So verändert KI laut Bexio den Geschäftsalltag
Der Schweizer Markt für Business-Software entwickelt sich stetig weiter. Künstliche Intelligenz wird dabei zunehmend tiefer in Geschäftsprozesse integriert. Inwiefern die Technologie den Arbeitsalltag prägt, sagt Claudio Beltrametti, CPO von Bexio.
Wie hat sich der Schweizer Markt für Business-Software im vergangenen Jahr entwickelt?
Claudio Beltrametti: Die Schweizer KMU-Landschaft zeigt sich aktuell zweigeteilt. Einerseits verzeichneten die Neugründungen 2025 ein Rekordhoch. Diese jungen Firmen setzen von Beginn an auf digitale Werkzeuge, um ineffiziente Abläufe gar nicht erst entstehen zu lassen. Andererseits stiegen die Firmenkonkurse im selben Zeitraum um über 30 Prozent auf rund 15 000 Fälle an. In diesem volatilen Umfeld wandelt sich Business-Software zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Automatisierte Prozesse und fundierte Auswertungen der Finanzen bieten die nötige Transparenz, damit Unternehmer wirtschaftliche Risiken frühzeitig erkennen können.
Wie viel KI steckt bereits in Ihrer Business-Software?
Künstliche Intelligenz ist bei Bexio kein Selbstzweck, sondern ein Schlüssel zur Steigerung des Kundennutzens. Seit 2023 setzen wir KI produktiv für die automatisierte Auslesung von Belegdaten ein. Mit der Übernahme von Kontera Ende 2025 haben wir diese Kompetenz strategisch ausgebaut. Durch die tiefe Integration der KI-basierten Kontera-Lösung werden wir das Rechnungswesen spürbar effizienter gestalten und den manuellen Arbeitsaufwand für unsere Kunden weiter reduzieren. Darüber hinaus implementieren wir derzeit weitere KI-Anwendungen, die 2026 schrittweise erscheinen werden.
Wie gross ist die tatsächliche Effizienzsteigerung durch KI im Geschäftsalltag?
Der grösste Hebel liegt in der Automatisierung repetitiver Aufgaben. Ein gemeinsam mit Kontera entwickelter KI-Agent ermöglicht die vollautomatische Verbuchung von Rechnungen und Belegen, basierend auf dem Schweizer Kontenplan. "Beleg rein, Buchung raus": Nach diesem einfachen Prinzip befreit Bexio Unternehmen von administrativer Fleissarbeit. Damit sparen unsere Kunden wertvolle Zeit für ihr Kerngeschäft und vermeiden gleichzeitig mühsame Erfassungsfehler.
Welche (weiteren) Vorteile erwarten Sie von KI-gestützter Business-Software?
KI fungiert zunehmend als Analyseinstrument für fundierte Entscheidungen, indem sie präzise Prognosen ermöglicht und Trends schneller sichtbar macht. Während die Technologie wertvolle Datengrundlagen liefert, bleibt die strategische Weitsicht und die endgültige Verantwortung eine menschliche Kernkompetenz. Gerade in der Treuhandbranche sehen wir dadurch eine grosse Chance: Sie wird sich weg vom repetitiven Verbuchen hin zum Finanzberater der KMUs entwickeln – eine Rolle, die Bexio als "digitalen CFO" bezeichnet.
Wie können IT-Dienstleister Unternehmen bei der Nutzung/Einführung von KI bei Business-Software unterstützen?
Bexio bietet eine offene Architektur und entsprechende Schnittstellen. Damit haben IT-Dienstleister die Möglichkeit, spezialisierte KI-Lösungen direkt auf dem Bexio-Marketplace anzubieten. Dies eröffnet ihnen die Chance, Schweizer KMUs mit spezifischen Lösungen zu unterstützen und deren Geschäftsprozesse durch passgenaue Erweiterungen noch effektiver zu automatisieren.
Die Antworten der weiteren Teilnehmenden des Podiums:
- Stefan Inderbitzin, Proalpha: "Der Schlüssel ist, auf bewährte Lösungen zu setzen, statt alles selbst zu entwickeln."
- Gregroy Leproux, Salesforce: "KI-gestützte Software entwickelt sich vom Datensystem zum Handlungssystem."
- Jens Löhmar, Workday: "Wenn KI zunehmend Standardaufgaben übernimmt, werden Kapazitäten für strategische Aufgaben und individuelle Weiterentwicklung frei."
- Dino Minichiello, Servicenow: "Effizienz entsteht dann, wenn KI tief in die Geschäftsprozesse integriert wird."
- Jean Marc Pfammatter, Oracle: "Der entscheidende Punkt ist, dass jeder Agent durch konkrete KPIs gerechtfertigt sein muss."
- Christian Reiter, Opacc: "Durch KI-gestützte Business-Software erhalten wir mehr zentral verfügbare Daten für bessere Entscheidungen in Echtzeit."
- Alexander Trautmann, Sage: "KI-Agenten werden künftig eigenständig Prozesse steuern und so die Wettbewerbsfähigkeit weiter stärken."
- Alexander Vegh, Abacus: "Ausser der Effizienz verbessert KI auch die Qualität von Entscheidungen."
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