Mobile Payment stösst an Grenzen
Jahrelang hat sich das mobile Bezahlen in der Schweiz nur in eine Richtung bewegt: steil nach oben. Nun zeigt sich eine unerwartete Trendwende. Das Wachstum stagniert, während die klassische Kreditkarte einen Aufschwung erlebt. Bargeld verliert indes weiter an Boden, wie der jüngste Swiss Payment Monitor der Universität St. Gallen und der ZHAW zeigt.
Nach Jahren starker Verschiebungen stabilisiert sich das Zahlungsverhalten in der Schweiz. Wie der jüngste Swiss Payment Monitor (PDF) zeigt, ist mobiles Bezahlen zwar weiterhin das meistgenutzte Zahlungsmittel (31,4 Prozent der Transaktionen), das bisherige lineare Wachstum kommt jedoch zum Stillstand.
Gleichzeitig ist die klassische Kreditkarte die grosse Überraschung der Erhebung. Ihr Anteil an den Transaktionen stieg deutlich auf 17,2 Prozent (+3,4 Prozentpunkte), beim Umsatz führt sie neu sogar mit einem Anteil von 35,4 Prozent (+7,8 Prozentpunkte). Dieser Zuwachs ist jedoch mit Vorsicht zu geniessen: Die Studienverantwortlichen schränken selbst ein, dass sie die Teilnehmenden im Rahmen der Umfrage gezielt über die Sicherheitsmechanismen von Kreditkarten informierten. Dies könnte das Vertrauen gestärkt und die Nutzung künstlich erhöht haben. Der Effekt sei daher nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung.

Entwicklung der Transaktionsanteile im Gesamtmarkt: Mobiles Bezahlen hat Bargeld und Debitkarte überholt, doch das Wachstum stagniert. (Source: Swiss Payment Monitor 2026 / Universität St. Gallen; ZHAW)
Debitkarte erobert Läden zurück, NFC überholt QR-Code
Besonders im stationären Handel (Präsenzgeschäft) gibt es einen Führungswechsel: Die Debitkarte ist mit 27,1 Prozent der Transaktionen wieder die Nummer eins und überholt das Bargeld (26,5 Prozent). Das mobile Bezahlen verliert hier erstmals leicht an Anteilen. Im Onlinehandel (Distanzgeschäft) baut das mobile Bezahlen seine Vormachtstellung hingegen mit 74,4 Prozent der Transaktionen weiter aus und verdrängt vor allem die Zahlung per Rechnung.
Relevant für IT-Verantwortliche ist die technische Entwicklung an der Kasse: Erstmals finden mehr Transaktionen über NFC statt (36,1 Prozent) als via QR-Code (27,9 Prozent). Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung von Mobile Wallets wie Apple Pay, das seinen Marktanteil unter den mobilen Anbietern deutlich steigern konnte. Unangefochten an der Spitze bleibt zwar Twint mit 62,7 Prozent der mobilen Transaktionen, doch die Konkurrenz holt auf.
Sicherheit entscheidet - doch das Wissen fehlt
Ein vertiefendes Kapitel der Studie widmet sich dem Thema Sicherheit und liefert entscheidende Einblicke für die Gestaltung von Zahlungsprozessen. Sicherheitsaspekte sind für die Kundschaft vor allem bei hohen Beträgen und bei unbekannten Onlinehändlern das entscheidende Kriterium. Bei vertrauten Anbietern oder kleinen Beträgen dominiert hingegen klar die Bequemlichkeit.
Dabei zeigt sich eine erhebliche Wissenslücke: Während grundlegende Schutzmechanismen wie das Sperren einer Karte bekannt sind, wissen nur wenige über fortgeschrittene Techniken wie die Tokenisierung (28,5 Prozent Bekanntheit) oder Chargeback-Rechte (43,5 Prozent) Bescheid. Die Studienverantwortlichen deuten an, dass eine bessere Kommunikation dieser Sicherheitsvorteile das Vertrauen und die Nutzung bestimmter Zahlungsmittel fördern könne.
Bargeld schwindet, Neobanken boomen
Der Trend weg vom Bargeld hält an. Die Menschen in der Schweiz tragen durchschnittlich nur noch 82 Franken auf sich. Parallel erreicht der Anteil der Personen, die gar kein Bargeld mehr im Portemonnaie haben, mit 17 Prozent einen neuen Rekordwert.
Gleichzeitig setzen digitale Banking-Angebote ihren Siegeszug fort: Die Nutzung von Neobanken erreicht mit 42,9 Prozent ebenfalls einen neuen Höchststand. An der Spitze zementiert Revolut seine Vormachtstellung und wächst auf einen Nutzungsanteil von 18,9 Prozent.

Das Rennen der Neobanken: Revolut enteilt der Konkurrenz, während Yuh am bisherigen Zweitplatzierten Neon vorbeizieht. Die Auswertung zeigt den Antwortanteil "kenne ich und nutze ich" auf folgende Frage: "Im Folgenden sehen Sie eine Übersicht verschiedener Anbieter von digitalen Banklösungen (sog. Digitalbanken resp. Neobanken). Bitte geben Sie für die einzelnen Anbieter an, welche der jeweiligen Aussagen auf Sie zutrifft." (Source: Swiss Payment Monitor 2026 / Universität St. Gallen; ZHAW)
Bewegung gibt es auf den Plätzen dahinter: Yuh (12,6 Prozent) zieht am bisherigen Hauptverfolger Neon vorbei und sichert sich den zweiten Platz. Für Neon (10,6 Prozent) zeigt der Trend hingegen nach unten; die Zürcher Neobank verliert an Zuspruch. Auch die etablierten Anbieter Zak (-0,5 Prozentpunkte) und Wise (-1,2 Prozentpunkte) büssen an Reichweite ein. Neu in der Rangliste figuriert UBS key4. Das digitale Banking-Angebot der UBS löst im Ranking das Credit-Suisse-Angebot CSX ab und steigt auf dem vierten Rang ein (8,7 Prozent).
Überraschendes Detail zu den Gründen der Beliebtheit: Nicht die oft beworbenen günstigen Wechselkurse (Platz 6) sind die wichtigsten Argumente für die Nutzung einer Neobank, sondern die einfache Handhabung, der Nutzen auf Reisen und schnelle Überweisungen.
Zur Studie
Der Swiss Payment Monitor ist ein Forschungsprojekt der Universität St. Gallen und der ZHAW. Er untersucht seit 2018 halbjährlich das Zahlungsverhalten in der Schweiz. Die aktuelle Erhebung fand im November 2025 statt und basiert auf einer repräsentativen Umfrage mit 1616 gültigen Antworten sowie einem Zahlungstagebuch von 1173 Teilnehmenden.
Übrigens: Wie sich die Schweizer Payment-Branche auf die viel beschworene KI-Revolution vorbereitet, erfahren Sie im Bericht über das Swiss Payment Forum 2025.
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