zudem zunehmend auf den Direktvertrieb, wie Proseller schreibt. Updates und auch neue Releases werden oft selbstständig von den Entwicklern über die Software abgewickelt. "Der Hersteller ist damit bereits bei Bestandskunden im direkten Dialog", sagt Czekala. "Dadurch ist es nur noch ein kleiner Schritt, den Verkauf mehr oder weniger direkt abzuwickeln."

Ferner sieht Czekala an verschiedenen Stellen Anzeichen einer Sättigung von Software und Anwendungen. "Es wird zunehmend schwerer zu erklären, mit welchen Zusatznutzen eine neue Software den damit verbundenen Installations- und Umstellungsaufwand rechtfertigt", sagt er.

Der Index weist die Reseller auch auf einen Lichtblick hin: ein gutes Wachstum in der Beratung. "Viele Anwender müssen die erwähnten Herausforderungen stemmen, was mit erfahrenen ICT-Beratern deutlich erfolgreicher erfolgen kann", sagt Czekala.

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