Wie Rechenzentren laut Digital Realty vom KI-Boom profitieren
Datacenter bilden das Fundament, auf dem KI-Services aufgebaut werden. Vor diesem Hintergrund ist anzunehmen, dass der KI-Hype das RZ-Geschäft in eine goldene Ära führen wird. Inwiefern dies zutrifft, sagt Yves Zischek, Managing Director Schweiz und Österreich bei Digital Realty.
Inwiefern spüren Sie eine steigende Nachfrage im Geschäft mit RZ-Dienstleistungen aufgrund des KI-Booms – oder findet das Wachstum bislang grösstenteils ausserhalb der Schweiz statt?
Yves Zischek: Wir sehen aktuell zwei Trends: die steigende Nachfrage grosser internationaler Enterprise-Kunden nach High-Density-Deployments über 500 Kilowatt mit Zugang zu Chips, sowie dass kleinere Firmen aufgrund der Knappheit von Chips eher zurückhaltend sind, was die Erneuerung der eigenen Hardware anbelangt. Zudem stellen wir Substituierungseffekte fest: Zwar steigt der Verbrauch bei kleineren Deployments an, gleichzeitig wird aber andere Software – etwa Workflow-Tools – ersetzt. Dank dieser Effizienzgewinne bleibt der Verbrauch unserer Kunden insgesamt stabil.
Wo setzen Sie KI selbst ein und sehen bereits die erwarteten Vorteile?
Zum Schutz unserer Daten arbeiten wir mit einem klar definierten Framework. Im administrativen Bereich setzen wir auf ein Standard-Tool. Insbesondere Auswertungen und Kundenanfragen können wir dank der KI effizienter und zielgerichteter bearbeiten. Zudem haben wir ein eigenes Tool entwickelt und trainiert. Dieses rollen wir derzeit in verschiedene Bereiche aus. Hier stehen wir aber erst am Anfang der Möglichkeiten, die sich etwa auch für Predictive Maintenance ergeben werden.
Welche weiteren technologischen Anpassungen waren für Sie in den vergangenen 12 Monaten am einschneidendsten?
Das Zitat "KI wird nicht die Menschen ersetzen, sondern Menschen, die KI nicht nutzen können" zeigt, dass wir uns immer wieder bewusst werden müssen, dass Daten von Menschen erzeugt werden und KI unseren Kunden oder unseren Mitarbeitenden dienen sollte. Tut sie das nicht, kann es sein, dass man nicht auf die richtige KI setzt. Hier können wir noch viel lernen. Das Einschneidendste steht uns noch bevor. Wir werden ganz neue Geschäftsmodelle erleben und unsere Rolle neu definieren müssen.
Wie begegnen Sie steigenden Leistungsanforderungen bei gleichzeitig wachsendem Druck in Bezug auf Nachhaltigkeit?
Nachhaltigkeit darf nicht als "notwendiges Übel" betrachtet werden, sondern wir müssen sie als Businessmodell ansehen. Digital Realty hat den ersten zertifizierten Gold-Campus der Schweiz sowie das erste Platinum-Plus-zertifizierte RZ, wodurch unsere Kunden von günstigeren Strompreisen profitieren. Zudem haben wir unseren Campus in den letzten Jahren nachhaltig modernisiert und die von uns produzierte Wärme soll in das Abwärmenetz der Region Opfikon/Glattbrugg fliessen, das von unserem Partner, der Energie Opfikon, gebaut wird.
Wie nachhaltig sind die RZs in der Schweiz wirklich?
Aktuell sind (noch) keine Daten dazu veröffentlicht, aber Gespräche mit der Swiss Datacenter Association zeigen, dass die Nachhaltigkeit alle RZ-Betreiber antreibt. Verglichen mit dem Ausland steht die Schweiz im Gesamt-PUE deutlich vor den Nachbarländern und ist auf gutem Kurs. Die Schweiz hat früh gelernt, dass wir selbst nur sehr limitierte natürliche Ressourcen haben und mit diesen sorgsam umgehen müssen.
Die Antworten der weiteren Teilnehmenden des Podiums:
- Lukas Hebeisen, Swisscom: "Steigende Leistungsanforderungen lassen sich nur mit effizienteren Technologien nachhaltig bewältigen."
- Patrik Hofer, NorthC: "KI hilft uns, die Kühlleistung dynamisch genau auf den Bedarf anzupassen. Ein Pilotprojekt in den Niederlanden verläuft sehr erfolgversprechend."
- Roger Semprini, Vaultica Data Centers: "Nachhaltigkeit wird nicht nur in der Schweiz, sondern in der gesamten Datacenter-Branche ernst genommen."
- Marco Stadler, Green: "Die eigentlichen Trainings-Workloads mit hohem Energie- und Flächenbedarf finden überwiegend im Ausland statt."
- Ralph Urech, Solnet/Data11: "Der Trend zu mehr Leistungsdichte geht weiter. Somit muss pro Rack auch mehr Wärme sinnvoll verwertet werden."
Das könnte Sie ebenfalls interessieren: In einem Webinar zeigten Netzmedien mit Experten von SDEA, SDCA und TEP Energy, wie eine nachhaltige Zukunft für Schweizer Rechenzentren aussieht. Mehr zum RZ-Webinar und auch die Videoaufzeichnung finden Sie hier.
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