Editorial

Green Tech kann auch mal grünblau sein

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von Coen Kaat
Coen Kaat, stv. Chefredaktor IT-Markt. (Source: Netzmedien)
Coen Kaat, stv. Chefredaktor IT-Markt. (Source: Netzmedien)

Die Serverräume und Rechenzentren der Schweiz verbrauchen jedes Jahr rund 2'100 Gigawattstunden Strom. Dies ist vergleichbar mit dem jährlichen Stromverbrauch von rund 450'000 Haushalten, wie es in einer aktuellen Studie des Bundesamts für Energie heisst. Global liegt der Verbrauch bereits jenseits von 205 Terawattstunden. Also 45 Millionen Haushalte oder rund 1 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs. Unter anderem aufgrund dieses hohen Stromverbrauchs sollen Rechenzentren bis 2025 für 3,2 Prozent der weltweiten Emissionen von Treib­hausgasen verantwortlich sein: insgesamt 1,9 Gigatonnen.

Bei Zahlen wie diesen kommt natürlich auch die Frage der Nachhaltigkeit auf. Sind Rechenzentren zwangsläufig eine Belastung für die Umwelt? Mitnichten. Es gibt beispielsweise schon zahlreiche Projekte, bei denen die Abwärme aus einem RZ zum Heizen umliegender Gebäude genutzt wird. So ist sie nicht bloss ein durch Strom erzeugtes Abfallprodukt, das einfach verpufft, sondern eine sinnvolle Ressource. Wie etwa die Genossenschaft Elektra Baselland die Abwärme aus einem ­Interxion-RZ nutzt, lesen Sie hier.

Mein Lieblingsprojekt dieser Art steht jedoch in der nordfriesischen Gemeinde Enge-Sande. Ende August nahm der Cloudhoster Windcloud dort einen Erweiterungsbau seiner ­RZ-Anlage in Betrieb. Dieser beheimatet 24 Racks, die eine ­IT-Leistung von 60 Kilowatt erzeugen sollen. Seine Energie bezieht das RZ zu etwa 98 Prozent aus der in der Region in ­hohem Masse vorhandenen Windenergie. Und im RZ selbst wachsen Algen. Die im Betrieb entstehende Abwärme wird nämlich direkt in eine Spirulina-Algenfarm gespeist. Die grünblauen Algen sind ein beliebtes Naturprodukt, das als Nahrungsmittelergänzung etwa in Vitamin-Shots oder auch in ­Katzenfutter genutzt wird. Die Algen haben aber auch einen weiteren Trick auf Lager: Sie absorbieren CO2. Die Anlage in Enge-Sande ist noch ein Pilotprojekt, um den Umfang dieses Abbaus zu testen. Aber Windcloud plant bereits die nächsten Schritte. Und was Schweizer Anbieter im Bereich Nachhaltigkeit unternehmen, lesen Sie im Podium.

Ich wünsche viel Vergnügen bei der Lektüre der aktuellen Ausgabe des "IT-Markt".

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