Zwei von drei Schweizer Ransomwareopfern kämpfen mit Datenverschlüsselung
Schweizer Unternehmen sind 2026 nach Ransomwareangriffen deutlich häufiger von Datenverschlüsselung betroffen als im Vorjahr. Auch die Kosten für Wiederherstellung und Lösegeld sind gestiegen. Zudem berichten IT-Arbeitende von mehr Druck angesichts drohender künftiger Angriffe.
Das Cybersecurity-Unternehmen Sophos hat seinen siebten jährlichen "State of Ransomware Report" veröffentlicht. Dieser beruht auf einer Befragung von 2158 IT- und Cybersecurity-Führungskräften weltweit, darunter 79 aus Schweizer Unternehmen mit 100 bis 5000 Mitarbeitenden, die im vergangenen Jahr Opfer eines Ransomwareangriffs waren. Die Umfrage sei zwischen Januar und März 2026 durchgeführt worden und bezog sich auf die Erfahrungen der letzten 12 Monate, schreibt Sophos.
Mehr Angriffe mit Verschlüsselung
Bei 66 Prozent der Angriffe verschlüsselten Cyberkriminelle die Daten von Schweizer Unternehmen. Damit liegt die Schweiz über dem globalen Durchschnitt von 56 Prozent. Die Zahl übertrifft auch den Schweizer Vorjahreswert von 53 Prozent. Die häufigste technische Ursache für Angriffe waren schädliche E-Mails (29 Prozent), gefolgt von kompromittierten Anmeldedaten (24 Prozent) und ausgenutzten Schwachstellen (22 Prozent). Neu ausgewertet habe Sophos zudem den häufigsten Einstiegspunkt ohne Bezug auf E-Mails und Phishing. In 40 Prozent der Fälle missbrauchten die Cyberkriminellen offengelegte Anwendungen und Systeme, vor Benutzergeräten (30 Prozent) und Firewalls (28 Prozent).
Höchste Zahlungsbereitschaft im Ländervergleich
60 Prozent (+6 Prozentpunkte) der Schweizer Unternehmen haben das geforderte Lösegeld gemäss Report bezahlt und ihre Daten zurückerhalten. Das entspricht dem höchsten Wert Vergleich der rund 20 von Sophos untersuchten Länder. Zudem ist die durchschnittliche Lösegeldforderung von 328'748 US-Dollar im Jahr 2025 auf 1,29 Millionen US-Dollar im aktuellen Jahr gestiegen, wobei 63 Prozent (+17 Prozentpunkte) der Hacker über eine Million US-Dollar forderten.
Alle Schweizer Unternehmen mit verschlüsselten Daten konnten diese wiederherstellen, was dem globalen Durchschnitt entspricht. Bei 23 Prozent (+13 Prozentpunkte) der Angriffe mit Datenverschlüsselung seien zusätzlich auch Daten abgeflossen. 77 Prozent der Unternehmen nutzten Back-ups zur Wiederherstellung, ein Anstieg um 21 Prozentpunkten.
Höhere Kosten und mehr Belastung
Die durchschnittlichen Bereinigungskosten ohne Lösegeldzahlungen für Unternehmen nach Ransomware-Angriffen liegen bei 2.21 Millionen US-Dollar, ein Anstieg von 1,17 Millionen US-Dollar. Dazu zählen laut Sophos Ausfallzeiten, Arbeitsstunden, Geräte- und Netzwerkkosten sowie entgangene Geschäftschancen. Während rund 60 Prozent der betroffenen Schweizer Unternehmen bis zu einer Woche zur Wiederherstellung benötigten, dauerte es für 24 Prozent zwischen einem und sechs Monaten, was einen deutlichen Anstieg gegenüber den 9 Prozent aus dem Vorjahr darstellt, wie Sophos schreibt.
Auch die Belastung der IT-Teams habe zugenommen: 44 Prozent (+16 Prozentpunkte) berichteten von erhöhtem Stress wegen Ransomware, 37 Prozent von Schuldgefühlen wegen nicht gestoppter Angriffe und 13% von Anpassungen in der Teamführung.
Empfehlungen
Sophos empfiehlt Unternehmen, die Identitätssicherheit zu stärken, etwa durch "Identity Threat Detection and Response", durchgängige Multi-Faktor-Authentifizierung sowie regelmässige Kontrollen menschlicher und nicht-menschlicher Zugangsdaten.
Da Phishing und schädliche E-Mails weiterhin einen Grossteil der Angriffsursachen ausmachen, empfiehlt Sophos, moderne E-Mail-Filter, Domain Message Authentication Reporting and Conformance- (DMARC), DomainKeys Identified Mail- (DKIM) und Sender Policy Framework- (SPF) Protokolle zu implementieren. Zudem lohne es sich, in regelmässige Phishing-Awareness-Trainings und robuste Backup-Systeme und Wiederherstellungsinfrastruktur zu investieren.
Erst vor kurzem zeigten Zahlen des Cyber Threat Reports von "Check Point", dass die Anzahl Cyberangriffe im Juli dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr stark zugenommen hatten, wie Sie hier lesen.
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