Wie Managed Services gemäss Netcloud Differenzierung schaffen
Managed Services wandeln sich immer mehr von einer cleveren Alternative zur alltäglichen Standardlösung. Wie IT-Dienstleister verhindern, dass ihre Services austauschbar werden, sagt Urs Geiser, Senior Product Manager bei Netcloud.
Wie müssen sich Reseller aufstellen, um im Geschäft mit Managed Services langfristig profitabel sein zu können?
Urs Geiser: Langfristig erfolgreich sind Anbieter, wenn sie ihre Services am Kundennutzen ausrichten und effizient erbringen. Automatisierte Abläufe, klare Kostenmodelle und standardisierte Bausteine sichern Qualität und Skalierbarkeit. Zugleich braucht es Flexibilität, persönliche Betreuung und Kundennähe. Plattformübergreifende Beratung verbindet diese Elemente zu verlässlichen Leistungen.
Welche Managed Services werden in den kommenden drei Jahren besonders an Bedeutung gewinnen – und warum?
An Bedeutung gewinnen Cybersecurity, Cloud Governance, künstliche Intelligenz, Kubernetes sowie der Betrieb von Plattformen und Infrastruktur. Treiber ist die Komplexität hybrider Umgebungen. Vielen Unternehmen fehlen Fachkräfte; bestehende Teams skalieren nur begrenzt. Gefragt sind Partner, die Risiken bewerten, Optionen aufzeigen und Betriebsverantwortung übernehmen.
Welche Managed Services verlieren hingegen an Bedeutung, weil Unternehmen diese Dienste lieber selbst betreiben – etwa On-Premises?
An Gewicht verlieren isolierte Angebote für Einzelkomponenten und Betriebsaufgaben ohne Mehrwert. Herstellerplattformen automatisieren solche Tätigkeiten. On-Premises bleibt in regulierten oder geschäftskritischen Bereichen relevant. Entscheidend ist weniger der Standort als der Mehrwert durch Fachwissen, Automation, Sicherheit, Governance und verlässlichen Betrieb.
Wie können IT-Dienstleister verhindern, dass ihre Services zur austauschbaren Commodity werden?
Austauschbarkeit vermeiden Anbieter, indem sie Services am Geschäftsnutzen ausrichten. Profil entsteht durch Branchenwissen, Beratung, eigene Automation, nachweisbare Servicequalität und Technologieintegration. Kunden kaufen nicht nur Betrieb, sondern Orientierung, geringere Risiken und messbare Resultate. Reine Infrastrukturangebote geraten rasch unter Preis- und Margendruck.
Wie wird sich das Zusammenspiel zwischen Herstellern, Distis und Resellern im Cloud- und XaaS-Ökosystem in den nächsten Jahren verändern?
Die Rollen werden sich stärker überlagern. Hersteller bauen direkte Cloud- und XaaS-Beziehungen aus, während Distributoren und Serviceanbieter Aufgaben bei Plattform, Abrechnung und Integration übernehmen. Reseller werden zu beratenden Serviceintegratoren. Ihre Stärke liegt darin, Herstellerlösungen zu verbinden, in Kundenumgebungen einzubinden und verlässlich zu betreiben.
Die Antworten der weiteren Teilnehmenden des Podiums:
- Claudio Addario, Bithawk: "IT-Dienstleister müssen aufhören, nur Technik und Arbeitsstunden zu verkaufen."
- Scott Frigyer, Infoguard: "Den entscheidenden Unterschied macht vernetztes Denken: das Ganze sehen, richtig interpretieren und konkret anwenden."
- Michaela Gasser, Adesso: "Im Schweizer Markt sehen wir das stärkste Wachstum bei Cloud‑ und Datenplattformen sowie FinOps und Governance."
- Ivo Gonzenbach, Baggenstos: "Differenzierung entsteht durch die Tiefe des Service-Know-hows, nicht über den Preis."
- Visho Jesudasan, Aveniq: "Servicequalität ist heute Grundvoraussetzung, kein Differenzierungsmerkmal mehr."
- Tobias Klauser, MTF: "Wir beobachten einen stärkeren Wunsch nach Kontrolle, Wahlfreiheit und offenen Technologiealternativen."
- Martin Kull, Bechtle: "Ohne Beratung und Expertise ist die Positionierung als Trusted Advisor beim Kunden schwierig."
- Gregor R. Naef, Achermann: "IT-Dienstleister verhindern die Commodity-Falle nicht durch Technologie, sondern durch Relevanz."
- Reto Pieren, Ricoh: "Um langfristig erfolgreich sein zu können, müssen IT-Dienstleister Teil der Geschäftsprozesse ihrer Kunden werden."
- Patrik Schilt, Axians: "Sobald Kunden und Managed-Service-Verträge vorhanden sind, braucht es klare KPIs."
- Marc Zimmermann, UMB: "Es braucht skalierbare Leistungen, Automatisierung, klare Verantwortlichkeiten und ein kostenoptimiertes Betriebsmodell."
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