Deloitte-Studie für Kanton Zürich

Das taugen KI und Digitalisierung als Mittel gegen den Wohlstandsverlust

Uhr
von René Jaun und dwi

Um den heutigen Wohlstand auch im demografischen Wandel zu sichern, braucht es nicht nur mehr Arbeitskräfte, sondern auch höhere Arbeitsleistung. In einer Studie präsentieren der Kanton Zürich und Deloitte KI als Hoffnungsträger, räumen aber auch Risiken ein.

(Source: InfiniteFlow / stock.adobe.com)
(Source: InfiniteFlow / stock.adobe.com)

Die Bevölkerung in Europa wird immer älter, die Geburtenrate sinkt - und dieser demografische Wandel gefährdet das gewohnte Wohlstandswachstum. Digitale Technologien – allen voran künstliche Intelligenz (KI) bergen Potenzial, zumindest einen Teil der drohenden Lücke im Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu schliessen. Zu dieser Erkenntnis kommen das Amt für Wirtschaft des Kantons Zürich und das Beratungsunternehmen Deloitte. In einer gemeinsamen Studie rechneten sie aus, wie sich der demografische Wandel auf Zürich auswirken könnte und welche Hebel gegen den drohenden Wohlstandsverlust eingesetzt werden sollten.

Laut Studie könnte im Jahr 2050 das Wachstumsdefizit im Kanton Zürich im Vergleich zu heute fast 50 Milliarden Franken betragen. Das entspricht einer um rund einen Fünftel geringeren Wirtschaftsleistung. Bis 2050 könnte sich die BIP-Lücke auf rund 600 Milliarden Franken summieren, wie der Kanton zusammenfasst. Auf dem Arbeitsmarkt könnten Zürich bis dann bis zu 300'000 Arbeitskräfte fehlen, während die Finanzierungslast für Renten, Gesundheit und Pflege zunimmt.

Drei mögliche Hebel präsentieren die Studienautoren, um gegen den drohenden Wohlstandsverlust vorzugehen: Eine Erhöhung der Arbeitsintensität, eine Verjüngung der Altersstruktur und eine Steigerung der Produktivität. Letzteres könnte laut der Studie "dank Digitalisierung und KI" erreicht werden.

KI-Hoffnung für Zürich

Die Studie konkretisiert die drei Hebel anhand von 10 Massnahmen. Jede Massnahme beurteilen die Autoren anhand ihrer Kosten und Wirksamkeit. "Mittlere bis hohe Wirksamkeit" (bei "mittleren bis hohen Kosten") versprechen sie sich demnach von der Massnahme, künstliche Intelligenz in Privatwirtschaft und Verwaltung zu implementieren. Eine gleich hohe Wirksamkeit attestieren sie daneben nur noch der Idee, das Rentenalter zu erhöhen – hier gehen sie jedoch von "mittleren Kosten" aus.

Geringe Kosten und mittlere Wirksamkeit sehen die Autoren bei der Massnahme, künstliche Intelligenz mit staatlichen Rahmenbedingungen voranzutreiben. Den Vorschlag, die technische Transformation bei KMUs zu stärken, bewerten sie mit mittleren Kosten und mittlerer Wirksamkeit.

Bezüglich KI räumt die Studie ein, dass die Schätzungen der Produktivitätsgewinne der neuen Technologie stark variierten. Doch der Kanton Zürich sei mit seiner dienstleistungsorientierten Wirtschaft gut positioniert, um signifikante Effizienzgewinne zu erzielen. Die OECD prognostiziere eine Steigerung des Produktivitätswachstums durch KI von 0,5 bis 0,9 Prozentpunkte für die nächsten 10 Jahre. Schlanke staatliche Rahmenbedingungen sowie eine schnelle Implementierung von KI in den Unternehmen würden die Arbeitsproduktivität am meisten verbessern und helfen, die drohende Wohlstandslücke zu schliessen.

Der Mix macht's

Nur auf eine Massnahme oder einen Hebel zu setzen, dürfte aber das Wohlstandsproblem Zürichs nicht lösen. Würde man etwa nur den Hebel zur Produktivitätssteigerung einsetzen, müsste die Arbeitsproduktivität viermal stärker wachsen als es in den letzten 25 Jahren der Fall war. Insgesamt, fasst der Kanton zusammen, sei eine Kombination verschiedener Massnahmen sowie eine engere Zusammenarbeit von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft nötig.

Künstliche Intelligenz kommt übrigens nicht nur als Massnahme zur Produktivitätssteigerung in der Studie vor. Die in der Untersuchung zitierten Expertenpersonen nennen die Technologie auch in Zusammenhang mit dem Hebel "Erhöhung der Arbeitsintensität" und der dort vorgeschlagenen Massnahme "Zero-Gap Recruiting hinterfragen". Dabei geht es darum, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten für eine Stelle anhand ihrer Kompetenzen zu suchen anstatt ihres kompletten Lebenslaufs. Technisch gefördert werden könne dies durch eine Anpassung der Bewerbermanagementsysteme. Sie sollten unkonventionelle Lebensläufe nicht länger aussortieren. Und KI könne dabei unterstützen, "den Rekrutierungsprozess objektiver zu gestalten und sicherzustellen, dass Kandidatinnen und Kandidaten mit übertragbaren Fähigkeiten und Potenzial erkannt werden."

Die vollständige Studie finden Sie auf der Website des Kantons Zürich.

 

Lesen Sie auch: Cyberrisiken bleiben laut dem Allianz Risikobarometer 2026 das fünfte Jahr in Folge die grösste Bedrohung für Unternehmen. Die künstliche Intelligenz verzeichnet jedoch den stärksten Anstieg und belegt nun Platz 2 der Top-Risiken.

Webcode
aQwEjxv6