Cybersecurity Summit

ISE 2026: Deshalb sollte die AV-Branche IT-Sicherheit stärker fokussieren

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von Coen Kaat

Die Digital-Signage- und Pro-AV-Messe ISE in Barcelona hat erstmals einen Cybersecurity Summit veranstaltet. An der Konferenz erklärte ein ehemaliger Scotland-Yard-Detektiv, wo Schwachstellen in AV-Projekten entstehen und wie mit diesen umzugehen ist.

Pere Ferrer Sastre, Sicherheitsberater und Moderator des Cybersecurity Summit an der ISE. (Source: Netzmedien)
Pere Ferrer Sastre, Sicherheitsberater und Moderator des Cybersecurity Summit an der ISE. (Source: Netzmedien)

Eine der grösseren Neuerungen der diesjährigen ISE ist die Lancierung des  Cybersecurity Summit. Die neue Konferenz im Rahmen der Leitmesse für Pro-AV und Digital Signage ist eine Antwort auf die zunehmenden Herausforderungen im Bereich IT-Security. Dies sei ein "sehr wichtiges, aktuelles und notwendiges Gespräch für die AV-Branche", sagte Pere Ferrer Sastre, Sicherheitsberater und ehemaliger Generaldirektor der Polizei für die Regierung von Katalonien, zu Beginn der zweisprachigen Konferenz (die Präsentationen waren teilweise auf Englisch und teilweise auf Spanisch). 

"Unsere Aufgabe heute besteht darin, über die Theorie hinauszugehen und stattdessen die praktischen Herausforderungen zu untersuchen, denen Unternehmen bei der Entwicklung und Verwaltung zunehmend vernetzter Installationen gegenüberstehen", sagte Sastre. "Wie können wir resilienter operieren? Und wie reagieren wir, wenn Vorfälle auftreten?", zählte er ein paar der Fragen auf, welche die ISE mit dieser Konferenz adressieren wollte. 

Weshalb die AV-Branche Cybersecurity ernst nehmen sollte

Weshalb Security auch für die AV-Branche wichtig ist, brachte die erste Präsentation der halbtägigen Konferenz auf den Punkt. Diese hielt Shaun Reardon, Principal Cybersecurity Consultant bei DNV Cyber. Der ehemalige Detektiv bei Scotland Yard ist nach eigenen Angaben auch der Grund, weshalb man heutzutage auf Flugzeugen nur eine begrenzte Menge an Flüssigkeiten mitnehmen darf.  

Shaun Reardon, Principal Cybersecurity Consultant bei DNV Cyber. (Source: Netzmedien)

Shaun Reardon, Principal Cybersecurity Consultant bei DNV Cyber. (Source: Netzmedien)

Eine klare Schnittstelle zwischen Pro-AV und IT-Security seien Control-Room-Lösungen. Diese sind mit zahlreichen AV-Geräten ausgestattet - am auffälligsten sind jeweils die grossformatigen Displays, die den aktuellen Status der zu überwachenden Objekte zeigen. "Wer in einem Control Room sitzt, muss wissen, was vor sich geht", erklärte Reardon. "Und vor allem müssen sie darauf vertrauen können, dass das, was sie sehen, auch der Wahrheit entspricht." Displays seien im Gegensatz zu früher keine passiven Geräte mehr. "Insbesondere seitdem AV über das Internetprotokoll (AVoIP) läuft, sind viele mehr Sicherheitslücken und eine grössere Angriffsfläche entstanden."

Der wohl beste Grund, wieso sich AV-Integratoren und -Anweder - und zwar auf der Chefetage - mit IT-Security beschäftigen sollten, nannte Reardon schon zu Beginn seiner Präsentation: Cybersecurity sei nicht bloss ein IT-Thema, denn "es ist Ihr Unternehmen, das auf dem Spiel steht". Cybersecurity sei daher keine eigenständige Disziplin mehr, sondern schlicht und einfach ein Geschäftsrisiko, das es zu adressieren gilt. 

Eine Zertifizierung allein schützt noch nicht

Bei der Umsetzung sollten Unternehmen vor allem eines beachten gemäss dem Sicherheitsberater: "Conformity is not security". Alle bestehenden Standards legen Mindestanforderungen fest. Diese seien zwar effektiv, aber verleiten auch zu einer "Tick-Box-Mentalität", bei der der Fokus nur aufs Abhaken von Punkten einer Liste liegt. Hat man eine Zertifizierung erreicht, ist die Sache erledigt. Diese Haltung gilt es laut Reardon zu vermeiden, denn Cybersecurity ist ein kontinuierlicher Prozess.

Integratoren empfahl er zudem einen holistischen Ansatz. Integratoren verschmelzen Produkte verschiedener Hersteller zu einer Gesamtlösung; an den Schnittstellen zwischen diesen Produkten entstehen die Schwachstellen in der Gesamtlösung. Hier sei es wichtig, sich nicht einfach auf die Versprechen der Hersteller zu verlassen, sondern selbst zu prüfen, ob die Installation sicher ist. Dies könnte auch ein klarer Wettbewerbsvorteil für Integratoren sein. 

Mathieu Dobbeleir (links), VP Product & Solutions, und Andrew Dowsett, Territory Sales Manager bei Barco. (Source: Netzmedien)

Mathieu Dobbeleir (links), VP Product & Solutions, und Andrew Dowsett, Territory Sales Manager bei Barco. (Source: Netzmedien)

Die weiteren Programmpunkte umfassten eine Präsentation von Andrew Dowsett, Territory Sales Manager, und Mathieu Dobbeleir, VP Product & Solutions bei Barco, dem Sponsor der Konferenz. Sie sprachen zunächst über die Vergangenheit des 1934 in Belgien gegründeten Unternehmens und zeigten anschliessend, wie Barco-Produkte Control-Room-Umgebungen absichern können. 

Pedro Pablo, General Manager von TRC, zeigte auf, wie man AVoIP absichern kann, und sprach dabei auch über KI. Und in der abschliessenden Keynote gab Roman Vargas, Cybersecurity Specialist bei Cisco, einen Überblick über die Herausforderungen und Trends rund um Cybersecurity in der AV-Branche. 

 

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