Wie die Umsetzung von UX und Barrierefreiheit gelingt
Am diesjährigen Best of Swiss Apps Winner Talk haben die Gold-Gewinner "20 Minuten" und Caritas-Markt über die Entwicklung ihrer Apps gesprochen. Zudem lieferte Jury-Chairman Christof Zogg einen Input zum Einsatz von künstlicher Intelligenz in Webagenturen.
In den Räumlichkeiten von Dentsu Switzerland ist am 20. Januar 2026 der Best of Swiss Apps Winner Talk über die Bühne gegangen. Nach Begrüssungsgetränken und ersten Networking-Gesprächen hiess Giancarlo Palmisani, Leiter Verbandsdienstleistungen und Mitglied der Geschäftsleitung des Swico, zusammen mit Raphael Joss, Client Portfolio Director bei Merkle DACH, die rund 40 Gäste willkommen.
Monetarisierung kombiniert mit UX
Customer-Experience-Award-Gewinner "20 Minuten" erneuerte seine News-App anlässlich der Einstellung der Printproduktion Ende 2025, wie Dean Cavelti, CTO von "20 Minuten", erläuterte. Es war "nicht nur Redesign, sondern ein ganzes Rebranding", sagte er. Seit etwa 10 Jahren habe sich die App kaum verändert und es gab ungenutzte Features. Analysen zeigten, dass das Nutzerverhalten in der App dem auf sozialen Medien ähnelt. Die neue Mobile-App sei deshalb von diesen inspiriert.
In Bezug auf User Experience (UX) wies Cavelti auf die Dualität zwischen der Seite der Werbetreibenden und der Leserinnen und Leser hin. Die neue App soll Werbetreibende ansprechen, aber zugleich die User nicht stören. Zu diesem Zweck habe man regelmässig deren Feedback eingeholt.

Dean Cavelti ist CTO bei "20 Minuten". (Source: Netzmedien)
Eine zentrale Herausforderung bei der technischen Umsetzung der News-App bestand laut Christian Gauch, Senior Project Manager bei Unic Apps, darin, das Rebranding-Projekt im Verborgenen umzusetzen, ohne den laufenden Betrieb zu gefährden. Deshalb habe man zeitgleich an drei App-Varianten gearbeitet - an der Store-Version, der neuen Version ohne Rebranding und der neuen Version mit Rebranding. Neue Features habe man Rebranding-unabhängig entwickelt. Gauch ging auch auf das Verhältnis zwischen Monetarisierung und UX ein. Zwischen UX und Monetarisierung gebe es kein Entweder-oder. "Die allermeisten User haben Mühe mit der Art und Weise der Werbeintegration." Das Entwicklungsteam habe daher Werbung so eingebaut, dass sie nicht überraschen, unterbrechen oder übertreiben soll.

Christian Gauch ist Senior Project Manager bei Unic Apps. (Source: Netzmedien)
KI verändert Webagenturen
Christof Zogg, Mitinhaber von Best of Swiss Web und Jury-Chairman, zeigte in einem Input auf, wie sich künstliche Intelligenz (KI) von 1950 bis heute entwickelt hat - vom Turing Test über Eliza bis zur agentischen KI. Um die Dimension der Veränderungen durch KI zu veranschaulichen, zog er den Vergleich zum Übergang von der vorindustriellen Textilproduktion mit dem Spinnrad zur industriellen Webmaschine.
Er thematisierte dabei auch den Stellenverlust durch KI und führte die 40 am ehesten ersetzbaren Stellen auf - darunter Jobs wie Data Scientists, Web Developers sowie, was viele überraschen dürfte, Models. Zogg stellte denn auch einige Thesen zur Zukunft von Webagenturen auf. Eine Chance sehe er im Insourcing durch Vibe Coding: Mit KI liessen sich Entwicklungen, die man früher auslagerte, wieder vertikal integrieren. Als Kehrseite nannte er die "kreative Zerstörung" (Creative Destruction), bei der KI die Prozesse so stark vereinfacht, dass der Preisdruck auf Kreative steigt.

Christof Zogg ist Mitinhaber Best of Swiss Web und Jury-Chairman. (Source: Netzmedien)
Barrierefreiheit ist auch mit wenig Mitteln möglich
Caritas-Markt, Gewinner in der Kategorie Accessibility, hatte mit seiner App zum Ziel, eine Kommunikationsplattform für armutsbetroffene Menschen aufzubauen und so deren soziale Teilhabe stärken. "Wir sind eine Einkaufsmöglichkeit ohne Stigmatisierung", sagte Tim Murer, Geschäftsleiter der Genossenschaft Caritas-Markt. Zu den Kernanforderungen an die Entwickler von Bitforge zählte eine "einfache, barrierefreie und schnelle User Experience".

Tim Murer ist Geschäftsleiter der Genossenschaft Caritas-Markt. (Source: Netzmedien)
Maria Timonen, Head of UX bei Bitforge, skizzierte das dreistufige Vorgehen: Zuerst analysierte das Team die User- und Geschäftsbedürfnisse, konkretisierte und hinterfragte dann die Features und ging schliesslich an die Umsetzung der App.

Maria Timonen ist Head of UX bei Bitforge. (Source: Netzmedien)
Übersichtlichkeit sei eine Grundvoraussetzung für Barrierefreiheit, betonte Silio Keiser, Interaction Designer bei Bitforge: "Man muss verstehen, wie ein Navigationssystem funktioniert." Sein Fazit: Wahre Barrierefreiheit gehe über das reine Abhaken der WCAG-Standards hinaus. Vielmehr müsse man sich ständig die Frage stellen: "Kann man es noch verbessern?"

Silio Keiser ist Interaction Designer bei Bitforge. (Source: Netzmedien)
Barrierefreiheit betrachtete das Entwicklungsteam von Beginn an als integralen Bestandteil, nicht als nachträgliches Add-on. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass dies ein Kernfokus des Projekts ist, erklärte Miguel Seglias, Software Developer bei Bitforge.
Er veranschaulichte dies am Beispiel einer Bewertung mit fünf Hut-Icons: Während Sehende sofort "5 von 5" erkennen, liest ein Screenreader ohne passendes Label nur "Icon, Icon, Icon..." vor. Erst ein korrekt hinterlegtes Label übersetzt die Grafik in die verständliche Information "Schwierigkeit: 5 von 5".
Seglias' Fazit daraus: Wer Barrierefreiheit von Anfang an mitdenkt, hat kaum zusätzlichen Aufwand. Im Fall des Caritas-Markts habe dieser nur rund drei Prozent des Gesamtprojekts ausgemacht.

Miguel Seglias ist Software Developer bei Bitforge. (Source: Netzmedien)
Im Anschluss an die Winner Talks und Fragerunden lud Palmisani die Gäste zum Apéro ein.
Übrigens: Am 16. April 2026 geht in der Eventlocation "The Hall" in Dübendorf die nächste Ausgabe von Best of Swiss Web über die Bühne. Projekte kann man noch bis zum 5. Februar 2026 einreichen - mehr dazu lesen Sie hier.
Am Best of Swiss Apps Winner Talk 2024 sprachen die Gewinner über die Entwicklung von Apps für virtuelles Schweissen sowie für die Überwachung von Stromverbrauch und Energieproduktion in Echtzeit. Lesen Sie hier mehr dazu.
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