KIS-Beschaffung

Epic-Projekt nimmt trotz Kritik erste Hürde im Waadtländer Parlament

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von Alexia Muanza und Übersetzung: Joël Orizet, nki

Das Waadtländer Parlament will die Beschaffung eines neuen Klinikinformationssystems von Epic weiterberaten. Trotz Kritik an Kosten, Abhängigkeit vom US-Anbieter und Datensouveränität ist der Grosse Rat auf die Vorlage eingetreten. Für das Projekt sind über 200 Millionen Franken vorgesehen.

Das Universitätsspital Lausanne (CHUV) will gemeinsam mit elf weiteren Waadtländer Spitälern auf ein KIS von Epic umsteigen. (Source: Gzzz / ©CC0)
Das Universitätsspital Lausanne (CHUV) will gemeinsam mit elf weiteren Waadtländer Spitälern auf ein KIS von Epic umsteigen. (Source: Gzzz / ©CC0)

Das neue Klinikinformationssystem (KIS) von Epic für das Universitätsspital Lausanne (CHUV) und elf weitere Waadtländer Spitäler hat im Grossen Rat eine erste Hürde genommen. Mit 93 zu 43 Stimmen bei 5 Enthaltungen ist der Waadtländer Grosse Rat auf den ersten von vier Dekretentwürfen zum Epic-Projekt eingetreten, wie "RTS" berichtet. Damit hat das Parlament das Vorhaben noch nicht genehmigt: Laut Sitzungsprotokoll setzt es die erste Beratung zu einem späteren Zeitpunkt fort.

Epic soll das bisherige System Soarian beim CHUV und bei den elf Spitälern der Fédération des hôpitaux vaudois (FHV) ablösen. Der Hersteller stellt Support und Wartung für Soarian 2027 ein. Der Kanton bezeichnet die Nachfolgelösung als "Dossier patient informatisé" (DPI). Gemeint ist damit das intern genutzte KIS, nicht das schweizweite elektronische Patienten- beziehungsweise Gesundheitsdossier (EPD/EGD).

Ausschreibung führte zum Rechtsstreit

Die Beschaffung beschäftigt den Kanton seit 2024. Der Genfer Softwarehersteller Kheops wehrte sich gegen die Ausschreibung und zog den Streit bis vor Bundesgericht. Kheops kritisierte unter anderem Anforderungen, die aus seiner Sicht Epic bevorzugten. Das Bundesgericht wies die Beschwerden 2025 ab und machte damit den Weg für die Fortsetzung der Beschaffung frei.

Im November 2025 erteilten das CHUV und die beteiligten Waadtländer Spitäler schliesslich Epic den Zuschlag. Die Vergabe stand allerdings von Anfang an unter dem Vorbehalt, dass der Grosse Rat die nötigen Mittel bewilligt. Die inzwischen vorliegende Finanzierungsvorlage beziffert das Angebot von Epic für Lizenzen und Dienstleistungen auf 90,8 Millionen Franken.

Im Februar legte die Waadtländer Regierung dem Parlament die Finanzierung vor. Insgesamt veranschlagt sie 207,6 Millionen Franken. Davon entfallen 104,5 Millionen Franken auf einen Investitionskredit für das CHUV. Für die elf FHV-Spitäler ist eine Staatsgarantie von bis zu 53,1 Millionen Franken vorgesehen, hinzu kommen 50 Millionen Franken für das gemeinsame Projektteam und die Umsetzung.

Abhängigkeit und Datenschutz geben zu reden

Neben den Kosten sorgt vor allem die langfristige Abhängigkeit von Epic für Kritik. Mehrere Ratsmitglieder warnten vor einer finanziellen und technologischen Bindung an das US-Unternehmen über mindestens 15 Jahre.

Dabei ging es unter anderem um den US Cloud Act. Dieser kann US-Technologieunternehmen unter bestimmten Voraussetzungen dazu verpflichten, Daten an US-Behörden herauszugeben, auch wenn die Unternehmen sie ausserhalb der Vereinigten Staaten speichern. Die Befürworterinnen und Befürworter des Projekts verweisen darauf, dass die Gesundheitsdaten in der Schweiz gehostet werden sollen. Das allein schliesst einen möglichen Zugriff auf Grundlage des Cloud Act allerdings nicht aus. Zur Debatte steht ausserdem, ob sich dasselbe System für ein Universitätsspital wie das CHUV und kleinere Regionalspitäler gleichermassen eignet. 

Parlament setzt Beratung fort

Bevor der Grosse Rat endgültig über das Projekt entscheidet, muss er die laufende erste Beratung abschliessen. Ein von der zuständigen Kommission gutgeheissener Antrag sieht vor, 63 Millionen Franken aus einer Gewinnausschüttung der Schweizerischen Nationalbank für das Projekt einzusetzen. 

Auch nach einer Zustimmung des Parlaments könnte die Vorlage noch vors Stimmvolk kommen. Die Waadtländer Grünliberalen stellen laut "RTS" ein Referendum in Aussicht, sollte der Grosse Rat das Epic-Projekt endgültig gutheissen.


Übrigens: Auch am Universitätsspital Zürich sorgte die Vergabe des KIS an Epic für politischen Widerstand; weshalb der unterlegene Anbieter Cistec seine Beschwerde später zurückzog, lesen Sie hier.

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